Panorama

Corona heftiger als erwartet Grünen-Politiker nahm Infektion in Kauf

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Stephan von Dassel hat seine bewusste Infektion mit dem Coronavirus überstanden.

(Foto: imago images / Bernd Friedel)

Vor zwei Wochen wird bekannt, dass der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, mit dem Coronavirus infiziert ist. Er begibt sich in häusliche Quarantäne. Nun räumt er ein: Seine Infektion ist kein Zufall.

Das Coronavirus kann jeden treffen, es macht keinen Unterschied zwischen Arm und Reich oder welchen Job man ausübt. Der britische Premierminister Boris Johnson ist infiziert, in Deutschland sind die Politiker Friedrich Merz und Cem Özdemir betroffen. So verwunderte es nicht, dass vor zwei Wochen auch der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, erklärte, mit dem Virus infiziert zu sein. Allerdings bekannte er jetzt: Er nahm eine Infektion in Kauf.

"Ich habe mich fast schon bewusst infiziert, weil ich meine Freundin nicht in der Quarantäne allein lassen wollte", sagte der 53-Jährige dem RBB. Seine Freundin hatte sich zuvor in der Schweiz angesteckt.

Allerdings habe er nicht mit der Schwere der Erkrankung gerechnet, sagte er: "Dann dachte ich: Naja, das kriegt man zwei Tage und dann ist man immun." Es sei anders gekommen: "Ich bin doch überrascht gewesen, dass es mich zwei Wochen ganz schön beschäftigt hat." Er sei nun aber "über den Berg" und hoffe, dass er Ende der Woche wieder arbeiten könne.

Seiner Meinung nach sei es "fast nicht möglich, zwei Wochen zusammenzuleben und sich nicht anzustecken". Von Dassel erklärte dem RBB, es solle das Ziel sein, dass sich so viele Menschen wie möglich immunisieren. So könne ihnen die Krankheit nichts mehr anhaben. Tatsächlich ist Virologen wie Christian Drosten von der Berliner Charité zufolge die Pandemie erst vorüber, wenn sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert und dann immunisiert haben. Er ist aber dagegen, Bevölkerungsgruppen mit geringerem Risiko, etwa Jüngere, absichtlich zu infizieren. "Man kann Personen nicht so einem Risiko aussetzen", sagte er im NDR-Podcast zum Coronavirus. Denn auch Jüngere sind nicht vor schweren Verläufen von Covid-19 sicher.

*Datenschutz

Allerdings könnten Hinweise zum Grad der sogenannten Durchseuchung Entscheidungen vereinfachen, wann etwa Schulen wieder geöffnet oder Großveranstaltungen erlaubt werden, so Forscher. Geplant ist deswegen eine Studie, die zeigen soll, wie viele Menschen in Deutschland nach einer Infektion gegen das Coronavirus immun geworden sind.

Quelle: ntv.de, ara