Panorama

Reisewarnung unausweichlich? Infektionsrate auf Mallorca steigt weiter an

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Eine Reisewarnung würde die Tourismusbranche auf Mallorca und Co. hart treffen.

(Foto: imago images/Chris Emil Janßen)

Malle ist nur einmal im Jahr: Doch nach lediglich drei Monaten könnte die Urlaubssaison auf der Insel schon wieder vorbei sein. Die Infektionsrate auf den Balearen ist hoch - Tendenz steigend. Nun droht eine Reisewarnung für die spanische Mittelmeerregion.

Die Viruslage auf den Balearen verschlechtert sich weiter. Auf der spanischen Inselgruppe, zu der die insbesondere bei deutschen Urlaubern beliebte Insel Mallorca gehört, ist die Sieben-Tage-Inzidenz auf 80,21 gestiegen. Am Donnerstag hatte der Wert noch 66,81 betragen, am Mittwoch 55,42. Somit liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen nun schon den dritten Tag in Folge über dem kritischen Grenzwert von 50.

Insgesamt sind in den vergangenen 14 Tagen nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums auf den Balearen 1504 neue Corona-Fälle registriert worden. Allein von Mittwoch auf Donnerstag meldeten die Behörden 264 Neuinfektionen. Seit Beginn der Pandemie wurden dort bislang 4151 verzeichnet. Dem Ministerium zufolge beträgt die Zahl der aktiven Infektionen 1508. Besonders betroffen von den steigenden Infektionszahlen ist demnach die mallorquinische Hauptstadt Palma. Die Stadt ist wegen ihres Flughafens sowie Hafens Dreh- und Angelpunkt für internationale Gäste, darunter auch viele Deutsche.

Vor dem Hintergrund der negativen Entwicklung steigt der Druck auf das Auswärtige Amt, aller deutschen Reiselust zum Trotz, eine Reisewarnung für die spanische Ferienregion im Mittelmeer auszusprechen. Bislang ist dies nur für die spanischen Autonomen Gemeinschaften Aragón, Baskenland, Katalonien, Madrid und Navarra erfolgt - aufgrund von Sieben-Tage-Inzidenzen jenseits der 50. Da die Balearen diese Marke nun hinter sich lassen, scheint eine Reisewarnung folgerichtig.

Zweistufige Bewertung ausschlaggebend

Doch allein auf dem Kriterium einer überschrittenen Obergrenze fußt ein solcher Schritt nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist auf seiner Seite auf eine zweistufige Bewertung, der eine Einstufung als Risikogebiet zugrunde liegt. Demnach werde zunächst die Sieben-Tage-Inzidenz hinsichtlich der Obergrenze von 50 Fällen analysiert. Dann folgt der zweite Schritt, der eine vom Grenzwert unabhängige Analyse beinhaltet. So verweist das RKI darauf, dass auch Staaten und Regionen, die den Grenzwert unterschreiten, für eine Reisewarnung in Betracht kommen, wenn "dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt". Hierzu werden Lageberichte des Auswärtigen Amtes herangezogen, die Aspekte wie Testkapazitäten und Hygienekonzepte berücksichtigen.

Noch zögert das Außenamt mit einer Einstufung der Balearen als Risikogebiet. Sollte sich das Ministerium von Heiko Maas dazu entschließen, wäre dies ein herber Schlag für die stark vom Tourismus abhängige Region. Die diesjährige Urlaubssaison begann wegen der Pandemie verspätet - erst seit dem 21. Juni dürfen EU-Bürger unbegrenzt nach Spanien einreisen.

*Datenschutz

Auch wenn eine offizielle Warnung vor "nicht notwendigen, touristischen Reisen" keineswegs einem Verbot gleichkommt, würden viele deutsche Urlauber sicherlich von einer Reise nach Mallorca, Ibiza und Co. abgeschreckt - nicht zuletzt, weil sie ihr Geld für gebuchte Trips zurückverlangen oder gar begonnene Urlaube auf den Inseln kostenfrei abbrechen können. Sollte eine Reisewarnung für die Balearen ausgesprochen werden, müssten sich Urlauber nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne begeben oder alternativ einen negativen Covid-19-Test vorweisen.

Quelle: ntv.de