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Deich aus Sandsäcken in Bitterfeld-Wolfen.
Deich aus Sandsäcken in Bitterfeld-Wolfen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 06. Juni 2013

Wasser auf die Deiche: Jetzt kommen Schauer und Gewitter

Im Süden und in der Mitte Deutschlands entwickeln sich am Freitag und am Samstag örtliche Gewitter. Die Regenmenge dürfte die Pegelstände kaum beeinflussen. Trotzdem stellt das zusätzliche Wasser von oben eine weitere Belastung für die Deiche dar. Es könnte zu Deichbrüchen kommen.

n-tv.de: Björn, wie wird sich das Wetter in den Überschwemmungsgebieten entwickeln?

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander(Foto: n-tv)

Björn Alexander: Insgesamt bleibt es bei den Prognosen der letzten Tage. Im Süden und in der Mitte breitet sich zunehmend schwüle und gewitterträchtige Luft aus. Und in der können sich örtlich Schauer und Gewitter entwickeln. Die ziehen dann nur langsam ab und können punktuell größere Regenmengen bringen. Örtlich mit Unwetterpotential.

Die Lage könnte sich also weiter oder wieder zuspitzen?

Da muss man zwei verschiedene Effekte betrachten. Zum einen die Entwicklung der Pegelstände an den größeren Flüssen oder Strömen. Die dürfte von diesen kleinräumigen Niederschlagsereignissen kaum beeinflusst werden, denn diese sind nicht abflussrelevant. Zum anderen die Situation der Deiche und Dämme. Da könnte es problematisch werden. Denn wenn die Flutwälle bereits durchnässt sind, dann könnte das die Belastung nochmals erhöhen und es könnte zu Deichbrüchen kommen. Für die mittlere oder untere Elbe ist das Schauerrisiko zunächst einmal sehr gering. Vom Mittelgebirgsraum bis an die Alpen und den Schwarzwald sind stellenweise kräftigere Regengüsse möglich. Und natürlich sind die Grundwasserstände sehr hoch, so dass Wiesen und kleinere Bächen schneller ausufern können als ansonsten üblich.

Ab wann müssen wir mit Gewittern rechnen?

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Am Freitag und Samstag entwickeln sich besonders über den Mittelgebirgen sowie an den Alpen örtliche Gewitter. Das bleibt auch am Sonntag so. Wobei sich dann allerdings ein Schwerpunkt der Gewitter eher über der Schweiz und dem Südwesten Deutschlands abzeichnet. Das hätte also keine Auswirkungen auf die Elbe. Montag ziehen sich die gewittrigen Regengüsse weiter in den Süden zurück, bevor es zur Wochenmitte auch dort wahrscheinlich überwiegend trocken weitergeht. An dieser Stelle kann man also wirklich nur hoffen, dass sich die Kombination Schwergewitter und belasteter Deich nicht ergibt.

Wie lange müssen die Deiche noch der extremen Belastung standhalten?

Für die Elbe, die ja akut noch vom stärksten Hochwasser betroffen ist, sind es noch einige Tage bis in die kommende Woche hinein. Am Montag oder Dienstag dürfte der Scheitel dann Niedersachsen erreichen. Zudem handelt es sich um eine relativ lange Scheitelkurve. Das heißt im Bereich Sachsen wird die Elbe für circa 12 bis 18 Stunden auf einem sehr hohen Niveau bleiben. Elbabwärts ist es sogar noch länger. Hier dürfte der Wasserstand nach dem Erreichen der Hochwasserwelle ein bis zwei Tage relativ unveränderlich bleiben.

Ist denn die Hochwasserlage danach gebannt?

Erst einmal werden die Pegelstände danach langsam zurückgehen. Talsperren und Rückhaltebecken müssen außerdem entlastet werden. Denn eine dauerhafte Umstellung auf einen trockenen Sommer sehen die Wettermodelle noch nicht und da müssen eben die Zwischenspeicher wieder geleert werden.

Kann es denn noch einmal so schlimm werden?

Zumindest werden bei den unterschiedlichen Wettermodellen immer mal wieder größere Regenmengen im tschechischen Elbeinzugsgebiet in der nächsten Woche berechnet. Und auch an den Alpen sind größere Niederschlagsmengen nicht ganz auszuschließen. Aber bis dahin ist es eben noch zu lange hin, um verlässliche Prognosen zu machen. Die Unsicherheiten sind zu groß.

Man hat das Gefühl, dass die Hochwasserereignisse immer extremer werden. Müssen wir uns zukünftig auf noch schlimmere Hochwasserlagen einstellen?

Erst einmal ist es richtig, dass vor allem im Süden und im Osten seit 2002 viele Hochwasserrekorde gebrochen wurden. Das hat damit zu tun, dass sich die Wetterlagen, die im Osten und Süden extreme Hochwasser bringen können, gehäuft haben. Jedoch ist das, was die Menschen jetzt aushalten müssen, noch nicht das Ende der Fahnenstange. Noch größere Hochwasserereignisse sind in den nächsten Jahren durchaus denkbar. Kurzum: Es ist im Bereich des Möglichen, dass wir noch mehrere "Jahrhunderthochwasser" erleben müssen. Die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang beispielsweise für Dresden von einem Pegelstand von rund 11 Metern (der Rekord aus 2002 liegt bei 9,40 Meter!), der bei einer entsprechenden Wetterlage im Bereich des Möglichen liegt.

Ist das schon eine Folge des Klimawandels?

Das ist schon denkbar. Zumindest kann der Klimawandel dazu führen, dass sich Zirkulationsmuster in der Atmosphäre ändern oder verschieben. Jetzt würde ich erst einmal sagen, dass es ein Trend ist, den man im Auge behalten muss. Denn nur so kann man entsprechende Maßnahmen zur Hochwasserprävention zukunftssicher planen. Davon unabhängig: den Klimawandel hat es natürlich schon immer gegeben. Sowohl in die eine, wie in die andere Richtung. Sorge bereitet dabei der menschliche Anteil daran sowie die daraus resultierende Geschwindigkeit, in der sich Natur und Mensch anpassen müssen.

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Quelle: n-tv.de