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Südkorea erhöht Virus-Alarmstufe Venedig streicht Karneval und "noch mehr"

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Selbst norditalinische Metropolen wie Mailand wirken wegen des Coronavirus derzeit wie ausgestorben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, greifen die norditalienischen Regionen zu drastischen Maßnahmen: Unter anderem fällt der berühmte Karneval von Venedig aus. Auch in Südkorea ringt die Regierung mit der Infektion. Präsident Moon spricht von einem "Wendepunkt".

Italien hat den berühmten Karneval in Venedig wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Das teilte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, mit. "Wir müssen uns drastischen Maßnahmen anpassen", sagte Zaia Reportern in der Region Venetien. Dazu zähle die Absage des Venezianischen Karnevals "und sogar noch mehr". In Südkorea hatte Staatschef Moon Jae In vorher bereits angekündigt, angesichts der steigenden Infektionszahlen die höchste Alarmstufe auszurufen. In Berlin werden derweile mehrere China-Rückkehrer aus der Quarantäne entlassen. Für fast 200 israelische Schulkinder beginnt sie erst.

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In Norditalien war die Zahl bestätigter Infektionen mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 über Nacht um 30 Fälle auf 109 gestiegen. Allein in der Lombardei seien inzwischen 89 Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 erfasst, sagte der Präsident der am stärksten betroffenen Region, Attilio Fontana, dem Sender SkyTG24. Betroffen war daneben die norditalienische Region Venetien, wo es laut letzten Zahlen des italienischen Zivilschutzes 17 Infizierte gab. Hinzu kamen einzelne positive Tests in den Regionen Emilia-Romagna und Piemont.

Mitgezählt sind auch die beiden Toten, eine 77-jährige Frau in der Lombardei und ein 78-jähriger Mann in Venetien. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender SkyTG24, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus. "Es ist klar, dass wir mehr Fälle haben werden." Er hoffe allerdings, dass sie räumlich beschränkt blieben.

Aus Furcht vor der Ausbreitung hatte die italienische Regierung am Samstag bereits die Isolation von elf Städten angeordnet. Die als Epidemiezentren geltenden Gebiete dürften von ihren Bewohnern nicht verlassen und von Auswärtigen nicht betreten werden. Außerdem wurden Unternehmen und Schulen geschlossen sowie öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Davon sind auch drei Spiele der ersten italienischen Fußballliga betroffen.

Höchste Alarmstufe in Südkorea

In Südkorea kündigte Staatschef Moon Jae In an, wegen der rasant steigenden Coronavirus-Zahlen die höchste Alarmstufe auszurufen. Die Epidemie stehe vor einem "schwerwiegenden Wendepunkt", erklärte er nach einer Kabinettssitzung zu dem Virus Sars-CoV-2. "Die nächsten Tage werden entscheidend sein." Seine Regierung werde daher entsprechend der Empfehlungen von Experten die Alarmstufe auf die höchste Kategorie anheben.

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Rettungswagen, die Covid-19-Patienten transportieren, warten vor einem Krankenhaus in Daegu.

(Foto: REUTERS)

Ausgangspunkt eines Großteils der Infektionen in Südkorea ist die Shincheonji Church of Jesus. Eine 61-jährige Anhängerin der christlichen Sekte soll trotz Krankheitssymptomen an Gottesdiensten der Kirche in der südlichen Stadt Daegu teilgenommen haben.

Daegu ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Südkoreas. Allein am Sonntag meldeten die Regionalbehörden mehr als 90 neue Fälle. Damit sei die Gesamtzahl der Fälle in der Stadt auf 247 gestiegen, sagte Bürgermeister Kwon Young Jin. Er forderte die Einwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben.

China-Rückkehrer beschwerdefrei

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Aus der Quarantäne entlassen wurden nach zwei Wochen 20 China-Rückkehrer in Berlin. Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Christian Reuter, zeigte sich "sehr erleichtert", dass bei keinem der Betroffenen das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden sei. Die 14-tägige Isolation sei eine "enorme" Belastung für alle Beteiligten gewesen.

Die 20 Deutschen waren vor zwei Wochen aus der chinesischen Stadt Wuhan ausgeflogen worden, die als Zentrum des Virus gilt. Unter der Leitung des DRK wurden den Angaben zufolge bisher 124 China-Rückkehrer in Germersheim in Rheinland-Pfalz betreut. Seit Freitag versorgt das DRK weitere 15 Rückkehrer in Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg. Am Samstag trafen zudem sechs deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" in Deutschland ein, nachdem die Quarantäne auf dem Schiff zu Ende gegangen war.

Quarantäne für 200 Schulkinder

Für fast 200 israelische Schulkinder hat die zweiwöchige Quarantäne gerade erst begonnen. Sie könnten mit südkoreanischen Touristen in Kontakt gekommen sein, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind. Die Anweisung gilt auch für 18 Lehrer und einen Aufseher.

Israel hatte am Freitag einen ersten Infektionsfall mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet. Eine Passagierin des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess", das wegen des Virus in Japan zwei Wochen unter Quarantäne stand, wurde bei ihrer Heimkehr positiv auf den Erreger getestet.

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Aus China, dem Epizentrum des Ausbruchs, meldeten die Behörden am Sonntagmorgen 97 weitere Tote. Abgesehen von einem seien alle Opfer in der Provinz Hubei gestorben, die am stärksten von dem Virus betroffen ist. Allerdings stabilisiert sich seit einigen Tagen die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in der Volksrepublik: Den chinesischen Behörden zufolge sind knapp 77.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 2400 Menschen starben demnach.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa