Panorama

Seilbahnunglück von Sölden Hubschrauber dicht über Seil

Der Hubschrauber, der das Seilbahnunglück von Sölden verursacht hat, flog nach Angaben eines Zeugen am Tag der Tragödie dauernd dicht über das Seil der Bergbahn. "Er ist schon den ganzen Morgen knapp über das Seil hinweggeflogen", sagte der Karlsruher Skitrainer Marcel Knoch der Deutschen Presse-Agentur.

Knoch hatte mit einer Gruppe des Skiclubs Rheinbrüder im Gletschergebiet von Sölden trainiert. Bei dem Unglück waren am Montag neun Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs Kinder aus Baden-Württemberg. Fünf Karlsruher wurden teils schwer verletzt.

"Wenn jetzt behauptet wird, der Hubschrauber sei 200 bis 300 Meter hoch geflogen, dann ist das schwer zu glauben", meinte Knoch. Als das Unglück geschah, stand er mit seiner Gruppe schon auf dem Parkplatz. Er wurde erst darauf aufmerksam, als andere berichteten, dass Leute aus den Gondeln fielen. Als Knoch sich umdrehte, schwangen die Gondeln noch immer stark hin und her.

"Wir haben alle sofort an den Hubschrauber gedacht. Dass das Unglück mit ihm zu tun hat, das war allen klar." Dies habe er auch schon der Polizei gesagt. Nach Knochs Darstellung flog der Hubschrauber immer mit vollem Kübel zur Bergstation hoch, wo etwas betoniert wurde. Dann kam er mit leerem Behälter wieder herunter.

Die Rheinbrüder trainieren jedes Jahr in Sölden. "Wir denken, wir werden auch wieder hingehen", sagt Knoch. Er hatte in Sölden eine 50-köpfige Gruppe geleitet, darunter 35 Kinder sowie Trainer und Eltern. Die meisten sind in der Nacht zum Mittwoch wieder nach Karlsruhe zurückgekehrt.

Drei Erwachsene und zwei Kinder sind noch im Krankenhaus. Sie waren zusammen in einer Gondel, die bei dem Unglück so sehr hin und her geschleudert wurde, dass ein Trainer herauskatapultiert wurde. Er erlitt Brüche und Prellungen. Zwei Väter und zwei Mädchen im Alter von elf und zehn Jahren wurden in der Gondel teils schwer verletzt. Dennoch meint Knoch: "Wir haben sehr viel Glück gehabt."

Die durch das Seilbahnunglück getöteten sechs Kinder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren gehörten einer anderen Trainingsgruppe an. Sie kamen aus den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen.

Am Montagmittag hatte sich bei einem Transportflug eines Hubschraubers über die Seilbahn ein 750 Kilogramm schwerer Betonkübel von der Aufhängung gelöst und war auf eine der Gondeln mit den deutschen Skifahrern gefallen. Die Kabine stürzte ab. Durch die Schwingungen wurden auch Insassen anderer Gondeln aus ihren Kabinen geschleudert. Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermitteln nun auch deutsche Behörden unter Federführung der Staatsanwaltschaft München.

Quelle: ntv.de

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