"Sex mit russischen Mädchen"Was steht in den neuen Epstein-Akten?
Von Aljoscha Prange
Mit sechs Wochen Verspätung veröffentlicht das US-Justizministerium weitere Akten zum Epstein-Fall. Neben etlichen prominenten Namen enthalten sie auch Nachrichten über "Sex mit russischen Mädchen" und pornografisches Material - offenbar auch mit Minderjährigen.
Am Freitag hat das US-Justizministerium weitere Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Sie umfassen mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, Tausende Videos und mehr als 100.000 Fotos. Unter den Dateien befinde sich auch pornografisches Material, sagte der stellvertretende US-Justizminister Todd Blanche. Offenbar auch solches, auf dem Kinder zu sehen seien. Pornografische Inhalte mit Minderjährigen seien jedoch von der Veröffentlichung ausgenommen und persönliche Daten von Opfern geschwärzt worden.
Doch laut einem Bericht sei die "New York Times" bei der Sichtung der hochgeladenen Dateien auf etwa 40 ungeschwärzte Bilder gestoßen, die offenbar aus einer privaten Fotosammlung stammten und die sowohl "nackte Körper als auch die Gesichter der abgebildeten Personen zeigten". Die Personen hätten jung gewirkt, auch wenn nicht klar gesagt werden könne, ob es sich um Minderjährige handele.
Die Bilder seien wohl unter anderem auf Epsteins Privatinsel in der Karibik, in Schlafzimmern und anderen Privaträumen gemacht worden. Annie Farmer, die 2021 vor einem US-Gericht ausgesagt hatte, wie sie als Teenager von Epstein und dessen Partnerin Ghislaine Maxwell manipuliert und missbraucht wurde, nannte die Veröffentlichung der Bilder "äußerst verstörend".
Nachdem die "New York Times" die Bilder der US-Behörde gemeldet hatte, seien sie entweder entfernt oder geschwärzt worden. Das Justizministerium arbeite "rund um die Uhr, um auf die Anliegen der Betroffenen einzugehen, weitere personenbezogene Daten zu schwärzen und alle Dateien zu bearbeiten, die gemäß dem Gesetz - einschließlich Bilder sexueller Natur - weiterer Schwärzungen bedürfen", sagte eine Sprecherin der US-Zeitung.
Hatte Gates "Sex mit russischen Mädchen"?
Für Aufsehen sorgen außerdem E-Mail-Verläufe mit prominenten und mächtigen Personen, unter anderem mit dem Tech-Milliardär Elon Musk, dem britischen Ex-Prinzen Andrew und Microsoft-Gründer Bill Gates. Das Ministerium stellte klar, dass "bekannte Persönlichkeiten und Politiker" ausdrücklich nicht unkenntlich gemacht worden seien. Blanche betonte zudem, dass es kein Eingreifen seitens des Weißen Hauses gegeben habe.
Laut der dpa gibt es unter anderem einen E-Mail-Austausch mit Epstein, in dem Musk Epstein frage, wann die "wildeste Party" auf dessen Insel steige. Musk sagte am Samstag auf der Plattform X, nur wenig Kontakt zu Epstein gehabt zu haben. Er sei sich jedoch bewusst, dass einige die E-Mails "falsch interpretiert" und dazu benutzt werden könnten, seinen Namen "zu beschmutzen".
Bill Gates wird laut dpa in zwei E-Mails genannt, die Epstein 2013 offenbar als Entwürfe an sich selbst geschickt hatte. Darin schreibe Epstein, Medikamente für Gates besorgt zu haben, "um mit den Folgen von Sex mit russischen Mädchen fertig zu werden". Ein Sprecher des Microsoft-Gründers habe daraufhin gesagt, "diese Behauptungen, von einem erwiesenen, verärgerten Lügner," seien "absolut absurd und völlig falsch".
Was sagen Epstein-Files über Trump?
Auch der Name des US-Präsidenten taucht auf - nach Angaben der "New York Times" in mindestens 4.500 Dokumenten. Wie die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet, habe Trump in einer Mail aus dem Jahr 2012 Epstein gefragt, was dieser von einem Weihnachtsbesuch in Trumps Club Mar-a-Lago halte - Jahre, nachdem Trump angeblich die Freundschaft zu Epstein beendet hatte.
Auffällig ist, dass mehrere Dateien nach der Veröffentlichung wieder gelöscht wurden, darunter ein Foto aus der Zeit vor Trumps Präsidentschaft, auf dem er mit Frauen in Bikinis posiert. Als Grund für die Löschungen nannte die US-Regierung den Schutz von Opfern. Das Trump-Foto wurde nach einer Überprüfung später erneut veröffentlicht. Aus dem Kongress gab es für die unvollständige Veröffentlichung des Materials und die Schwärzung vieler Dokumente Kritik.
Die Akten enthielten außerdem eine Nachricht von Melania Trump an Epsteins spätere Komplizin Maxwell aus dem Jahr 2002, in der sie einen Artikel über Epstein lobt. Sie enthalten auch interne Mails von Bundesermittlern aus dem August 2025 zu Vorwürfen gegen Trump. Diese ergaben jedoch keine Hinweise auf bestätigte Anschuldigungen; die Ermittler stuften mehrere Anklägerinnen als nicht glaubwürdig ein.
Wie frühere Fotos zeigen, kannten sich Trump und Epstein gut. Klare Hinweise auf eine Verstrickung Trumps in den Skandal gibt es bislang jedoch nicht. Das Weiße Haus dementiert jegliche Verwicklungen des US-Präsidenten in die kriminellen Machenschaften Epsteins.
Neben Trump kommt auch US-Handelsminister Howard Lutnick in den Unterlagen vor. In einer E-Mail von 2012 scheint er laut dpa einen Besuch auf Epsteins Insel zu planen. Lutnick hatte vergangenes Jahr in einem Podcast über Epstein gesagt, er habe schon 2005 entschieden, mit dieser "widerlichen Person" nie wieder in einem Raum sein zu wollen.
Epstein und die Royals
Die neuen Esptein-Akten geben auch Einblick in dessen Korrespondenz mit dem früheren britischen Prinzen Andrew. Ein Bild zeigt diesen etwa, wie er sich auf allen Vieren über eine junge Frau beugt, deren Gesicht geschwärzt ist.
Andrew Mountbatten-Windsor waren wegen seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal zuletzt alle Titel, entzogen worden. Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Epstein-Skandal weist er zwar zurück. Doch bereits bei den vergangenen Veröffentlichungen war er - etwa durch Bilder - belastet worden.
Aus einem E-Mail-Verlauf aus dem Jahr 2010 scheint beispielsweise hervorzugehen, dass Epstein für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelte - kurz nachdem der US-Amerikaner seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte. Andere Mails legen nahe, dass es sich bei einem mysteriösen Kontakt der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell namens "The Invisible Man" (der unsichtbare Mann) um Andrew handeln könnte. Auch von möglichen Treffen im Buckingham Palace oder auf Schloss Windsor ist in den Mails demnach die Rede, schreibt die dpa.
Andrews Ex-Frau Sarah "Fergie" Ferguson stand offenbar auch immer wieder in intensivem Kontakt mit Epstein. Wie das "People"-Magazin berichtet, soll die 66-Jährige sich in einer E-Mail vulgär über ihre eigene Tochter geäußert haben, die damals erst 19 Jahre alt war. Demnach habe Epstein Ferguson im Jahr 2010 nach einem möglichen New-York-Trip gefragt. Daraufhin habe die Britin geantwortet: "Ich bin mir noch nicht sicher. Ich warte nur darauf, dass Eugenie von ihrem Sex-Wochenende zurückkommt!"
Doch nicht nur in Großbritannien geraten die Royals unter Druck: Laut dpa offenbaren zahlreiche Mails und Nachrichten ein über Jahre hinweg intensiv gepflegtes freundschaftliches Verhältnis zwischen Epstein und der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Demnach soll sie etwa einen Urlaub in Epsteins Haus in Florida verbracht und sich mit ihm über persönliche Anliegen ausgetauscht haben. Noch am Freitagabend entschuldigte sich die Kronprinzessin: Das Ganze sei "einfach peinlich".
