Appell zur VorbereitungUN erwartet "Schocks" für die Weltwirtschaft durch Wetterphänomen El Niño

Der Pazifik droht so heiß zu werden, wie nie. Das hat Auswirkungen auf das weltweite Wetter. Die Vereinten Nationen warnen nun eindringlich vor den Folgen des sogenannten El Niño und sprechen von weiteren Konflikten, Vertreibungen und Migration.
Die Welt muss sich nach UN-Angaben auf ein Wetterphänomen El Niño von beispielloser Stärke und womöglich verheerenden Folgen einstellen. Die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik seien in den vergangenen 40 Jahren, seit es systematische Messungen gibt, noch nie so hoch gewesen, sagte die Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo, in Genf.
Es drohten erhebliche Konsequenzen, warnte sie. Je nach Weltregion ist einerseits mit starken Dürren und andererseits mit heftigen Regenfällen und Überschwemmungen und besonders starker Hitze zu rechnen. "Die Schäden werden nicht auf die Länder beschränkt bleiben, die unmittelbar von diesem El Niño betroffen sind", warnte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. "Sie werden wirtschaftliche Schocks für die Weltwirtschaft auslösen und zu weiteren Konflikten, Vertreibungen und Migration führen." Fletcher rief Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitute auf, "Finanzierungen unter diesem Gesichtspunkt freizugeben, bevor die Schäden eintreten und nicht danach".
Üblicherweise tritt das Phänomen El Niño alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert zwischen neun und zwölf Monate an. In Kombination drohen der menschengemachte Klimawandel und El Niño Experten zufolge 2027 zum weltweit heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen zu machen.
Höhepunkt im Dezember erwartet
El Niño beeinflusst das Wetter weltweit und beginnt mit der Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifik. In der Region steigt dann warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und Luftströmungen verändert. Europa ist von den Auswirkungen weniger betroffen.
Die Meerestemperatur im Pazifik könnte nach den Modellrechnungen von November bis Januar 3,8 Grad über dem langjährigen Mittel liegen, sagte Saulo. Die bislang höchste Abweichung habe bei etwa drei Grad gelegen. Von einem El Niño werde bereits ab 0,5 Grad über normal gesprochen. Der Höhepunkt wird im Dezember 2026 erwartet.
Nach Angaben der WMO drohen unter anderem in Ostafrika und Teilen Zentralamerikas Dürren. Dagegen müssen das südliche Afrika, Teile Südostasiens und der Nordwesten Nordamerikas sowie die westliche Seite Südamerikas mit heftigeren Regenfällen rechnen.
"Die Entscheidung liegt also auf der Hand", sagte Fletcher. "Wir können auf eine Katastrophe warten oder in Resilienz investieren. Wir können El Niño nicht verhindern. Aber wir können die vor uns liegenden Herausforderungen ernst nehmen. Und wir können kreativ und großzügig sein, wenn es darum geht, uns darauf vorzubereiten."


