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Kommt es noch schlimmer? Regen und Gewitter bedrohen Flutgebiete

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In Bayern - wie hier in Deggendorf - geht das Wasser nur ganz langsam zurück.

(Foto: dpa)

Es sind alles andere als gute Aussichten für die Flutgebiete: Bis zum Dienstag rechnen Wetterexperten mit Niederschlägen in weiten Teilen Deutschlands. Entlang der Donau wird der Rückgang des Hochwassers gebremst, sagt n-tv-Meteorologe Björn Alexander. Für Zehntausende Menschen an der Elbe hilft nur Daumendrücken, damit keine Gewitter über den Flutgebieten niedergehen. Eine brenzlige Situation, "in der man wirklich nur noch hoffen kann".

Björn, wie lange müssen die Menschen in den Hochwasserregionen noch mit Regen rechnen?

Björn Alexander ist der n-tv-Meteorologe.

n-tv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: n-tv)

Bis etwa zum Dienstagmorgen bleibt die meteorologische Situation noch angespannt. Denn zuerst einmal drohen noch Gewitter mit Platzregen, die stellenweise durchaus mal 30 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit bringen können. Davon betroffen sind besonders das Saarland, Rheinland-Pfalz, das nördliche Baden-Württemberg sowie der Alpenrand und der Bayrische Wald. Keller können volllaufen und kleinere Flüssen und Bäche können ausufern. Und auch in Thüringen, Sachsen und dem südlichen Sachsen-Anhalt sind örtliche Gewitter mit um die 50 Liter Regen pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit wahrscheinlich.

Damit spitzt sich die Lage weiter zu?

Wie gesagt, an den kleineren Fließgewässern besteht damit neuerlich Überflutungsgefahr. Für das Einzugsgebiet der Donau gilt: Die Rückhaltemöglichkeiten sind gering, weil das Grundwasser gesättigt ist, Wiesen sind überflutet, Seen stark gefüllt. Der gefallene Regen geht also direkt in den oberirdischen Abfluss. Die Zuflüsse der Donau können also neue, aber kleinere Hochwasserwellen aufbauen. Das wird an der Donau selber dazu führen, dass der Rückgang auf jeden Fall gebremst wird. Und wenn die neusten Berechnungen der Modelle zutreffen, dann sind bis zum Dienstag an den Alpen sogar nochmals über 100 Liter pro Quadratmeter zu erwarten. Eine nachhaltige und rasche Entspannung sieht leider anders aus. Aber zumindest dürfte es spätestens ab Mittwoch in den Überschwemmungsregionen erst einmal meist trocken weitergehen. Und neuer Dauerregen ist danach glücklicherweise nicht in Sicht.

Wie sieht es denn konkret an der Elbe aus?

Hier müssen wir natürlich erst einmal die Gesamtlage sehen: Eine extrem lange Scheitelkurve mit neuen Rekordwasserständen verlagert sich nur sehr langsam elbabwärts. Die Dämme und Deiche müssen somit über Tage einer hohen Belastung standhalten. In dieser Gemengelage sind schwere Gewitter extrem gefährlich. Denn wenn diese die Deiche und Dämme treffen, dann werden diese auch von oben belastet und können schneller brechen. Das ist also eine extrem brenzlige Situation, in der man wirklich nur noch hoffen kann.

Wie wirkt sich der Regen abseits der Deiche aus?

Hier gilt das für den Süden bereits gesagte - nur noch schlimmer. Denn im Elbeeinzugsgebiet sind alle Rückhaltesysteme natürlich noch voller. Schwere Gewitter dürften an der Saale oder der Mulde zusätzlich weitere Hochwasserwellen erzeugen. Diese können den Scheitel der Elbe nochmals verlängern bzw. den Rückgang der Elbe nochmals verzögern. Außerdem dürften weitere Wassermassen aus den Rückhaltebecken und Talsperren in Tschechien abgelassen werden. Denn hier könnten in den kommenden Tagen neue Niederschläge aufkommen, die die Situation am Oberlauf verschärfen könnten. Wie stark die Niederschläge sind und ob sie tatsächlich die Einzugsgebiete von Elbe oder Moldau treffen, ist derzeitig noch sehr unsicher. Aber - so denke ich - hier wird man kein Risiko eingehen und Platz schaffen, um neues Wasser zwischenspeichern zu können. Eine zugegebenermaßen komplexe Lage mit großen Unsicherheiten.

Machen sich diese Unsicherheiten auch bei der Hochwasserwelle bemerkbar?

Auf jeden Fall sorgen diese Unsicherheiten dafür, dass sich die Dauer des Hochwassers noch verlängern kann. Eine dauerhafte Entspannung an der Elbe ist momentan leider noch nicht absehbar. Zumal die Menschen dort ja vielerorts noch das Schlimmste vor sich haben.

Wo ist der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle denn im Moment?

Auch wenn man in diesem Zusammenhang oft von einem Scheitelpunkt spricht, so entspricht dies eigentlich gar nicht der Realität. Denn der Hochwasserscheitel ist extrem langgezogen. Das bedeutet beispielsweise für den Pegelverlauf in Magdeburg, dass er vermutlich erst am Freitag wieder unter die 7 Meter kommen wird. Und auch vorm Erreichen des höchsten Pegels sind die Wassermassen bereits riesig. Am Beispiel von Wittenberge heißt das: Sonntagmittag überschritt der Pegelstand 7,80 Meter. Etwa zur Wochenmitte dürfte dann die Acht-Meter-Marke erreicht werden. Und das ist dann auch der zu erwartende Höchststand, bevor das ganz langsame Absinken beginnt. Und jetzt nochmals zum Vergleich: Der 2002er Höchststand lag bei 7,34m.

Wie sieht es noch weiter elbabwärts aus?

Vergleichbar. In Hitzacker zum Beispiel sind am Wochenende um die 8,30m zu erwarten. Das Hochwasser 2002 brachte dort 7,63m.

Werden sich solche Hochwasserextreme häufen?

Bisher ist festzustellen, dass ein Gros der Rekordwasserstände im Süden und Osten seit 2002 aufgestellt wurden. Das scheint ein Trend zu sein, der mit den entsprechenden Wetterlagen zusammenhängt. Auf der anderen Seite sind nämlich Wetterlagen, die zu extremen Hochwassereignissen hier im Westen führen, seltener geworden. Dazu passt übrigens auch, dass wir in den Wintern öfter mal kalte Wetterlagen mit teils großen Neuschneemengen bis in die Niederungen erleben. Dabei wird dann wiederum deutlich, dass eine globale Erwärmung ja nicht überall mit ansteigenden Temperaturen reagiert. Resultierende Änderungen der Zirkulationsmuster können ganz andere Folgen haben, die so auch nicht unbedingt vorhersehbar sind.

Quelle: n-tv.de

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