Panorama

Die Null-Einschüchterungs-TaktikHate-Aid darf nicht in die USA, aber auf Wanderschaft

15.02.2026, 13:01 Uhr dff697a9-ec36-4d60-a8dd-b9e0363450ecVon Sabine Oelmann
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Die Geschäftsführerinnen der gegen Hass und Hetze im Internet eintretenden Organisation HateAid, Josephine Ballon (l.) und Anna-Lena von Hodenberg (r.) (Foto: Sven Serkis/HateAid/dpa)

Bevor "Alles im Angebot" ab Frühjahr 2026 als Wanderausstellung auf Reisen geht, kann man im Berliner Museum für Kommunikation in einen Raum für Vernetzung, Austausch und neue Allianzen rund um die digitale Gerechtigkeit eintauchen. Das ist nötiger als je zuvor, wie auch ntv.de immer wieder feststellen muss.

"Sollte ich in die USA einreisen? Oder lieber nicht?" Diese Überlegung haben sich in den letzten Monaten sicher viele Journalistinnen und Journalisten, aber auch ganz "normale Touristen" gestellt. Während viele den Plan auf "die Zeit nach Trump" verschieben, können Menschen, die geschäftlich dort zu tun haben oder von Universitäten oder zu Vorträgen eingeladen werden, bloß wählen zwischen dem Versuch, einzureisen und einer nicht unerheblichen Wahrscheinlichkeit, abgewiesen zu werden.

Letzteres passierte den beiden Geschäftsführerinnen der Organisation HateAid, Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon, kurz vor Weihnachten 2025. Sie waren zwar in "guter Gesellschaft", denn das US State Department hatte die Verhängung von Einreisesperren auch gegen den ehemaligen EU-Kommissar Thierry Breton, den CEO des CCDH Imran Ahmed und die CEO des Global Disinformation Index, Clare Melford, ausgesprochen. Aber das macht die Sache weder einfacher noch besser.

Alle fünf wurden als "radikale Aktivisten" und "bewaffnete Organisationen" eingestuft, eine Einreise in die USA wurde ihnen und potenziell auch ihren Familienangehörigen nicht erlaubt. Ein bereits gültiges ESTA-Visum von Josephine Ballon wurde kurz zuvor per E-Mail widerrufen.

Alles im Angebot

Durch solche Aktionen lassen Frauen wie von Hodenberg und Ballon sich jedoch nicht einschüchtern: Sie setzen sich weiterhin für Menschenrechte im digitalen Raum ein und engagieren sich auf gesellschaftlicher wie politischer Ebene gegen digitale Gewalt und ihre Folgen. HateAid unterstützt Betroffene durch Beratung und Prozesskostenfinanzierung.

Um gleich mal zu zeigen, wie sehr sie sich nicht von dem abbringen lassen, wofür sie einstehen und arbeiten, haben sie diese Woche in Zusammenarbeit mit neuland & gestalten im Museum für Kommunikation Berlin zum Safer Internet Day die Wanderausstellung "Alles im Angebot" eröffnet. Begleitet wurde der Abend von Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes und Musiker Bosse. Beziehungsweise von Bosses Stimme, die er vorübergehend einer Katze geliehen hat - einer sehr großen rosa Katze in der Ausstellung, die spricht.

Dass es dennoch nicht nur um Cat-Content geht, ist klar, aber die beiden Promis gehören zu dem Team, das für (digitale) Zivilcourage, Respekt und eine offene Debattenkultur steht. Zwei bekannte Stimmen also, die Haltung zeigen - und mit ihrem Tun und der Teilnahme an der Ausstellungseröffnung einige der drängendsten gesamtgesellschaftlichen Fragen stellen: Wie verändern Plattformen unser Miteinander? Wo beginnt digitale Gewalt - und wer trägt Verantwortung? Am dringendsten vielleicht ist die Frage danach, wie wir gesellschaftliche Debatten konstruktiv gestalten können, ohne sie zu vereinfachen.

Vor dem Hintergrund der jüngsten internationalen Solidarität mit HateAid in Folge der Sanktionen durch US-Präsident Donald Trump gegen die Geschäftsführerinnen der Organisation ist die Eröffnung ein deutliches, öffentliches Zeichen: für Haltung, für Engagement und für die Menschen hinter der Organisation. Die Anwesenden an diesem Abend sind jedenfalls begeistert.

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Ballon und von Hodenberg arbeiten dagegen an, dass sich keine zivilgesellschaftliche Organisation, keine Politikerin, keine Forschende und erst recht keine Einzelperson in Zukunft trauen wird, Missstände bei US-Tech-Konzernen anzuprangern. Europäische Gesetze sind dann nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden, finden beide. (Foto: PR/HateAid)

Die Ausstellung, die fragt, ob das Internet eine Art Supermarkt ist, in der sich jeder nimmt, was er will, wird auf Wanderschaft durch Deutschland gehen - und damit auch die Diskussionen um Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Zensur und Einschüchterungsversuche. Denn eines steht fest: Im Supermarkt müssen wir bezahlen - im Internet meinen viele noch immer, sich einfach nehmen und machen zu können, was sie wollen.

Die Ausstellung ist bis zum 8. März im Berliner Museum für Kommunikation zu sehen.

Quelle: ntv.de

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