Mit Reaktions-EmpfehlungWebseite erklärt Jugendlichen, ob sie sexuellen Übergriff begangen haben

Wenn Teenager ihre ersten Erfahrungen beim Sex sammeln, kann einiges schiefgehen. Darüber sprechen wollen sie selten. Die Jugendlichen wenden sich häufig an die KI, doch das ist keine gute Idee. Jetzt gibt es richtige Hilfe.
Jugendliche lernen ihre Sexualität noch kennen, einige sind womöglich überfordert. Sie fragen sich nicht nur, ob es der richtige Moment für das erste Mal war, sondern auch, ob sie ihrem Partner oder ihrer Partnerin unbewusst geschadet haben. Ein kleiner Augenblick kann für viel Unsicherheit und Unwohlsein sorgen - auf beiden Seiten. Doch Teenager wenden sich mit ihren Sorgen oder Gedanken nur selten an die eigenen Eltern, Sexualkundelehrkräften oder andere Vertrauenspersonen. Sie bitten die KI um Rat, etwa ChatGPT, Claude oder Gemini. Doch das birgt Risiken.
Die Künstliche Intelligenz passt sich an den Benutzer oder die Benutzerin an. Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Programme nach einiger Zeit das sagen, was die Bedienenden hören wollen. Jugendliche können deshalb denken, dass sie nichts falsch gemacht hätten, selbst wenn das nicht stimme. Einige Betroffene von sexueller Gewalt unter Teenagern haben deshalb eine Alternative konzipiert und programmiert.
"Vibe Check ist bewusst keine KI", sagt Shael Norris, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von SafeBae. Die Organisation wurde von den Betroffenen gegründet und steht hinter der Internet-Anwendung "Vibe Check", mit der Jungen und Mädchen herausfinden können, ob sie (unbewusst) einen sexuellen Übergriff begangen haben. "Es wurde von unserem Team auf der Grundlage von über einem Jahrzehnt direkter Arbeit mit jungen Menschen entwickelt", erklärt Norris im "Guardian".
Auf die Idee, solch eine Plattform zu erschaffen, kamen die Jugendschützer, als Drew Davis, Leiter der strategischen Initiativen bei SafeBae, festgestellt hatte, dass sich sehr viele junge Menschen mit ihren "wirklich schwierigen und sensiblen Fragen" an Reddit-Communitys wandten. "Es ließ mich nachts nicht schlafen, wie schlimm diese Reaktionen in den Foren waren", sagt Davis der britischen Zeitung. "Entweder bist du ein schrecklicher Mensch - es gibt so etwas wie versehentliches Verursachen von Schaden nicht, du hast definitiv Schaden angerichtet, und zwar so sehr, dass du dich umbringen solltest - oder du hast absolut nichts falsch gemacht, du bist perfekt und Frauen sind Mist."
"Ausweg, um Verantwortung zu übernehmen"
Davis forschte weiter und kam zu dem Schluss: Es braucht eine neue Lösung, eine tatsächliche Hilfe für die Jugendlichen. Er wollte ein Instrument entwickeln, das Menschen, die in ihren Beziehungen Schaden verursacht hatten, "einen Ausweg bietet, um sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und Verantwortung für ihre Fehler zu übernehmen und diese wiedergutzumachen". Zudem sollte das Tool "die Last von den Opfern nehmen, die Bemühungen um Wiedergutmachung und Entschuldigung selbst in die Hand nehmen zu müssen".
Entstanden ist ein Werkzeugkasten, der zunächst mit verschiedenen Situationsbeschreibungen erörtert, worin ein Jugendlicher oder eine Jugendliche ein Problem sehen könnte. Die Benutzer klicken auf den Punkt, der am zutreffendsten ist, etwa "Ich glaube, ich habe versehentlich jemanden sexuell belästigt", "Ich bin mir nicht sicher, ob das, was passiert ist, in Ordnung war" oder auch "Ich befürchte, ich könnte eine Grenze überschritten haben".
Anschließend soll die Situation konkretisiert werden. Bei der Grenzüberschreitung kann man beispielsweise wählen zwischen "Sie schliefen oder waren halb im Schlaf" und "Ich habe sie immer wieder überredet oder unter Druck gesetzt", aber auch "Sie wirkten danach verärgert oder distanziert" steht etwa zur Wahl. Die Webseite-Nutzer oder -Nutzerinnen bekommen danach Informationen, was es bedeuten könnte, wenn man sich selbst oder das Gegenüber sich in der jeweiligen Situation so verhalten hat. Anschließend folgen Handlungsempfehlungen, wenn etwas Derartiges in der Zukunft erneut passieren sollte.
Zum Abschluss soll man mitteilen, wie man sich mit den neu erlangten Informationen fühlt. Auch dazu folgt eine Beschreibung, die erklärt, warum man sich womöglich "schuldig", "ängstlich", "beschämt" oder "erleichtert" fühlt. Bei gewissen Situationen und Kombinationen endet die Einschätzung an dieser Stelle, bei anderen folgen weitere kurze Informationen.
"Vibe Check" funktioniert ohne Login. Die Webseite sammelt keine Daten der Nutzenden und bewertet die Situationen nicht. Die Organisation habe positives Feedback von jungen Erwachsenen und Teenagern erhalten. Allein im ersten Monat hätten über 3000 Personen den Fragebogen komplett ausgefüllt. Ein Jugendlicher sagt in der Zeitung, er sei "beeindruckt von der umfassenden Funktionalität" des Onlinetools.