Panorama

Mediziner erproben neue Methode EHEC-Welle ebbt nicht ab

Mehr Tote, weitere Kranke - und kein Ende der EHEC-Welle in Sicht. Auch das zehnte Todesopfer wird aus Norddeutschland gemeldet. Hamburger Mediziner testen eine neue Behandlungsmethode gegen schwere Krankheitsverläufe. Die Verbraucher sind verunsichert: Viele Deutsche lassen derzeit die Finger von rohen Tomaten, Gurken und Salat.

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Eine Laborantin des Robert-Koch-Instituts überprüft EHEC-Kolonien auf Nährboden.

(Foto: dpa)

Die EHEC-Welle rollt unvermindert vor allem durch den Norden Deutschlands. Bislang sind dem gefährlichen Darmkeim zehn Menschen zum Opfer gefallen. Auch die Zahl der Krankheits- und Verdachtsfälle steigt. Nach offizieller Schätzung ist der Höhepunkt noch nicht erreicht. Wo die Ursache liegt, ist weiter unklar. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger verzichtet auf rohe Tomaten, Gurken und Salat. Betroffene Bauern beklagen Riesenschäden. Deutsche Erzeugerverbände meldeten unterdessen nach Labortests ihre Ware "EHEC-frei".

Am Samstag wurden vier neue Todesfälle bekannt: In einem Krankenhaus in Schleswig-Holstein starb zunächst eine 84 Jahre alte Frau an der schweren Komplikation HUS, später eine 86-Jährige. HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom. Im Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE) starb daran eine 87-jährige Frau. Eine 38 Jahre alte Frau aus Schleswig-Holstein war bereits am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus am HUS gestorben. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr.

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den zehn Toten waren neun Opfer Frauen. Bislang stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland.

Die Bundesregierung hält eine weitere Ausbreitung der EHEC-Welle für möglich. "Es sind weitere Fälle zu befürchten, solange die Quelle nicht zweifelsfrei identifiziert und geschlossen ist", erklärte ein Sprecher der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Insbesondere Gurken, Tomaten und Salat in Norddeutschland würden auf den Erreger hin getestet.

Mediziner versuchen neue Methode

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An der Uniklinik Eppendorf probieren Mediziner eine neue Behandlungsmethode gegen HUS aus.

(Foto: dpa)

Mediziner setzen gegen HUS inzwischen auf eine neue Behandlung. So bekommen in der Hamburger Uniklinik Eppendorf (UKE) sechs EHEC-Infizierte mit Komplikationen einen speziellen Antikörper, wie UKE-Professor Rolf Stahl berichtete. "Erst in einigen Wochen werden wir wissen, wie erfolgreich diese Therapie sein wird." Der Antikörper Eculizumab soll gegen das akute Nierenversagen bei HUS wirken, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtete. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wird das Mittel seit Wochenbeginn eingesetzt, wie die Zeitung "Schleswig-Holstein am Sonntag" meldete.

Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im Fachblatt "New England Journal of Medicine" die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor. Die Kinder waren im vergangenen Jahr nach EHEC-Infektionen an HUS erkrankt. Sie litten an Nierenversagen sowie an schweren Störungen des Nervensystems. Innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Infusion habe sich der Zustand der Kinder deutlich verbessert, berichten die Mediziner in der Fachzeitschrift. Auch sechs Monate danach seien die Kinder gesund.

Verbraucher verunsichert

Mehr als jeder zweite Bundesbürger verzichtet jetzt auf ungekochte Tomaten, rohe Gurken und Salat. 58 Prozent gaben in einer Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" an, auf diese Rohkost zu verzichten. 41 Prozent würden dagegen weiterhin rohes Gemüse essen.

Angesichts der Skepsis der Verbraucher gehen die deutschen Obst- und Gemüseproduzenten in die Offensive. Große Erzeuger haben Stichproben ihrer Produkte testen lassen und meldeten nach entsprechenden Laborbefunden ihr Obst und Gemüse als "EHEC-frei". So seien Waren der führenden deutschen Vermarktungsorganisation Landgard am Niederrhein "erwartungsgemäß EHEC-frei" getestet worden, berichtete die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO).

Zu den getesteten Waren gehörten mehrere Salatsorten, Tomaten und Gurken. Dasselbe Ergebnis legte auch die Gartenbauzentrale Papenburg vor - die größte Gurken vermarktende Organisation in der Bundesvereinigung. Sowohl Landgard als auch die Gartenbauzentrale haben viele Kunden in Norddeutschland, wo die Zahl der durch den EHEC-Erreger erkrankten Menschen besonders hoch ist.

Deutschlands Bauern klagen über starke Absatzeinbrüche. Der Vizechef des schleswig-holsteinischen Bauernverbands, Hans-Peter Witt, sieht "irrsinnige Schäden". Salat sei praktisch nicht zu verkaufen, sogar bei Erdbeeren sei der Verkauf mancherorts um 50 Prozent zurückgegangen. Dies sei für viele Bauern existenzgefährdend.

Quelle: n-tv.de, dpa

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