Panorama

Milde Temperaturen sind vorbei Herbststürme beruhigen sich langsam

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In Regen getränktes Laub soweit das Auge reicht.

(Foto: dpa)

Das Tief "Christian" hat Europa im Griff. Wind und Regen überziehen Deutschland. n-tv Wetterexperte Björn Alexander erklärt, ob der Winter nun den Herbst ablöst.

n-tv.de: Björn, bisher kam der Herbst eher warm und ruhig daher. Zumindest mit der Ruhe ist es vorbei. Wie lange hält uns Sturmtief "Christian" noch im Griff?

Björn Alexander: "Christian" ist zwar ein recht intensives, aber auch vergleichsweise kleinräumiges Tief. Damit lässt der Wind schon in der Nacht auf Dienstag wieder deutlich nach. Zuvor zeigt uns das Hauptsturmfeld aber eindeutig an, dass wir uns im Herbst befinden. Mit Böen um 160km/h auf dem Brocken sowie satten Orkanböen bis rund 150km/h auf der Nordsee. Im Flach- und Binnenland sind es Böen von 70 bis etwa 100km/h. Stellenweise auch darüber. Der Schwerpunkt liegt dort vor allem im Westen und Norden.

Ist der Sturm damit ähnlich stark wie beispielsweise "Kyrill" im Jahr 2007?

Das meteorologische Potenzial von "Christian" ist deutlich geringer als von "Kyrill". Allerdings macht die Jahreszeit den Sturm dennoch sehr gefährlich. "Kyrill" traf uns im Januar 2007. Das war mitten im Winter. Die Bäume waren ihre Blätter schon lange los. Die jetzige Situation ist hingegen eine ganz andere. Wir sind noch im Herbst und die Blätter auf den Bäumen bieten dem Sturm eine deutlich größere Angriffsfläche. Ein weniger starker Sturm kann somit dennoch größere Schäden verursachen oder eine Gefahr für Leib und Leben darstellen.

Wie geht es mit unserem Wetter weiter?

Der Sturm ist bei uns eigentlich schon ab Dienstag meteorologische Geschichte. Denn "Christian" ist recht fix unterwegs. Binnen 24 Stunden von Montag Morgen bis Dienstag früh ist das Orkantief vom Süden Englands bis nach Finnland weiter gezogen. Das sind gut und gerne 2000km. Dahinter beruhigt sich unser Wetter spürbar. Nur an den Küsten bleibt es noch windig mit weiteren Schauern und örtlichen Gewittern. Das gilt besonders an der Nordsee sowie in Nordfriesland. Unbeständig oder grau geht es auch in Richtung Alpen weiter. Dazwischen zeigt sich die Sonne hingegen deutlich öfter und es bleibt trocken. Was jedoch für alle gilt: die extrem milden Temperaturen sind erst einmal vorbei. Von den rund meist 14 bis 24 Grad am Montag bleiben am Dienstag nur noch 9 Grad am Alpenrand und bis 16 Grad im Breisgau. Damit meldet sich dann auch der Winter in den Hochlagen zurück. Die Schneefallgrenze sinkt im Tagesverlauf auf etwa 1800 bis 1500 Meter.

Björn Alexander ist der n-tv-Meteorologe.

(Foto: n-tv)

Vom Herbststurm direkt in den Winter?

Zumindest im Hochgebirge. Denn auch am Mittwoch bleibt dieser Trend erhalten. Dann sind in den Alpen oberhalb von circa 1300 Meter Schneeflocken unterwegs. Wettermäßig bleibt es bei einer ähnlichen Teilung wie am Dienstag. Also der Norden und der Südosten wechselhaft oder wolkig mit Schauern. Der große Rest zwischendrin erlebt dagegen die beständige und zeitweise sonnige Herbstvariante. Und der Wind ist abgesehen von kräftigeren Böen im Norden allgemein schwach oder mäßig. Dazu kühlt es noch etwas ab bei 7 bis 14 Grad. Und auch die Nächte werden wieder frischer. Vor allem am Donnerstag und Freitag früh müssen wir uns gebietsweise auf Bodenfrost einstellen.

Bleibt es denn tagsüber wenigstens schön? Schließlich wird es für den ein oder anderen unter uns ein langes Wochenende.

Am Donnerstag - dem Reformationstag - geht es ruhig, trocken und nach Nebelauflösung auch freundlich oder sonnig mit 8 bis 15 Grad weiter. Einzig im Nordwesten steigt das Regenrisiko nachmittags oder abends an. Mit Glück bleibt es aber trocken.

Wie sieht es am Freitag (Allerheiligen) aus?

Da könnten über der Nordhälfte einzelne Schauer durchziehen. Richtung Süden sind zwar auch mal dichtere Wolken unterwegs. Regen ist aber aus heutiger Sicht dort nicht in Sicht. Dazu erreichen die Temperaturen zwischen 7 und 14 Grad.

Und was bringt uns das Wochenende?

Das ist leider noch recht schwierig zu prognostizieren. Das hängt maßgeblich von einem neuen Sturmtief über dem Atlantik bzw. den Britischen Inseln ab. Momentan würde ich sagen, dass es in der Nordwesthälfte eher wechselhaft und windig mit Schauern weitergeht. Der Süden und der Südosten könnten noch öfter trocken und phasenweise freundlich durchs Wochenende kommen. Bei den Temperaturen ändert sich kaum etwas mit 8 bis 14 Grad.

Quelle: ntv.de