Panorama

Ausgleichsregelung missachtetSchule in Vechta übergibt jahrelang falsche Abschlusszeugnisse

07.08.2026, 18:34 Uhr
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Die Noten der Schüler wurden anscheinend nicht ordnungsgemäß miteinander verrechnet. Das hatte für mehr als hundert Schüler fatale Folgen. (Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie)

Einige haben zu niedrige Schulabschlüsse bekommen, andere sogar gar keinen. An einer Oberschule in Vechta ist es jahrelang zur Vergabe falscher Schulabschlüsse gekommen. Nun nimmt Niedersachsen auch andere Schulen unter die Lupe.

An einer Oberschule im niedersächsischen Vechta sind über Jahre hinweg mehr als 100 Schülerinnen und Schüler mit einem zu niedrigen oder gar keinem Schulabschluss entlassen worden. Bei einer Überprüfung der Geschwister-Scholl-Oberschule seien 107 falsch vergebene Abschlüsse aus den Schuljahren 2019/20 bis 2025/26 festgestellt worden, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Das Land will nun auch andere Ober- und Gesamtschulen überprüfen.

In 56 der Fälle hätte nach Angaben des Kultusministeriums ein Erweiterter Sekundarabschluss I vergeben werden müssen, in 49 Fällen ein Realschulabschluss. Zwei Schülerinnen oder Schüler hätten einen Hauptschulabschluss bekommen müssen, erhielten aber überhaupt keinen Abschluss. In weiteren 32 Fällen müssen schulische Konferenzen die Abschlussentscheidung erneut beraten, weil bestehende Ermessensspielräume nicht ausreichend geprüft worden seien.

Ausgleichsregelung ignoriert

Nach bisherigem Kenntnisstand wurden an der Schule Ausgleichsregelungen aus der Abschlussverordnung nicht richtig angewandt. Die vergebenen Fachnoten selbst seien dagegen nicht falsch gewesen. In den 107 Fällen habe die Schule keinen Ermessensspielraum gehabt, sondern zwingend einen höherwertigen Abschluss vergeben müssen, sagte Hamburg.

Die Ausgleichsregelung aus der Abschlussverordnung Sekundarbereich in Niedersachsen besagt, dass "Minderleistungen" also Noten, die schlechter als "Bestehen" sind, durch befriedigende oder gute Leistungen in sogenannten "Ausgleichsfächern" ausgeglichen werden können. Sollten Schüler also in einigen Fächern durchfallen, können sie ihren Abschluss trotzdem erhalten, soweit sie in anderen Fächern bessere Noten erhalten.

Die Ministerin entschuldigte sich ausdrücklich bei den Betroffenen. Ihnen sollen korrigierte Abschlusszeugnisse, ein persönliches Entschuldigungsschreiben und Informationen über ihre Rechte zugeschickt werden.

Das Land will nach Hamburgs Angaben auch für konkret entstandene finanzielle Schäden aufkommen, etwa wenn jemand auf eigene Kosten einen Abschluss nachgeholt hat. Eine Anlaufstelle beim Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück soll die Betroffenen beraten.

Ehemalige Schülerin löste Überprüfung aus

Ausgelöst wurde die Überprüfung durch eine ehemalige Schülerin, die sich Mitte Juni wegen ihres Abschlusses an das Land gewandt hatte. Bei der anschließenden Kontrolle wurde zunächst ihr Zeugnis als falsch erkannt. Nachdem weitere Zweifel aufgekommen waren, wurden seit Ende Juli sämtliche betreffenden Abschlusszeugnisse der Schule überprüft.

Auch eine weitere Schule, an der die Schulleiterin zuvor tätig war, wurde nach Angaben des Kultusministeriums überprüft. Dort müssen neun Zeugnisse aus den Jahren 2019/20 wegen einer ähnlichen fehlerhaften Anwendung der Regeln korrigiert werden. In späteren überprüften Jahrgängen seien keine solchen Fehler festgestellt worden

Keinen Hinweis auf landesweites Problem gefunden

Das Kultusministerium sieht bislang keine Hinweise auf ein landesweites systematisches Problem. Dennoch sollen die Regionalen Landesämter mit Beginn des neuen Schuljahres die Schulen befragen und anschließend stichprobenartig Zeugnisse kontrollieren.

Nach Hamburgs Angaben konzentriert sich die Überprüfung auf Oberschulen und Integrierte Gesamtschulen, weil dort mehrere Schulformen und Abschlussmöglichkeiten zusammenkommen. Insgesamt gehe es bei der Überprüfung um rund 400 Schulen.

Quelle: ntv.de, kaz/dpa

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