Panorama

"Können nichts daran ändern" Inzidenz bei 444 - Verdopplung in zehn Tagen erwartet

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Montgomery fürchtet, dass die neue Virusvariante so gefährlich werden könnte wie Ebola.

(Foto: dpa)

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt auf 67.125. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erreicht weiterhin neue Höchststände und liegt nun bei 444,3. Weltärztebund-Chef Montgomery erwartet, dass sich der Wert innerhalb der nächsten zehn Tage sogar noch verdoppelt - und fordert Konsequenzen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen und hat einen Höchststand erreicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Morgen mit 444,3 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 438,2 gelegen, vor einer Woche bei 362,2 (Vormonat: 118,0). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 67.125 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.11 Uhr wiedergeben. Am Freitag hatte die Zahl der Ansteckungen bei 76.414 gelegen, vor genau einer Woche waren es 63.924 Ansteckungen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 303 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 248 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.717.295 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet mit einer Verdopplung der Corona-Inzidenz innerhalb der nächsten zehn Tage. "In der Nikolauswoche könnten wir Inzidenzen zwischen 700 und 800 haben", sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, die jetzt noch ergriffen würden - selbst Kontaktbeschränkungen oder Lockdowns - würden erst mit einer Verzögerung von zwei Wochen zu wirken beginnen.

Montgomery fordert Verbot von Weihnachtsmärkten

"Wir können nichts mehr daran ändern, dass am Tag der Kanzlerwahl von Olaf Scholz die Zahlen dramatisch hoch sein werden", sagte Montgomery. Der Weltärztebund-Vorsitzende forderte eine strikte Reduzierung der Kontakte und bundesweit das Schließen der Weihnachtsmärkte, um die Infektionskurve wieder zu senken. "Es bringt nichts, die Weihnachtsmärkte in der einen Region zu verbieten, wenn die Leute dann in eine andere fahren, wo sie noch geöffnet sind", sagte Montgomery. Länder und Kommunen sollten zudem zu Silvester größere Feiern, Feuerwerk und private Böllerei verbieten. "Das verhindert nicht nur Ansteckungen, sondern entlastet auch die Notfallambulanzen."

Mit Blick auf die in Südafrika neu entdeckte Virusvariante B.1.1.529 sagte Montgomery, diese sei ein gutes Beispiel dafür, dass dem Virus keine Chance zur Mutation gegeben werden dürfe. Noch sei unklar, wie gefährlich die neue Variante sei, aber sie scheine sich rasend schnell auszubreiten. "Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola." Eine Ebola-Infektion führt meist zu hohem Fieber und inneren Blutungen und endet sehr oft tödlich. Ohne Medikamente sterben rund 50 Prozent der Kranken, wobei der Anteil je nach Virusart auch deutlich darunter oder darüber liegen kann.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,97 an (Donnerstag: 5,79). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Freitag mit 4.803.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg stieg auf 100.779.

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

Quelle: ntv.de, chl/dpa/AFP

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