Panorama

Limburger Prüfbericht Tebartz-van Elst trägt Hauptschuld

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Der Bericht der von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Expertenkommission geht mit Tebartz-van Elst hart ins Gericht.

(Foto: dpa)

Die Mission von Tebartz-van Elst ist zu Ende. Aus gutem Grund, wie der bislang geheim gehaltene Prüfbericht zum Limburger Finanzskandal nun zu Tage bringt: Deutschlands umstrittenster Kirchenmann war stets über die ausufernden Baukosten informiert.

Deutschlands umstrittener Kirchenmann verlässt nach sechs Jahren und zwei Monaten seinen Bischofssitz. Aus gutem Grund. Wie die Bischofskonferenz in ihrem lange geheim gehaltenen Abschlussbericht festgestellt hat, trägt Franz-Peter T ebartz-van Elst die Hauptschuld für den Bauskandal, bei dem sich die Kosten im Laufe des Projektes versechsfacht hatten. Außerdem sei er stets über die ausufernden Kosten für den Bau des Limburger Bischofssitzes informiert gewesen. Bischof und Domkapitel hätten geltendem Recht "in zahlreichen Fällen nicht Rechnung getragen".

"Die Ausgestaltung des Bauprojekts in der ihm eigenen Wertigkeit geht vorwiegend auf Wünsche und Aufträge des Bischofs zurück", heißt es in dem Bericht weiter. Nach Überzeugung der Prüfungskommission habe sich der Bischof zudem nicht um Einzelheiten der Finanzierung gekümmert. Er "wich Kostenfragen auch bewusst aus".

Wären die Prinzipien einer wirtschaftlichen Projektdurchführung allerdings konsequent angewandt worden, hätten ohne wesentliche Einbußen an der baulichen Qualität Kosten in Millionenhöhe eingespart werden können.

Schwere Hypothek für Protzbischof

Bereits vor der Amtsübernahme von Tebartz-van Elst sei das ursprünglich vom Domkapitel initiierte Bauprojekt "mit unrealistischen Kostenangaben geplant und kommuniziert" worden, räumt die Kommission ein. "Dies war für den Bischof eine schwere Hypothek."

Da er habe verhindern wollen, dass der Bau zu einer Belastung für ihn würde, habe er die tatsächlichen Kosten geringgerechnet. Deshalb seien bereits im Juni 2013 "offenkundig falsche Zahlen" genannt worden. Laut Bericht wussten die Beteiligten zu jedem Zeitpunkt, dass seit Baubeginn nicht die tatsächlichen Kosten präsentiert wurden.

Schuld am Limburger Bau-Skandal trifft laut Bericht auch den sogenannten Diözesanverwaltungsrat. Dieser sei seinen Pflichten nicht in ausreichendem Maße nachgekommen. So sei selbst bei der mutmaßlichen Verdoppelung der Kosten für den Bau nachträglich die Zustimmung erteilt worden.

Längst überfälliger Schritt

Der Papst hatte auf Basis des Prüfberichts entschieden, den beurlaubten Tebartz-van Elst nicht in sein Amt nach Limburg zurückzuschicken. Für viele Gläubige und Beobachter war das ein längst überfälliger Schritt. Schon im Oktober 2013, als sich die Verschwendungsvorwürfe gegen Tebartz-van Elst und die Kritik an seinem Führungsstil zum Skandal ausweiteten, sahen Gegner keine andere Möglichkeit für den 54-Jährigen. Zu beschädigt sei das Amt, zu groß der Vertrauensverlust.

Zuletzt hatten auch deutsche Bischöfe immer lauter auf ein Wort aus dem Vatikan gedrungen. Der Papst bat die Gläubigen und den Klerus des Bistums, "die Entscheidung des Heiligen Stuhls bereitwillig anzunehmen und sich darum zu mühen, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden."

"Es ist gut, dass der Papst heute eine Entscheidung herbeigeführt hat, die für das Bistum Limburg eine Zeit der Unsicherheit beendet und einen Aufbruch und Neubeginn möglich macht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. In den vergangenen Monaten sei deutlich geworden, dass es in der Kirche ein großes Bedürfnis nach Offenheit auch in finanziellen Fragen gebe.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa