Panorama

Wände schützen Hitzacker Flut hoch wie nie, Altstadt trotzdem trocken

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Banger Blick nach Hitzacker: Hält die Schutzwand?

(Foto: dpa)

So hoch stand das Wasser in Hitzacker noch nie: 8,10 Meter werden in der Elbstadt gemessen. Dennoch ist die historische Altstadt trocken. Eine Schutzwand hält das Hochwasser fern. Sorge bereitet den Helfern dagegen ein provisorischer Deich ein paar Kilometer flussabwärts.

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Bis zu einem Pegel von knapp 9 Metern reicht die Spundwand.

(Foto: dpa)

Hitzacker ist trocken. Nachdem die Stadt in den vergangenen Jahren gleich mehrere Jahrhunderthochwasser erlebt hatte, sichert jetzt eine Schutzwand die Stadtinsel zwischen Elbe und Jeetzel. Zusammen mit einem neuen Schöpfwerk und einem Siel soll sie Hitzacker und Umgebung "vor Hochwasser-Ereignissen schützen, wie sie statistisch einmal in 100 Jahren auftreten", so die niedersächsische Hochwasserschutzbehörde.

Einmal in 100 Jahren? Wenn das stimmt, könnte Hitzacker sich für die nächsten 500 Jahre entspannt zurücklehnen. Denn in der Realität wurde die Altstadt von Hitzacker nicht nur beim großen Elbe-Hochwasser 2002 überflutet, sondern auch 2003 und 2006. Als 2011 der bisherige Rekord-Pegel von 7,70 erreicht wurde, stand die Schutzwand bereits - und hielt.

Ihre Bewährungsprobe hat die Wand damit bestanden. Allerdings steht das Wasser in diesem Jahr weitaus höher: "Aktuell haben wir einen Pegel von 8,10 Meter", sagt Mirko Tügel von der Feuerwehr Elbtalaue n-tv.de. "Aber der Pegel steigt mit Sicherheit noch um zehn bis zwanzig Zentimeter." Damit hätte Hitzacker noch etwas Luft: Ausgelegt ist die Schutzwand auf einen Pegelstand von bis zu 8,96 Meter.

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Rund 15 Kilometer flussabwärts von Hitzacker: Die Gemeinde Neu Darchau wird nur von einem Notdeich geschützt.

(Foto: dpa)

Dennoch ist die Altstadt bereits evakuiert worden. Denn bedroht wird die Schutzwand weniger vom steigenden Wasser. Angesichts der hohen Fließgeschwindigkeit der Elbe geht die größte Gefahr von mitgerissenem Treibgut aus. Wenn das gegen die Schutzwand prallt, könnte es kritisch werden. Auf der Elbe fahren daher Patrouillenboote von Feuerwehr, Wasserrettung und Greenpeace und sammeln Treibgut ein.

Provisorischer Deichbau unter Wasser

Anders als in Hitzacker gibt es ein paar Kilometer weiter nördlich in der Gemeinde Neu Darchau keinen festen Hochwasserschutz. Wie Hitzacker gehört Neu Darchau zur Samtgemeinde Elbtalaue. "Dort haben wir provisorische Notdeiche gebaut", sagt Tügel. Die Strömung hat dem Deich allerdings stark zugesetzt, der Deichfuß ist abgerutscht. "Da müssen wir nachbessern", so Tügel.

Kräfte von Feuerwehr, Bundeswehr und Technischem Hilfswerk sind dort im Einsatz, um am Fuß des Deiches auf der Wasserseite Sandsäcke zu stapeln. Bereits am Sonntag hatten Taucher einer Polizeieinheit aus Oldenburg hier 100 Sandsäcke auf einer Tiefe von bis zu drei Meter unter der Wasseroberfläche verbaut.

Auch freiwillige Helfer sind hier im Einsatz. "Die Solidarität ist riesengroß, wir bekommen so viel Unterstützung", berichtet Tügel. "Auch Getränke, Essen, Sonnencreme - alles, was man so braucht." Entlastung könnte in Neu Darchau ein Deichbruch rund 140 Kilometer elbaufwärts bringen. In Fischbeck nahe Stendal ist der Deich in der Nacht zum Montag auf einer Länge von 50 Metern gebrochen. Mehr als 1000 Menschen mussten sofort ihre Häuser verlassen. Für sie ist es eine Katastrophe. "Uns könnte der Deichbruch ein bisschen helfen", sagt Tügel. "Mit Verzögerung könnte uns das zehn bis fünfzehn Zentimeter weniger bringen."

Vorerst steigt das Wasser jedoch weiter. Um Mitternacht wird in Neu Darchau noch ein Pegelstand von 7,56 Meter gemessen. Zwölf Stunden später sind es bereits 7,77 Meter. Tendenz steigend.

Quelle: ntv.de