Panorama

"Begrabt mich nicht!" Ein sterbender Junge zeigt das Leid im Jemen

Farid Schauki wird bei einem Raketenangriff verletzt. Während die Ärzte um sein Leben kämpfen, fleht der Sechsjährige. Sein trauriges Schicksal rückt Jemens vergessenen Krieg in den Fokus.

Seit mehr als sechs Monaten tobt im Jemen, einem der ärmsten Länder der Welt, ein blutiger Bürgerkrieg. Tag für Tag wird das Land aus der Luft bombardiert, am Boden gibt es schwere Gefechte. Knapp 5000 Menschen wurden seit Ausbruch des Krieges im März getötet, die Hälfte davon Zivilisten. Selbst Schulen, Märkte, Krankenhäuser, sogar Waisenhäuser werden zu Angriffszielen.

Laut Unicef sterben jeden Tag mindestens acht Kinder. Die meisten verlieren ihr Leben, ohne dass die Öffentlichkeit von ihnen erfährt. Und ohne Ahmed Basha hätte wahrscheinlich auch niemand von dem sechs Jahre alten Farid Schauki und seinem unfassbar traurigen Tod erfahren.

Basha, der als lokaler Fotograf über den Krieg in seinem Land berichtet, ist in Taiz, einer Stadt in den jemenitischen Bergen unterwegs. "Ich war auf der Straße, als ich eine Rakete kommen hörte und mich fragte, wo sie einschlagen wird", berichtete er dem britischen Sender BBC. Als er sich wieder aufrichtete, war überall Staub auf der Straße und das Haus, vor dem fünf Kinder gespielt hatten, war nicht mehr da. Rettungskräfte zogen schließlich einen kleinen Jungen unter den Trümmern hervor. 

Toter Farid erinnert an Aylan

Basha folgte ihnen mit seiner Handykamera bis in den OP-Saal. Während die Ärzte den Jungen behandelten, habe der Sechsjährige vor Todesangst geweint und seinen Vater immer wieder angefleht: "Begrabt mich nicht!", berichtete Basha weiter.

Weil ihm das Schicksal des kleinen Jungen so nahe ging, veröffentlichte er das Video auf seiner Facebook-Seite und bewegte damit Tausende Menschen weltweit.

Mittlerweile wurde das Video unzählige Male geteilt. Mit dem Hashtag #DontBuryMe bekunden Tausende Menschen ihre Anteilnahme. "Begrabt mich nicht: Ein kleiner Junge bringt es auf den Punkt. Möge seine Seele und die Seele all der anderen Kinder, die grundlos sterben, Gnade finden", zitierte die BBC einen jemenitischen Facebook-Nutzer.

"Der ertrunkene Aylan verkörpert die Tragödie der Syrer", schreibt ein anderer Nutzer, "Farid zeigt, was bei uns im Jemen geschieht." Eine Frau schreibt: "An das Kind, das ich nie bekommen habe: Sei mir dankbar, mein Liebes, das hier wäre kein guter Ort für dich."

Farid Schauki hat nicht überlebt. Er starb wenige Tage später an den Folgen des Bombenanschlags und wurde von seinen Eltern begraben.

Quelle: ntv.de, dsi

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