Panorama

Corona-Unmut in Japan wächst Tokio erreicht Höchstwert an Neuinfektionen

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Tokio hat einen neuen Tages-Höchststand an neuen Corona-Fällen erreicht.

(Foto: AP)

Wegen steigender Coronavirus-Fallzahlen gilt in Japan landesweit der Notstand. Die Hauptstadt Tokio erreicht dennoch einen Höchstwert an Neuinfektionen. Derweil blicken die Provinz-Gouverneure des Landes sorgenvoll auf die nahende "Goldene Woche".

In Tokio sind weitere 201 Coronavirus-Fälle bestätigt worden, der bislang höchste Anstieg innerhalb eines Tages. Damit zählt die japanische Hauptstadt nach der offiziellen Statistik nun mehr als 2700 Infektionsfälle, wie der japanische Fernsehsender NHK meldete. Der neue Tagesrekord erfolgte einen Tag, nachdem Japans Ministerpräsident Shinzo Abe den Notstand auf das ganze Land ausgeweitet und die Bürger aufgerufen hatte, möglichst zu Hause zu bleiben.

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Der Notstand hatte zuvor nur für den besonders betroffenen Großraum Tokio und einzelne andere Provinzen gegolten. Er gilt bis 6. Mai, bedeutet aber keine Ausgangssperren wie in Europa. Bürger können bei Missachtung weder belangt werden, noch können Firmen gezwungen werden, zu schließen.

Mit der Zahl der Infizierten in Japan - inzwischen zählt das Inselreich mehr als 8.000 bestätigte Fälle - wuchs auch die Kritik am rechtskonservativen Premier Abe. Seine Zentralregierung habe durch das relativ spärliche Testen die offiziellen Fallzahlen lange Zeit kleingehalten und zu spät und zu wenig Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus angeordnet, kritisieren Mediziner und internationale Beobachter. Noch immer werden in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt viel weniger Tests durchgeführt als in anderen Ländern.

Am Donnerstag hatten japanische Ärzte angesichts der staatlichen Restriktion von Coronavirus-Tests vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems gewarnt. Bislang würden laut Medienberichten in Japan nur Coronatests bei Patienten von der Versicherung bezahlt, die Symptome wie Fieber haben. Als Folge dieser Politik könnten sich Ärzte und Krankenschwestern bei Operationen oder Geburten infizieren, wenn symptomlose Patienten das Virus in sich tragen.

Unterdessen forderten die Provinz-Gouverneure des Landes Abes Zentralregierung dazu auf, energischer dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung während der Ende des Monats beginnenden "Goldenen Woche", in der nationale Feiertage dicht zusammenliegen, auf die üblichen Reisen verzichtet. Alljährlich machen sich Millionen Japaner gleichzeitig auf den Weg aus den Großstädten in ihre Heimatorte oder nutzen die freien Tage für einen Kurzurlaub.

Quelle: ntv.de, cri/dpa