"Solange du deinen Harem mitbringst!"
Laut "New York Times" gehörte auch Sergey Brin - Google-Mitgründer und einer der reichsten Männer der Welt - zu Epsteins Kontaktliste. Er soll sich mehrfach auf der Insel des Sexualstraftäters aufgehalten und mit Maxwell korrespondiert haben.
Sarah Ransome, eine der Anklägerinnen Epsteins, habe demnach 2024 in Gerichtsakten behauptet, sie habe Brin und dessen damalige Verlobte Anne Wojcicki auf Epsteins Insel getroffen, die jahrelang das Zentrum seines Sexhandelsrings gewesen sei. Einer von Epsteins ehemaligen Bootskapitänen sagte der "New York Times" Anfang des Jahres zudem, er habe Brin mehrfach auf der Insel gesehen. Auf Anfragen des US-Mediums nach einer Stellungnahme hätten weder Brin noch Wojcicki reagiert.
Im Jahr 2013 soll Epstein zahlreiche Nachrichten mit Steve Tisch ausgetauscht haben, einem Miteigentümer des NFL-Teams "New York Giants". Darin habe Tisch Epstein mehrfach gefragt, ob von ihm beschriebene Frauen Prostituierte seien. Im April 2013 habe Tisch Epstein dann um dessen Telefonnummer gebeten, da er eine Aufzeichnung ihrer schriftlichen Unterhaltung vermeiden wollte.
Ebenfalls im Jahr 2013 habe Epstein eine E-Mail von Richard Branson erhalten. Am 11. September 2013 soll der britische Gründer der Unternehmensgruppe Virgin geschrieben haben: "Es war wirklich schön, dich gestern zu sehen." Er habe hinzugefügt: "Wenn du mal wieder in der Gegend bist, würde ich mich sehr freuen, dich zu sehen. Solange du deinen Harem mitbringst!"
Doch Epstein verkehrte nicht nur mit einflussreichen Männern, sondern auch mit Frauen, etwa Kathryn Ruemmler. Die frühere Rechtsberaterin von Barack Obama im Weißen Haus und derzeitige Chefjustiziarin der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs habe für Epstein sogar einen eigenen Spitznamen gehabt: "Onkel Jeffrey". Über die Jahre soll sie Blumen, Wein, eine Hermès-Handtasche, Geschenkkarten im Wert von 10.000 Dollar, Wellness-Aufenthalte oder auch eine Apple Watch von Epstein geschenkt bekommen haben.
Ihre Beziehung sei allerdings rein beruflicher Natur gewesen, wie Ruemmler gegenüber dem "Wall Street Journal" sagte. Sie habe im Rahmen ihrer früheren Arbeit für die Kanzlei Latham & Watkins regelmäßig mit Kriminellen zu tun gehabt: "Ich bedauere, ihn jemals kennengelernt zu haben, und empfinde großes Mitgefühl für die Opfer von Epsteins Verbrechen."
Wohl nicht das Ende
Das Gesetz zum Epstein-Fall sah eigentlich vor, dass alle Akten bis zum 19. Dezember 2025 zugänglich gemacht werden. Das US-Justizministerium hatte jedoch zum Jahreswechsel erklärt, es müsse noch über fünf Millionen Seiten prüfen und dafür Hunderte Juristen einsetzen. Die Verzögerung hatte im Kongress Vorwürfe ausgelöst, die Regierung verstoße gegen das Gesetz. Auch, dass etliche Dokumente komplett geschwärzt sind, sorgt für Unmut.
Blanche sagte, die Sichtung und Überprüfung der Unterlagen sei mit der jüngsten Veröffentlichung beendet. Das US-Justizministerium sei damit seiner Verpflichtung nachgekommen, hieß es. Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass der letzte Satz an Akten das Ende der jahrelangen Debatte um die Veröffentlichung der Epstein-Files bedeutet.