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Chancen sind besser denn je Peggys Mörder könnte bald gefunden werden

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Nach Peggy war nach ihrem Verschwinden wochenlang gesucht worden.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Aus einer Vermutung wird Gewissheit – Peggy Knobloch ist tot, wahrscheinlich schon sehr lange. Der Fund ihrer Leiche liefert den Ermittlern trotzdem neue Informationen, die sie endlich den entscheidenden Schritt weiter bringen könnten.

15 Jahre lang gilt Peggy Knobloch als vermisst, nun steht fest, das Mädchen ist tot. Der Tod der Neunjährigen könnte ein Unfall gewesen sein, aber das glaubt kaum noch jemand. Wahrscheinlicher ist, dass sie einem Verbrechen zum Opfer fiel. Warum sollte sich sonst jemand die Mühe machen, den leblosen Körper des Mädchens in einem unzugänglichen Waldgebiet zu vergraben?

Die Polizei geht demnach davon aus, dass Peggy unmittelbar nach ihrem Verschwinden ums Leben kam. Das Skelett habe 15 Jahre in dem Wald gelegen, sagt jedenfalls der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bayreuth, Herbert Potzel. Bisher war das Gelände, auf dem ein Pilzsammler nun die Knochen fand, nicht abgesucht worden. Laut Jürgen Stadter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, liegt es abseits von Straßen mitten im Wald.

Für den Autor Christoph Lemmer, der 2013 gemeinsam mit einer Kollegin das Buch "Der Fall Peggy" veröffentlicht hatte, kam die Nachricht von Peggys Tod nicht überraschend. Das sei schon damals ihre Annahme gewesen, sagt Lemmer n-tv.de. "Alle Überlegungen, Peggy würde noch leben, womöglich in einem tschechischen Bordell ihr Dasein fristen, möglicherweise sogar ausgebeutet von ihrer Mutter, waren absurd."

Kannte Peggy den Täter?

Dass der Fundort der Leiche so nah an Peggys Heimatort Lichtenberg liegt, bestätige ebenfalls das landläufige Wissen zum Vorgehen von Straftätern. "Die fahren nicht quer durch die Republik, um die Leiche zu beseitigen. Sie sind halbwegs in der Nähe geblieben." Bisher ist noch unklar, ob der Fundort auch der Tatort war. Den Beamten erscheint es Medienberichten zufolge nicht als sehr wahrscheinlich.

Für den Fallanalytiker Axel Petermann lässt sich jedoch schon aus dem Fundort einiges ableiten. Er geht von einem oder mehreren Tätern oder Tatbeteiligten aus, die sich in der Region auskannten. Die Tatsache, dass Peggy vergraben wurde, spreche außerdem für eine größere Nachtatplanung, sagt Petermann n-tv.de. Da habe sich jemand Zeit genommen, ein Grab auszuheben, das Mädchen hineinzulegen und mit Erde abzudecken. Möglicherweise wollte dieser Unbekannte das Risiko einer Entdeckung minimieren, glaubt der erfahrene Profiler, der über seine Arbeit an ungelösten Mordfällen bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat. "Offenbar sollte eine möglichst lange Zeit zwischen dem Verschwinden und dem Auffinden vergehen." Daraus könne man schließen, dass es jemand war, der Kontakt zu Peggy hatte, sie zumindest kannte.

Aus der Bayreuther Ermittlungsgruppe Peggy wurde nach dem Leichenfund eine um zusätzliche Ermittler erweiterte Sonderkommission, die nun sämtliche Spuren rund um die Fundstelle auswertet. Das können selbst nach 15 Jahren sehr viele sein, sagt Petermann. Zuallererst gehe es darum, herauszufinden, wie Peggy getötet wurde. Auch an einem Skelett lassen sich Spuren von Gewalt nachweisen. "Schläge auf den Kopf würden Brüche nach sich ziehen, bei einem Angriff gegen den Hals kann am Kehlkopfskelett etwas brechen, Messerstiche treffen möglicherweise die Rippen", beschreibt der Kriminalist diese.

Kleinste Spuren liefern Antworten

Der Vermisstenfall Peggy oder auch der vermutete Mordfall ohne Leiche ist nun wohl ein Tötungsverbrechen mit Leiche. Es gibt sterbliche Überreste, Kleidung und persönliche Gegenstände, auf denen man Spuren sichern kann. In früheren Fällen wurde selbst nach langer Zeit ein Sexualdelikt offenbar, weil der Slip des Opfers heruntergezogen war. Vielleicht gibt es kleinste genetische Spuren, oder die Art, wie die Leiche verpackt war, weist spezielle Merkmale auf. Möglicherweise findet die Polizei damit endlich den Ermittlungsansatz, den sie bisher vergeblich gesucht hat.

Nach dem juristischen Desaster um einen geistig behinderten Lichtenberger, der offenbar zu Unrecht für den Mord an Peggy verurteilt wurde, vermied die Polizei weitere voreilige Festlegungen. Die bisherigen Verfahren gegen mögliche Tatverdächtige aus den Jahren 2013 bis 2015 sind bisher allesamt eingestellt worden. Nun wird gegen Unbekannt ermittelt. Das heißt aber nicht, dass nicht alte Spuren erneut geprüft werden. Verdächtige, die schon einmal im Gespräch waren, werden erneut durchleuchtet und befragt.

Lemmer stieß bei seinen Recherchen in Lichtenberg oft genug auf eine Wand des Schweigens. "Alle haben geschwiegen und darauf vertraut, dass die Polizei dann nicht mehr weiterkommt." Doch so mancher Verdacht sei bis heute nicht widerlegt, es habe nur an Beweisen gefehlt. Das könnte sich nun geändert haben. Und das weiß auch ein möglicher Täter, auch wenn sich bisher niemand mit neuen Hinweisen gemeldet hat. Nicht umsonst werden die Ermittler bei Nachfragen zu Details schweigsam. Sie wollen kein Täterwissen preisgeben oder mögliche Ermittlungsansätze kaputt machen. Aber Lemmer ist nach all den Jahren sicher: "Die Chancen standen nie besser, Peggys Mörder zu finden."

Quelle: n-tv.de

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