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Druck von der Billig-Konkurrenz Warum weniger Deutsche Mallorca buchen

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Hoteliers auf Mallorca befürchten einen deutlichen Einbruch bei den Sommerbuchungen.

(Foto: imago images / photonews.at)

In der Hauptsaison noch ein Zimmer auf Mallorca zu bekommen, ist normalerweise schwierig. Doch aktuell wundern sich die Hoteliers über einen Rückgang der Buchungen. Was steckt dahinter? Nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Mallorquiner spielen dabei eine Rolle.

Jahrelang galt Mallorca in den Sommerferien als ausgebucht. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Im vergangenen Jahr kamen noch 13,8 Millionen ausländische Touristen nach Mallorca. Mehr als ein Drittel und damit die größte Gruppe waren Gäste aus Deutschland. Diese Zahlen werden in diesem Jahr möglicherweise nicht erreicht: "Wir hatten für diese Saison zwar einen Rückgang erwartet, aber niemals den Einbruch, den wir zurzeit erleben", sagte diese Woche ein Sprecher der Hoteliers der spanischen Zeitung "Última Hora". Laut Medienberichten befürchten die örtlichen Hotelbesitzer sogar einen Rückgang von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Es gibt wohl mehrere Gründe, warum deutsche Urlauber ihrer Lieblingsinsel den Rücken kehren: Zunächst zieht der Tourismus in der Türkei nach mehreren Krisenjahren wieder deutlich an. Die Türkei war und ist einer der Hauptkonkurrenten im Kampf um die deutschen Urlauber. Das belegen auch Zahlen der großen Reiseveranstalter.

Niedrige Preise ziehen die Deutschen an

"Es gibt einen großen Zuwachs bei den Reisezielen im östlichen Mittelmeer. Das betrifft besonders die Türkei. Sie hat ein Buchungsplus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Ägypten und Zypern sind mit einem Zuwachs von 31 und 19 Prozent besonders gefragt", erklärt der touristische Geschäftsführer von Tui, Stefan Baumert, auf Anfrage von n-tv.de.

Viele Urlauber wandten sich nach Terroranschlägen und Unruhen in den Jahren 2016 und 2017 von der Türkei ab und Spanien zu. Doch nun ziehen die Türkei-Buchungen wieder umso deutlicher an. Auch ein Blick auf eine aktuelle Analyse des Deutschen Reiseverbands zeigt diesen Trend. So war Antalya im "Online-Reisemarkt 2018" mit 29 Prozent der wichtigste Zielflughafen vor Palma de Mallorca und Hurghada mit jeweils 19 Prozent.

Diese Verschiebung macht sich vor allem in Spanien bemerkbar: "Spanien hatte 2018 ein sehr starkes Jahr. Dieses Jahr verlieren Spanien und Mallorca jedoch Urlauber an Ziele im östlichen Mittelmeer. Der Rückgang von Spanien-Buchungen liegt derzeit allerdings nur im einstelligen Prozent-Bereich", berichtet der Tui-Geschäftsführer. Doch gerade auf den Balearen soll es noch zu Preisnachlässen kommen, die mehr Urlauber anlocken könnten. Thomas Cook spürte vor allem im Frühbucher-Geschäft die Zurückhaltung: "Generell gab es in diesem Jahr einen zurückhaltenden Start in den Sommer 2019 mit einer branchenweit schwachen Frühbucherphase", erklärt der Reiseveranstalter n-tv.de. "Wir beobachten aber schon seit mehreren Wochen eine deutliche Belebung der Buchungen für Mallorca und auch die Aussichten auf ein starkes Last-Minute-Geschäft sind sehr gut."

Imagewandel und Maßnahmen gegen Overtourism

Doch die traditionell preissensiblen Deutschen lassen sich von den niedrigen Preisen auch wieder ins östliche Mittelmeer locken. Denn die Türkei bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Mallorcas Hotels haben im direkten Vergleich manchmal das Nachsehen. Der Preiskampf mit anderen Urlaubsländern spielt der Türkei in die Hände und setzt die Mallorquiner zusehends unter Druck. Außerdem kann sie auch viele neue Hotels anbieten.

Ein weiterer Grund für den Rückgang könnte auch der angestrebte Imagewandel sein. Die Baleareninsel geht in den vergangenen Monaten massiv gegen den sogenannten Sauftourismus am Ballermann vor und versucht Mallorca ein anderes Image zu geben - die Insel soll ruhiger werden. Das ist jedenfalls der Plan der Regierung. Bisher findet der Partytourismus auf Mallorca aber trotz der aktuellen Rückgänge immer noch seinen Platz. Einschlägige Lokalitäten wie Megapark und Co sind weiterhin gut gefüllt.

Darüber hinaus wurden zwei Maßnahmen verabschiedet, die sich ebenfalls auf den Tourismus der Insel auswirken: Beispielsweise wurde seit 2018 eine Verdoppelung der Touristensteuer namens "Ecotasa" eingeführt. Außerdem werden Lizenzen für neue Ferienwohnungen nur begrenzt ausgegeben, um die Urlauberströme zu lenken. 

Der eine oder andere Deutsche wird zudem mitbekommen haben, dass einheimische Gruppen gegen die Touristenmassen protestiert haben. Der sogenannte Overtourism - also zu viele Urlauber an einem Ort - hat zunehmend auch die einheimische Bevölkerung belastet.

Einerseits verzeichnen die Hoteliers einen kleinen Rückgang und sorgen sich um ihre Einnahmen. Andererseits wird manch ein Einheimischer, der nicht vom Tourismus abhängig ist, aufatmen, weil Mallorca in diesem Jahr wahrscheinlich nicht so überfüllt sein wird wie in der Vergangenheit. Es ist ein Spagat zwischen der Abhängigkeit vom Tourismus und den Interessen der restlichen Einheimischen. Möglicherweise ist es auch der Beginn einer Entwicklung, um beide Seiten miteinander in Einklang zu bringen.

Quelle: n-tv.de

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