Panorama

Infektionen und Mutationen So ist die Lage bei Deutschlands Nachbarn

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Die Einreise aus Tschechien nach Deutschland ist nur noch in Ausnahmefällen und mit negativem Corona-Test möglich.

(Foto: imago images/Steffen Unger)

Der Lockdown wirkt, nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Staaten Europas. Allerdings sind überall die gefürchteten Virusvarianten angekommen - nur nicht gleich verteilt. Ein Blick auf das Infektionsgeschehen in den Nachbarstaaten.

Deutschland hat nach der Ausbreitung neuer Virusvarianten im Ausland die Regeln für die Einreise an den Grenzen im Süden und Südosten verschärft. Beamte der Bundespolizei und der bayerischen Grenzpolizei kontrollieren seit Sonntag an der Grenze zu Tschechien und Tirol den Verkehr - und schicken Einreisende zurück, wenn sie nicht unter Ausnahmeregelungen fallen. Weitere Gespräche mit betroffenen Ländern, etwa mit Frankreich, sind geplant. Ein Blick über die Grenze zeigt: In vielen Nachbarländern grassieren die Corona-Varianten bereits.

Frankreich: Stabilisierung auf hohem Niveau

In Frankreich ist die Corona-Lage weiterhin angespannt. Allerdings geht die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche aktuell langsam zurück, zuletzt fiel sie unter die Marke von 200. Immer noch werden aber regelmäßig mehr als 20.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. In den vergangenen Tagen hat sich die Situation in den Krankenhäusern leicht gebessert. Nach Angaben von Gesundheitsminister Olivier Véran von Ende vergangener Woche sind 20 bis 25 Prozent der Corona-Infektionen im Land auf die Variante aus Großbritannien zurückzuführen. Die südafrikanische und brasilianische Variante machen nur etwa vier bis fünf Prozent aus. Im Département Moselle an der deutschen Grenze hatte es zuletzt aber einen heftigen Ausbruch mit mutierten Viren gegeben - vor allem die südafrikanische und die brasilianische Variante sind dort aufgetreten. Frankreichs Europa-Staatssekretär Clément Beaune warnt vor "bösen Überraschungen" an der Grenze und will sich mit den Regierungschefs der drei benachbarten Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abstimmen. Christophe Arend, Abgeordneter aus Forbach (Moselle) in Paris hat eine gemeinsame Strategie beider Länder gefordert - vor allem auch mit Blick auf die Tests.

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Österreich: Tests statt Lockdown

Seit rund einer Woche sind in Österreich alle Geschäfte, die Friseure sowie die Schulen wieder offen. Für den Besuch körpernaher Dienstleister und der Schulen ist ein negativer Corona-Test nötig. Bisher sind die Zahlen weiter stabil. Die Lage in den Kliniken hat sich ebenfalls deutlich entspannt. Österreich setzt auf einen völlig anderen Weg als Deutschland. Ein niedriger Inzidenzwert wird gar nicht angestrebt. Aktuell liegt er in der Alpenrepublik bei 107 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen. Hauptsache die Lage bleibt so stabil wie jetzt. Das Land sieht sich bei Tests als eine Art Europameister. Es gibt inzwischen vielfältige Möglichkeiten, fast jederzeit kostenlos einen Test zu machen. Zwei Millionen werden es allein in dieser Woche sein.

Tschechien: Zahlen bleiben hoch

Die Corona-Lage bleibt ernst. Landesweit gab es zuletzt knapp 500 Fälle je 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen. Sorgen bereiten die regionalen Hotspots im Westen und Norden des Landes. Nach einem Tageshöchststand von mehr als 17.700 Neuinfektionen Anfang Januar verharren die Zahlen auf einem hohen vierstelligen Niveau - trotz Geschäftsschließungen, Maskenpflicht und nächtlicher Ausgangssperre. Eine Untersuchung ergab einen Anteil der wohl ansteckenderen britischen Mutante im Bezirk Trutnov von 60 Prozent und in Prag von weniger als 10 Prozent. Die Stichprobe war klein. Nur sehr wenige Proben können sequenziert werden. Die südafrikanische Variante wurde noch nicht entdeckt. Mit Äußerungen zu den deutschen Einreisebeschränkungen hat sich die Politik bisher zurückgehalten.

Polen: Lage deutlich entspannter

In Polen ist die Zahl der Neuinfektionen zurückgegangen. Zuletzt wurden regelmäßig etwa 7000 neue Fälle pro Tag gemeldet. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 14 Tagen liegt bei 196. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag gibt es bislang landesweit acht bestätigte Fälle der britischen Variante. An seinen EU-Binnengrenzen hat Polen bislang keine Grenzkontrollen eingeführt. Wer aus dem EU-Ausland einreist, muss danach allerdings für zehn Tage in Quarantäne. Ausnahmen gelten für bestimmte Berufsgruppen.

Dänemark: Große Sorge wegen Mutanten

Bei den Dänen sind die Corona-Zahlen in den vergangenen Wochen rapide gesunken: Mitte Dezember wurden zu Spitzenzeiten mehr als 4000 Corona-Fälle pro Tag nachgewiesen, mittlerweile sind es täglich nur noch wenige Hundert. Die wöchentliche Neuinfektionszahl lag zuletzt unter 49 pro 100.000 Einwohner und zählt somit zu den niedrigsten Europas. Dennoch befindet sich Deutschlands nördlichster Nachbar weiter im Lockdown. Grund dafür ist die Sorge vor mutierten Virusvarianten. Die britische Variante wurde zuletzt in mehr als jeder vierten analysierten Corona-Probe nachgewiesen - Tendenz weiter steigend.

Die dänischen Grenzen sind für die meisten Ausländer weitgehend dicht. Ins Land kommt nur, wer einen triftigen Einreisegrund hat und einen maximal 24 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen kann. Einreisebeschränkungen gibt es auch für Schleswig-Holsteiner, sie sind aber nicht so streng wie für andere Ausländer.

Niederlande: Britische Mutante auf dem Vormarsch

Zurzeit gibt es in den Niederlanden etwa 140 Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Die Tendenz ist eindeutig rückläufig, der Lockdown gilt zunächst bis Ende Februar. Die Behörden schätzen, dass bereits mehr als die Hälfte aller Infektionen durch Virus-Mutanten kommen, vor allem durch die britische Variante. Aber genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Es gibt Grenzkontrollen für Reisende die per Zug, Bus, Flugzeug und Schiff vor allem aus Großbritannien, Südafrika und Südamerika kommen. Aber stichprobenartig werden auch Reisende in Zügen aus Deutschland kontrolliert, ob sie ein negatives Testergebnis vorweisen können.

Quelle: ntv.de, ino/dpa