Panorama

33 Millionen HIV-Infizierte Mehr Aidskranke als je zuvor

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Ein Aidskranker Mann liegt in Thailand in einem Bett.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Zahl neuer Aids-Infektionen ist in den vergangenen acht Jahren um 17 Prozent zurückgegangen. Auch sterben heute weniger Menschen an der Immunschwächekrankheit. Dennoch leben mit 33,4 Millionen mehr Menschen als je zuvor mit dem Aidserreger HIV im Blut. Das geht aus dem Weltaidsbericht der Vereinten Nationen hervor, der in Shanghai vorgestellt wurde. "Die gute Nachricht ist, dass der Rückgang, den wir sehen, zumindest teilweise auf Vorbeugung zurückgeht", sagte Michel Sdibé, Exekutivdirektor des UN-Aidsprogramms UNAIDS. Doch gingen Vorsorgeprogramme häufig auch am Ziel vorbei und müssten wirksamer ausgerichtet werden.

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Aidstoten um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, während immer mehr Menschen Zugang zu lebensverlängernden Aidsmedikamenten bekommen haben. Damit seien seit 1996 schätzungsweise 2,9 Millionen Menschenleben gerettet worden. Internationale und nationale Investitionen in HIV- Behandlungen hätten sich ausgezahlt, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf. "Wir dürfen diesen Schwung nicht abflauen lassen. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Anstrengungen zu verdoppeln und viele weitere Leben zu retten." Doch sind 2008 immer noch zwei Millionen Menschen an der Krankheit gestorben.

2,7 Millionen Neuinfektionen 2008

Im vergangenen Jahr haben sich 2,7 Millionen Menschen neu mit dem Virus infiziert. In Afrika südlich der Sahara waren es 15 Prozent weniger im Vergleich zu 2001. In Ostasien gingen seitdem die neuen HIV-Infektionen um 25 Prozent und in Süd- und Südostasien um 10 Prozent zurück. UNAIDS-Exekutivdirektor Sibidé sagte, auf zwei neue Aids-Behandlungen kämen aber immer noch fünf neue Infektionen. 97 Prozent der neuen Infektionen passierten in Entwicklungsländern, wo es auch 98 Prozent der Aidstoten gebe. Der Grund sei vor allem der mangelnde Zugang zu Gesundheitsdiensten.

An vielen Orten verändere sich die Epidemie, so dass Vorsorgeprogramme sich nicht schnell genug anpassen könnten. Zum Beispiel seien die Infektionsursachen in China, wo Aids früher vor allem unter Drogenabhängigen vorgekommen ist, heute zu drei Viertel Sexualkontakte. Es gebe einen überraschend starken Anstieg der Infektionen unter männlichen Homosexuellen, die heute 32 Prozent der neuen Fälle ausmachten. Infektionen durch heterosexuelle Kontakte machten inzwischen 40 Prozent aus. Nur eine von drei HIV-Infektionen wird in China aber auch diagnostiziert. UN-Experten schilderten ferner, mangelnde Aufgeklärtheit sei ein großes Problem in China.

Chinas Gesundheitsminister Chen Zhu, der bei der Vorlage des Weltaidsberichts anwesend war, räumte ein, dass die Diagnose in China "eine großer Herausforderung" ist. Diskriminierung und Stigmatisierung müssten überwunden werden, mahnte der Minister. "Es gibt keine einfache Lösung." Die Regierung wolle im neuen Jahr größere Anstrengungen machen, um das Bewusstsein in der Bevölkerung zu verbessern, und versuchen, bestimmte Zielgruppen zu erreichen.

Quelle: ntv.de, dpa