Panorama

Reformkurs nimmt Gestalt an Papst reicht es mit Pius-Brüdern

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Die umstrittene Piusbruderschaft sorgt auch in der katholischen Kirche in Deutschland für Ärger.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die katholische Kirche muss alte Strukturen aufbrechen, meinen viele Kritiker. Neuerdings sieht das sogar der Papst so und ermutigt seine Herde, neue Wege zu gehen. Den Dialog mit der erzkonservativen Piusbruderschaft will Franziskus angeblich abbrechen.

Papst Franziskus hat Reformen in der katholischen Kirche in Aussicht gestellt. "Im christlichen Leben, selbst im Leben der Kirche, gibt es alte und überholte Strukturen: wir müssen sie erneuern", sagte er bei einer Messe im Vatikan.  Diese Aussagen werden in Rom als weiterer Hinweis darauf gewertet, dass der neue Papst radikale Reformen plant.

Die Äußerungen kommen kurz nach einem neuen Skandal um die Vatikanbank. Diese stand schon lange wegen wenig transparenter Geschäfte in der Kritik. Nach einer neuen millionenschweren Korruptionsaffäre erklärten Anfang der Woche Generaldirektor Paolo Cipriani und sein Vize Massimo Tulli ihren Rücktritt.

Bei einer Rede vor Seminaristen forderte Franziskus erneut, Vertreter der Kirche müssten bescheiden leben. "Es tut meinem Herzen weh, wenn ich einen Priester oder eine Nonne mit dem neuesten Automodell sehe", sagte der Papst, der selbst durch schlichtes Auftreten neue Akzente gesetzt hatte. Er verurteilte "die Suche nach dem neuesten Smartphone, dem schnellsten Motorroller oder dem auffälligsten Auto".

Pius-Brüder verdammen Neuerungen

Reformgedanken werden innerhalb der katholischen Kirche nicht von allen geteilt. Die ultrakonservative Piusbruderschaft etwa kritisierte bereits das II. Vatikanische Konzil, das in den 60er Jahren Kirchenreformen auf den Weg brachte, als "Ursache der schwerwiegenden Irrtümer, die gegenwärtig die Kirche zerstören".

Nach Informationen des "Focus" will der Vatikan nun den vom früheren Papst Benedikt XVI. begonnenen Dialog mit den Piusbrüdern beenden. Eine entsprechende Erklärung des deutschen Glaubenspräfekten Gerhard Ludwig Müller stehe unmittelbar bevor. Anlass ist demnach eine Ende Juni veröffentlichte Erklärung der abtrünnigen Bruderschaft zum 25. Jahrestag ihrer von Rom als illegal betrachteten Bischofsweihen.

Auch Lehramt, Ökumene und interreligiösen Dialog verdammen die Piusbrüder in der Erklärung. Folge all dieser Entwicklungen sei eine Schwächung des Glaubens. Als Reaktion auf die Formulierungen soll Erzbischof Müller gesagt haben: "Nun reicht es aber wirklich."

Der im Februar zurückgetretene Benedikt wollte eine Versöhnung mit den Piusbrüdern und sie wieder in den Schoß der Kirche aufnehmen. Seine Annäherung an die Gruppe war massiv kritisiert worden - selbst von mehreren katholischen Bischöfen. Nachfolger Franziskus hat sich seit seinem Amtsantritt noch nicht öffentlich zu der Bruderschaft und den theologischen Konflikten mit ihr geäußert.

Quelle: ntv.de, dpa