Panorama

"Wütend auf Luftfahrt-Bundesamt"Enttäuschung zum Prozessauftakt um Germanwings-Katastrophe

28.08.2026, 17:20 Uhr
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Einen Germanwings-Airbus wie diesen steuerte Lubitz geradewegs in die Alpen. (Foto: IMAGO/Dreamstime)

Noch immer kämpfen die Hinterbliebenen des absichtlich verursachten Absturzes einer Germanwings-Maschine vor Gericht um Gerechtigkeit. Das Luftfahrt-Bundesamt habe seine Pflichten vernachlässigt, sind sie überzeugt. Eine Entscheidung fällt erst später.

Elf Jahre nach der Germanwings-Katastrophe hat das Landgericht im niedersächsischen Braunschweig über eine Schadenersatzklage von 30 Hinterbliebenen gegen den deutschen Staat verhandelt. Eine Entscheidung soll am 6. Oktober fallen, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Bei dem Absturz in den französischen Alpen starben am 24. März 2015 alle 150 Insassen.

Untersuchungen ergaben später, dass Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich abstürzen ließ. Er war psychisch erheblich vorbelastet und hätte dem Ermittlungsergebnis zufolge nicht fliegen dürfen. Eine Krankschreibung, die auch für den Absturztag galt, verheimlichte er seinem Arbeitgeber.

Als der Pilot während des Flugs 4U 9525 auf die Toilette ging, schloss Lubitz sich im Cockpit ein und brachte das Flugzeug zum Absturz. In den Tagen zuvor hatte er im Internet Methoden für Suizid recherchiert und sich mit den Sicherheitsvorkehrungen bei Cockpit-Türen befasst.

Die Kläger werfen dem in Braunschweig ansässigen Luftfahrt-Bundesamt nun vor, dass nicht genügend überwacht worden sei, ob der Co-Pilot flugtauglich sei. Der Staat habe somit seine Amtspflichten verletzt. Sie fordern zusätzlichen Schadenersatz zwischen 500 und 110.000 Euro.

Schon vor Beginn der Verhandlung machte das Gericht allerdings deutlich, dass es die Erfolgsaussichten der Klage als gering einschätzt. Der Staat hafte nicht, wenn Betroffene auf andere Weise Schadenersatz bekommen könnten, zum Beispiel durch die Fluggesellschaft.

Enttäuschung im Gerichtssaal

Die Hinterbliebenen reagierten enttäuscht auf den Auftakt. "Also ich sehe unsere Chancen bei einem Prozent", sagte Klaus Radner. Er hat bei dem Flugzeugabsturz am 24. März 2015 in den Alpen seine Tochter, ein Enkelkind und den Freund der Tochter verloren. Der 71-Jährige vertritt die Auffassung, dass viele Organisationen und Menschen versagt hätten und ihrem Beruf nicht ordentlich nachgekommen seien. "Und da wollen wir einfach die Verantwortlichen benennen und auch verurteilt haben", sagte er und kündigte an, dies auch weiter zu versuchen. "Wenn es eine Chance gibt. Vielleicht gibt es dieses berühmte eine Prozent."

"Ich wusste ungefähr, was da rauskommt", sagte auch Engelbert Tegethoff, der beim Absturz eine Tochter verloren hat. "Aber das alles wieder heute zu hören, da kommen die ganzen Bilder wieder zum Vorschein", beschrieb er. "Es geht meiner Frau und mir schlecht", sagte er unter Tränen. Abschließen gehe aber nicht, sie müssten wie die anderen Angehörigen damit leben.  

"Ich bin schon ziemlich wütend auf das Luftfahrt-Bundesamt", sagte Tegethoff und sprach von "Staatsversagen". Ziel der Klage sei es, Klarheit zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Fall niemals wiederhole. "Es geht nicht ums Geld", sagte er. "Es geht um das Ziel, dass so eine Katastrophe nie wieder passiert." Dann wäre der Tod der Menschen aus seiner Sicht nicht ganz sinnlos gewesen.

Frühere Klagen gegen die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa scheiterten ebenso wie eine Sammelklage gegen die Flugschule in den USA, an welcher der Co-Pilot ausgebildet worden war. Die Lufthansa zahlte freiwillig Entschädigungen.

Der Germanwings-Flug war auf dem Weg vom spanischen Barcelona nach Düsseldorf, als er abstürzte. Unter den Toten waren insgesamt 72 Deutsche, darunter 16 Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen einer Schule aus dem nordrhein-westfälischen Haltern am See.

Quelle: ntv.de, mpa/dpa/AFP

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