Panorama

Urlaub im Herbst Lieber Griechenland als "Kartoffelferien"

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Seit Juli werden Griechenland und Zypern wieder angeflogen.

(Foto: imago images/Cavan Images)

In den Herbstferien versuchen viele, noch einmal ein bisschen Sonne zu tanken. Doch in Corona-Zeiten ist das leichter gesagt als getan. Wo ist es denn noch warm und sicher? Darauf gibt es eine klare Antwort.

Früher hießen sie Kartoffelferien und waren gar keine richtigen Ferien: Die Kinder auf dem Lande erhielten schulfrei, um bei der Ernte der Erdäpfel auf dem Feld zu helfen. Jetzt haben in den meisten Bundesländern die Herbstferien begonnen - in Bayern, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg bekommen die Kinder erst in einigen Tagen ersehntes "erntefrei". Doch angesichts nass-kalter Herbststürme und steigender Corona-Zahlen zieht es kaum jemanden aufs Land. Im Gegenteil: Viele würden gern das Land verlassen und dorthin reisen, wo es noch einigermaßen warm, vor allem aber auch relativ sicher ist, was die Pandemie angeht.

So erging es auch Sonja und Joachim aus Koblenz. Sie entschlossen sich kurzerhand, in diesem Herbst nach Kreta zu reisen. Ausschlaggebend waren für das junge Paar zwei Überlegungen: Wo ist noch Badewetter, und wo ist man einigermaßen vor Corona sicher? Mitten im Kurzurlaub angetroffen auf einer Wanderung zur malerischen Badebucht Preveli im Süden von Griechenlands größter Insel, sagen sie, auf Corona angesprochen, übereinstimmend: "Wir fühlen uns hier sicherer als in Deutschland."

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"Wir fühlen uns hier sicherer als in Deutschland."

(Foto: Andreas Langheim/ntv)

Corona-Filter schließt vieles aus

So wie das junge Paar aus Rheinland-Pfalz stellen sich gerade viele Sonnenhungrige die Frage, wo Wasser- und Lufttemperaturen noch einen verspäteten Strandurlaub zulassen. Weitergeleitet an die ntv-Meteorologen fällt die Antwort bezogen aufs Wetter wie erwartet aus: je südlicher, desto sonnensicherer.

Konkret bleibt es auch in den nächsten 10 bis 14 Tagen angenehm warm und sonnig mit Temperaturen über 20 Grad auf den Kanaren, den Balearen, in Andalusien, Süditalien, Griechenland, der Türkei und auf Zypern. Allerdings sollten Türkei-Urlauber vermehrt mit gewittrigen Wolkenpaketen rechnen.

Theoretisch sind auch alle diese Reiseziele noch erreichbar, doch wer jetzt den "Corona-Filter" über diese meteorologischen Empfehlungen legt, dem wird die Wahl des Reiseziels leicht gemacht: Da ganz Spanien einschließlich der Kanaren und Balearen laut Robert-Koch-Institut (RKI) Risikogebiet ist, ebenso die Türkei bis auf wenige Provinzen, bleiben nur noch Süditalien, Griechenland und Zypern. Der ADAC warnt aber jetzt schon vor Italienreisen. Man rechne damit, dass in Kürze wegen der dort wieder rasant steigenden Zahlen an Covid-19-Infektionen das ganze Land zum Risikogebiet erklärt wird.

Griechenland und Zypern sichere Bank

Natürlich hat die Pandemie auch Griechenland nicht verschont, aber: Das Land reagierte anders als Italien oder Spanien zu Beginn der Pandemie sofort mit einem harten Lockdown, der für die freiheitsliebenden Griechen einen Schock bedeutete: Keine Tavernenbesuche, Kafenions und Bars komplett geschlossen, selbst notwendige Einkäufe im Supermarkt mussten angemeldet und polizeilich genehmigt werden.

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Man kann draußen sitzen und den Abstand locker einhalten.

(Foto: Andreas Langheim/ntv)

Theodora und Reinhard Schmidt aus Nürnberg erlebten diesen Lockdown in dem kleinen Bergdorf Vourliotes auf der Insel Samos in der östlichen Ägäis. "Das war schon gruselig", erzählt die gebürtige Maastrichterin: "Man durfte maximal zu zweit seine Unterkunft verlassen, und selbst das nur nach behördlicher Genehmigung. Und wehe, wer ohne die erwischt wurde. Selbst hier in unserem kleinen Dorf patrouillierten Polizisten." Drakonische Strafen drohten jedem, der glaubte, sich widersetzen zu können. Tavernenbesitzer riskierten direkt ihre Lizenz.

Angesprochen auf die anhaltenden Diskussionen und Demonstrationen gegen Corona-Auflagen in Deutschland, schüttelt ihr Mann, ein Jurist im Ruhestand, nur mit dem Kopf. So hart es die Griechen zu Beginn der Pandemie traf, so froh sind sie jetzt im Herbst, bezogen auf die Corona-Infektionen relativ gut im europäischen Vergleich dazustehen. Besonders profitieren die Inseln, die als Urlaubsziele erst ab Juli direkt von Deutschland aus angeflogen werden konnten.

Keine oder nur niedrige Fall-Zahlen, überschaubare Risiken und nur vereinzelt ausgewiesene Hotspots - das kommt allen Sonnenhungrigen entgegen, die angesichts nasser Kälte daheim immer öfter denken: Man will doch eigentlich nur noch weg. Unsere Meteorologen formulieren es mal griffig: "Griechenland und Zypern sind weiterhin eine sichere Bank."

Auf die "Repeater" ist Verlass

Zwar tauchen allmählich in der östlichen Ägäis erste Regenwolken auf, doch "Repeater", wie die jährlich wiederkehrenden Gäste bei den Einheimischen auf Chios, Samos, Lesbos, Rhodos oder Kos heißen, wissen: Ein paar Regentage sind im Oktober normal. Aber im Unterschied zu Deutschland: Die Schauer sind angenehm warm und meist scheint am nächsten Tag schon wieder die Sonne.

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Der Preveli-Beach im Süden Kretas zählt zu den schönsten Stränden mit fantastischem Farbenspiel am Abendhimmel wie jetzt im Herbst.

(Foto: Andreas Langheim/ntv)

Dann ist Baden im türkisblauen Meer angesagt, und das auf vielen Inseln sogar noch bis weit in den November hinein, wie hier im Süden Kretas am ursprünglich und unberührt anmutenden Preveli-Beach. Sich hier mit dem gefürchteten Virus anzustecken, davor hat niemand an solchen fast leeren Stränden Angst. "Es gibt ja kaum noch Touristen, die aufeinanderhocken könnten", scherzt Kaufmann Thomas aus der Nähe von Dresden, der zusammen mit seiner Frau Brigitte sogar den Hochzeitstag auf Kreta feiert - ganz weit weg von zu Hause und nur zu zweit.

"Für die einen romantische Filmkulisse, für andere einfach nur pures Badevergnügen im warmen Meer - die Preveli-Bucht." Dort, wohin es auch Sonja und Joachim verschlagen hat, um wenigstens für ein paar Tage dem alltäglichen Berufs- und Corona-Stress in der Heimat zu entfliehen. Ihr Fazit zum Herbsturlaub in Griechenland 2020: "Kreta war einfach nur toll. Das Wetter grandios, Unterkunft angenehm und die Menschen recht entspannt, trotz der Sorgen, die viele Griechen haben. Das war auf jeden Fall nicht unsere letzte Reise in diese Region."

Quelle: ntv.de