Vulkan auf Island spuckt weiter AscheObama reist vorzeitig ab

US-Präsident Obama und seine Frau Michelle sind die ersten prominenten Opfer der neuen Aschewolke aus Island. Der Präsident muss seinen Besuch in Irland vorzeitig abbrechen. Statt in Dublin zu übernachten, entschließt er sich, schon am Abend nach London zu fliegen. Der Vulkanausbruch weckt unter Reisenden, Analysten und Luftfahrtexperten Erinnerungen an das Vulkanasche-Chaos vor einem Jahr.
Ein Jahr nach dem Flugchaos
in Europa wegen der isländischen Aschewolke sind Behörden und Fluggesellschaften
wegen eines neuerlichen Vulkanausbruchs auf der Insel in Alarmbereitschaft. Die
Vulkanasche könnte nach Auskunft der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol am Dienstag
Schottland und Donnerstag auch den Luftraum über Westfrankreich und Nordspanien
erreichen.
Wegen möglicher Beeinträchtigungen
des Flugverkehrs verkürzte auch US-Präsident Barack Obama seinen Besuch in Irland.
Der Präsident flog noch am Abend nach Großbritannien.
Die Auswirkungen sollen
insgesamt aber weniger dramatisch sein als im Frühjahr 2010. Auch für Deutschland
besteht Verkehrsminister Peter Ramsauer zufolge vorerst keine Gefahr. Dennoch müsse
man gerüstet und vorbereitet sein, erklärte der CSU-Politiker und legte vorsorglich
Asche-Grenzwerte für eine mögliche Sperrung des Flugverkehrs fest. Gerät Vulkanasche
in Flugzeugtriebwerke, können diese beschädigt werden und gar ausfallen.
Die EU-Kommission erklärte,
Prognosen über die weitere Entwicklung seien nicht möglich, da sich die Wetterlage
gerade ändere. Auch sei die Asche bisher anderer Art als die 2010.
Ramsauer sagte in Berlin,
er habe Flugverbote ab einer Konzentration von mehr als zwei Milligramm Aschepartikeln
pro Kubikmeter Luft verhängt. Werde dieser Wert überschritten, dürften Düsenflugzeuge
nicht mehr fliegen. Bei einem Wert unter 0,2 Milligramm dürfe frei geflogen werden,
bei 0,2 bis zwei Milligramm gebe es Auflagen. Mit einer dramatischen Lage sei in
den kommenden Tagen nicht zu rechnen. Gleichwohl sei Sicherheit das oberste Gebot.
Schwerster Ausbruch des Grimsvötn seit 1873
Die EU-Staaten hatten als
Lehre aus dem Durcheinander nach dem Vulkanausbruch 2010 eine engere Koordination
der nationalen Flugaufsichtsbehörden vereinbart. Die nationalen Aufseher waren damals
unterschiedlich vorgegangen. Die EU-Länder definierten damals zwar verschiedene
Gefahrenzonen, konnten sich aber nicht auf allgemeingültige Grenzwerte einigen.
EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sagte, die Zusammenarbeit sei inzwischen besser.
Die Behörden bekämen mehr Informationen und Hilfestellung für ihre Entscheidungen.
Am Montagmorgen traf sich zum ersten Mal die neugeschaffene Koordinationsgruppe
für Luftfahrtkrisen.
Der Vulkan Grimsvötn hatte
am Wochenende eine riesige Wolke mit Rauch und Asche 20 Kilometer hoch in den nordischen
Himmel gespuckt. Dies war sein erster Ausbruch seit 2004 und der heftigste seit
1873. Der Vulkan ist der aktivste in Island und liegt unter dem größten Gletscher
Europas, dem Vatnajökull. Der aktuelle Ausbruch ist Experten zufolge stärker als
vor sieben Jahren, und die Behörden legten eine Flugverbotszone im Umkreis von mehr
als 220 Kilometern fest.
Grimsvötn-Asche fliegt anders
"Das ist tatsächlich von Vulkan zu Vulkan unterschiedlich, welche Art von Material da ausgeworfen wird", bestätigte Luftfahrtexperte Großbongardt bei n-tv. "Im letzten Jahr waren die Partikel, wie man auch inzwischen durch Forschungsergebnisse weiß, besonders scharfkantig und besonders klein. Dadurch haben sie sich auch lange in der Luft gehalten. Diesmal sind sie offenbar größer, das heißt, sie sinken schneller ab", fasste Großbongardt die Erkenntnisse der Wissenschaftler zusammen.
Auch die meteorologischen Verhältnisse seien diesmal aus der Sicht der europäischen Luftfahrt günstiger. "Wir haben den Vorteil, dass der Wind nicht wie im vergangenen Jahr nach Süden bläst, sondern in der Höhe tendenziell eher nach Norden, so dass wir hier in Europa - zurzeit jedenfalls - nichts davon abbekommen."
Die Behörden in weiteren Staaten beobachten den Verlauf der Eruption und die Ausbreitung der Aschewolke sehr aufmerksam. Ein Chaos im Luftverkehr wie im vergangenen Jahr gilt derzeit als unwahrscheinlich. "Man weiß, welchen Luftraum man vorsichtshalber absperren muss", sagte Großbongardt bei n-tv. Die Behörden würden den Vulkanausbruch weiter beobachten und "so lange den Luftverkehr dann halt 200 Kilometer um Island herum umleiten". Ansonsten setzten die mit der Aschewolke befassten Wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten, die sie im letzten Jahr begonnen haben, weiter fort. Im Zentrum des Interesses stehen dabei Fragen zur Ausbreitung der Aschewolke und ihre Auswirkungen auf Flugzeugtriebwerke.
Airlines geben nach
Im Frühjahr 2010 waren große
Teile des europäischen Luftraums nach einem Vulkanausbruch in Island für sechs Tage
gesperrt. 100.000 Flüge fielen aus, zehn Millionen Reisende strandeten, die Airlines
verloren 1,7 Milliarden Dollar Umsatz. Entsprechend nervös reagierten die Anleger
am Montag: Aktien der Air Berlin verloren 1,8 Prozent, Lufthansa3,5 und Air France
4,1 Prozent. Ein Sprecher der Lufthansa sagte, es gebe derzeit keine Beeinträchtigung
des Flugplans. Die Situation werde beobachtet. "Kurzfristig erwarten wir keine
Verschärfung, alles andere ist Spekulation."