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Biden kündigt harten Winter an Mehr als zehn Millionen Corona-Fälle in USA

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New York war im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen schwört der gewählte US-Präsident Joe Biden die Amerikaner auf einen "sehr dunklen Winter ein". Während Trump sich einem Mundschutz konsequent verweigert, bittet sein Nachfolger die Bevölkerung, eine Maske zu tragen.

Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat einen entschiedenen Kampf gegen das Coronavirus angekündigt und die Amerikaner auf harte Zeiten eingeschworen. "Uns steht immer noch ein sehr dunkler Winter bevor", sagte der Demokrat in seinem Heimatort Wilmington im US-Bundesstaat Delaware. Er kündigte an, im Kampf gegen die Pandemie keine Mühe zu scheuen, sobald er am 20. Januar vereidigt werde.

Mittlerweile haben die USA bei den Corona-Infektionen die Schwelle von zehn Millionen überschritten. Nach Datenerhebungen der "New York Times" wurden seit Pandemiebeginn insgesamt 10.060.708 Infizierte und mehr als 238.000 Todesfälle registriert. Zuletzt kamen binnen 24 Stunden demnach 103.657 neue Ansteckungen hinzu.

Biden sagte, trotz positiver Nachrichten bei der Suche nach einem Impfstoff werde es noch Monate dauern, bis er weiträumig zur Verfügung stehe. Er appellierte an die Amerikaner, Masken zu tragen. "Eine Maske ist kein politisches Statement. Aber es ist ein guter Weg, um das Land zusammenzubringen."

Der bei der Wahl am vergangenen Dienstag unterlegene US-Präsident Donald Trump hatte das Tragen einer Maske zum Politikum gemacht. Als er im April im Weißen Haus die Empfehlung der Gesundheitsbehörde CDC verkündete, Masken zu tragen, fügte er hinzu: "Ich habe mich entschieden, es nicht zu tun." Entgegen der Ratschläge von Gesundheitsexperten hielt der 74-jährige Trump bis zuletzt teils mehrfach täglich Wahlkampfveranstaltungen mit Tausenden Menschen ab, die - seinem Beispiel folgend - meist keine Masken trugen.

Im Wahlkampf verspottete Trump seinen 77-jährigen Kontrahenten Biden für dessen Vorsicht und für dessen konsequentes Tragen einer Maske. Trump musste Anfang Oktober selbst wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden. Danach rief er die Amerikaner nicht zur Vorsicht auf - sondern dazu, "keine Angst" vor dem Virus zu haben. Der Präsident forderte, sie müssten lernen, mit dem Erreger zu leben. Mehrfach sagte Trump, das Virus werde von alleine verschwinden.

Biden formiert Expertenrat

Eine Mehrheit der Amerikaner bescheinigt Trump in Umfragen seit Monaten ein schlechtes Krisenmanagement. Biden kam am Montag erstmals mit seinem neuen Expertenrat zusammen, der die Politik seiner Regierung im Kampf gegen die Pandemie gestalten soll. "Ich werde mich von der Wissenschaft und von Experten informieren lassen", betonte er. Der Rat wird von früheren Regierungsexperten und Wissenschaftlern geleitet.

Biden trat in Wilmington vor einem blauen Hintergrund mit der Aufschrift "Büro des gewählten Präsidenten" und "Covid-19-Briefing" auf. Biden machte deutlich, dass er eine amerikanische Führungsrolle im weltweiten Kampf gegen die Pandemie anstrebt. "Weil wir wissen, dass wir Covid-19 erst dann vollständig besiegen werden, wenn wir es überall besiegen, umfasst mein Expertenrat auch Fachleute zum globalen Gesundheitswesen, damit wir die globale Führungsrolle im Kampf gegen diese Pandemie wiederherstellen können", sagte er.

Kostenloser Zugang zu Impfstoff

Biden kündigte einen umfassenden Plan für den Kampf gegen Corona in den USA an. Es gehe darum, die besonders verletzlichen Gruppen vorrangig zu schützen. Dabei nannte er Schwarze, Latinos und Menschen asiatischer Herkunft, die härter von der Pandemie getroffen seien als andere. Alle Amerikaner sollten einen kostenlosen Zugang zu einem Impfstoff erhalten, versprach der gewählte Präsident. Biden hielt bei seinem Auftritt eine Maske in die Kameras. Während der Arbeit an einem Impfstoff bleibe die Maske "die stärkste Waffe gegen das Virus", sagte er.

"Es spielt keine Rolle, für wen Sie gestimmt haben. Wo Sie vor dem Wahltag standen. Ihre Parteizugehörigkeit, ihre politische Meinung spielt keine Rolle. Wir können Zehntausende von Menschenleben retten, wenn nur jeder für die nächsten Monate eine Maske tragen würde." Der gewählte Präsident betonte: "Vielleicht retten wir das Leben der Person, die ein Regal in Ihrem örtlichen Lebensmittelgeschäft einräumt, vielleicht retten wir das Leben eines Mitglieds Ihrer religiösen Stätte, vielleicht retten wir das Leben eines Lehrers Ihrer Kinder. Vielleicht retten wir Ihr Leben. Ich bitte Sie inständig, eine Maske zu tragen. Machen Sie es für sich selbst. Tun Sie es für Ihren Nachbarn."

Lage in New York "gefährlich eng"

Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hat die Bewohner der Millionenmetropole eindringlich vor einer zweiten Corona-Welle und damit möglicherweise einhergehenden neuen Einschränkungen gewarnt. "Wir müssen eine zweite Welle verhindern", sagte er. "Es wird gefährlich eng." Der Bundesstaat New York und die darin gelegene gleichnamige Metropole an der US-Ostküste waren im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden. Über den Sommer hatte sich das Infektionsgeschehen dort stabilisiert, zuletzt hatte sich die Lage aber wieder angespannt.

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Der Bürgermeister forderte alle New Yorker auf, sich an die Hygiene-, Masken- und Abstandsregeln zu halten. Er kündigte an, dass die Erlaubnis für Restaurants, Cafés und Bars, teilweise in Innenräumen auszuschenken, überprüft werde. Weitere Einschränkungen seien notfalls unabdingbar, sagte de Blasio weiter. "Gott verhüte, dass dies weitergeht und wir eine ausgewachsene zweite Welle haben. Das bedeutet viel mehr Einschränkungen. Leider könnte es auch bedeuten, dass wir unsere Wirtschaft teilweise wieder schließen müssen."

In der Trump-Regierung greift das Coronavirus indes in den obersten Etagen weiter um sich. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge ist Trump-Berater David Bossie infiziert. Auch Wohnungsbauminister Ben Carson wurde positiv getestet, wie das Ministerium am Montag bestätigte. Informationen zu seinem Zustand gab es zunächst nicht. Carson war in der Wahlnacht am Dienstag vergangener Woche bei einer Veranstaltung im Weißen Haus mit mehr als 150 Teilnehmern. Vergangene Woche war auch die Infektion von Trumps Stabschef Mike Meadows bekannt geworden.

Quelle: ntv.de, chf/dpa