Polizei mit Teenies überfordertJugendliche fackeln bei Gedenken für Toten in England fünf Autos ab

Eine englische Stadt ist "am Ende", sagt ihr früherer Bürgermeister. Krawalle und Gewalt sind in Middlesbrough an der Tagesordnung. Innerhalb einer Woche sterben neun Menschen bei Unfällen und Feuer, weitere werden verletzt.
Das Gedenken für den am Samstag gestorbenen 23 Jahre alten Michael Cahill ist eskaliert. Er war einer von fünf Jugendlichen, die auf der britischen A66 frontal in ein mit zwei Beamten besetztes Polizeiauto gefahren sind. Alle sieben Insassen in den beiden Wagen starben infolge des Geisterfahrerunfalls. Nun lud Cahills Mutter zu einer Gedenkveranstaltung in die Nähe von Haswell in der englischen Grafschaft Durham ein. Zahlreiche Teenager folgten.
Sie habe in sozialen Netzwerken zur Trauerfeier aufgerufen. "Michaels Ballonstart am Donnerstag, auf dem Feld gegenüber dem Peterlee-White-House. Kommt schon, Jungs, Fahrräder, Jeeps, Autos, Quads, gebt ihm einen gebührenden Abschied", soll die Mutter des 23-Jährigen laut "Daily Mail" geschrieben haben. Was folgte, war pure Zerstörungswut.
Britische Medien berichten übereinstimmend, dass etwa zwei Dutzend Jugendliche angereist waren. Sie kamen mit Motorrädern und Autos. Mit fünf Fahrzeugen sollen manche der Teenies "unberechenbar" über das Feld gefahren sein, während die anderen blaue Rauchfackeln zündeten und hochhielten. Anschließend wurden Luftballons steigen gelassen und die Motorradfahrer hupten wild um die Wette. Zu guter Letzt wurden die fünf Autos angezündet. Laut "The Sun" und "Daily Mail" seien die Fahrzeuge komplett ausgebrannt.
Bauer räumt ausgebrannte Autos zur Seite
Polizei und Feuerwehr sind zunächst nicht zu sehen. Ein Bauer kommt und räumt sein Feld frei. Mit einem Radlader schafft er die fünf Autos von dem angesengten Ackerland. Seit dem Vorfall verbreiten sich Aufnahmen des eskalierten Gedenkens in sozialen Netzwerken, schreiben die britischen Medien. Zu sehen waren, wie ein Porsche Cayenne und ein paar Kleinwagen in Flammen stehen, wie blauer Rauch über das Feld zieht und Jugendliche die Szenen mit ihren Handys filmen und dabei traurig in die Kameras schauen.
Wo die abgefackelten Autos herkommen, ist unklar. In England vermutet man bisher, dass es sich um gestohlene Fahrzeuge handelt. Michael Cahill, der mit vier Kumpels vor knapp einer Woche auf der Autobahn starb, postete mehrfach im Netz, wie er mit geklauten Autos "Spritztouren" unternahm. Der 23-Jährige war einer der bekanntesten jungen Männer, die an einer sogenannten Geisterfahr-Challenge auf Tiktok und Instagram teilnahmen.
Seit dem tödlichen Unfall - es war der zweite tödliche Geisterfahr-Crash binnen einer Woche - hat die Stadt Middlesbrough ein Gewaltproblem. Trauriger Höhepunkt: Am frühen Mittwochmorgen wurde ein Wohnhaus in Brand gesetzt. Eine 34-jährige Frau und ihre sieben Jahre alte Nichte, die zu dem Zeitpunkt in dem Haus schliefen, kamen ums Leben. Vier weitere Menschen wurden verletzt, eine Frau schwebt noch immer in Lebensgefahr. Die Polizei vermutet einen ausufernden Bandenkrieg zwischen zwei Autodiebesgangs als Auslöser des Feuers. Die Behörden haben zwei Verdächtige festgenommen.
Doch damit endet die Serie an Rasereien und Sachbeschädigungen nicht. Am gestrigen Donnerstag knallte ein Auto in eine Grundstücksmauer vor einem anderen Wohnhaus. Es handelte sich um den zweiten derartigen Vorfall innerhalb einer Woche. Am selben Tag kam es gegen Mittag zu einer Messerstecherei. Ein 39-Jähriger wurde schwer verletzt.
Ex-Bürgermeister: Stadt ist "am Ende"
Jetzt wird es den Behörden zu viel: Die örtliche Polizei ist von so viel Brutalität überfordert. Die Regierung hat deshalb mehr als 200 Beamte - schwer bewaffnete Spezialkräfte sowie Kriminalermittler - aus anderen Regionen des Landes nach Middlesbrough entsandt.
"Die Leute sagen, dass sie sich beim Einkaufen gehen nicht sicher fühlen und in ihren eigenen vier Wänden gefangen fühlen", sagt Andy McDonald, Abgeordneter für Middlesbrough, zu Times Radio. "Das ist absolut inakzeptabel. Das ist Terrorismus." Der frühere Bürgermeister von Middlesbrough, Andy Preston, sagt der "Daily Mail", die Stadt sei "am Ende". Er warnte davor, dass die Rivalitäten zwischen den Banden noch weiter eskalieren könnten.
Stadtrat Alec Brown freut sich über die Unterstützung der 200 zusätzlichen Polizisten, doch: "Ich werde heute einen Brief an unseren Premierminister schicken und um noch mehr Kräfte bitten", schreibt er in sozialen Netzwerken. "Die Menschen müssen sich in ihren Häusern sicher fühlen."