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"Ich muss ihr jetzt helfen"Prozess um Sterbehilfe gegen Arzt beginnt

04.08.2026, 11:23 Uhr
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Der Angeklagte sagt, er würde rückblickend anders handeln. (Foto: picture alliance/dpa)

In Potsdam muss sich ein Mann wegen Sterbehilfe vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor - aus ihrer Sicht konnte die 39-jährige Frau ihren Willen zum Suizid nicht frei verantwortlich bilden. Der Angeklagte rechnet mit einem Freispruch.

Wegen Totschlags durch Sterbehilfe muss sich ein 77-jähriger Arzt vor dem Potsdamer Landgericht verantworten. Das Gericht muss klären, ob eine 39-jährige Frau ihren Willen zum Suizid frei verantwortlich bilden konnte. Der Angeklagte sagte, er würde rückblickend nicht mehr so handeln. Er rechnet mit einem Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Totschlag vor, hieß es von einer Gerichtssprecherin. Er soll einer 39-jährigen Frau im Jahr 2021 einen Zugang für ein tödlich wirkendes Narkosemittel gelegt haben. Die Frau habe "in Kenntnis der tödlichen Wirkung selbstständig die Infusion in Gang gesetzt", um sich selbst zu töten.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116 123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111), auch per E-Mail oder Chat
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der Deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Die Frau starb daraufhin tatsächlich. Dem Arzt mit deutscher Staatszugehörigkeit wird nun entgegengehalten, dass die Frau "an einer neurokognitiven Störung mit wahnhaften Symptomen und einer erheblichen Störung der Realitätskontrolle gelitten" habe. Dadurch habe sie ihren Willen zum Suizid nicht frei verantwortlich bilden können. Der Arzt ist bereits 2024 vom Landgericht Berlin wegen Sterbehilfe zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

"Aus der damaligen Situation stehe ich zu meiner Entscheidung. Mein Gewissen sagte mir, ich muss der Frau jetzt helfen", führte der Arzt vor dem Prozess aus. Er habe zwar gewollt, dass die Frau das über eine Sterbehilfeorganisation macht, aber ihre Not - so der 77-Jährige - habe binnen kürzester Zeit enorm zugenommen. "Und dann kam diese Aussage: Ich stand letzte Nacht wieder auf den Schienen", betonte der ehemalige Arzt für Innere Medizin. Er habe daraufhin beschlossen: "Ich muss ihr jetzt helfen."

Quelle: ntv.de, are/dpa

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