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Architektonisch mag das "Diözesane Zentrum" in Limburg beeindruckend sein. Aber ist es notwendig?
Architektonisch mag das "Diözesane Zentrum" in Limburg beeindruckend sein. Aber ist es notwendig?(Foto: REUTERS)
Dienstag, 15. Oktober 2013

Geldverschwendung in Gottes Namen: Wer zahlt für "Limburg 21"?

Ein Kommentar von Fabian Maysenhölder

Die Kosten für das Diözesane Zentrum in Limburg explodieren - doch für die Kirchensteuerzahler wird es nicht teurer. Um so verwunderlicher, dass sich die Öffentlichkeit so sehr für die Causa interessiert. Die Welle der Kritik ist ein Warnschuss für die Kirche.

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Der umstrittene Neubau des Diözesanen Zentrums, von manchen Medien bereits "Limburg 21" getauft, hat seinen Ruf weg. Die Kosten steigen ins Unermessliche, von mehr als 40 Millionen Euro ist mittlerweile die Rede. Der Komplex auf dem Domberg befindet sich damit scheinbar in guter Gesellschaft mit öffentlichen Großprojekten wie "Stuttgart 21" oder dem Flughafen Berlin-Brandenburg, die sich ebenfalls als finanzielle Desaster entpuppten.

Fehlplanungen, falsche Kalkulationen und böse Überraschungen beim Bau: Auch vor der Kirche machen solche durch und durch weltlichen Dinge keinen Halt. Auch hier laufen Dinge nicht so, wie man ursprünglich geplant hatte. Der Limburger Bischofssitz wurde zu Beginn mit 5,5 Millionen Euro veranschlagt, aktuelle Zahlen gehen fast vom Achtfachen dieses Betrages aus.

Doch der Vergleich zu Stuttgart 21 oder BER hinkt: Bei den öffentlichen Bauprojekten werden Steuergelder verbraucht – am Ende zahlt also die Allgemeinheit die anfallenden höheren Kosten. Wie Bistumssprecher Martin Wind gegenüber n-tv.de bestätigt, wurde bereits seit 2004 eine Rückstellung in Höhe von 2,5 Millionen Euro aus Kirchensteuergeldern gebildet, um den Um- und Neubau zu finanzieren. "Von Beginn der Planung war klar, dass diese 2,5 Millionen Euro gedeckelt verwendet werden. Das heißt, es darf kein weiteres Geld aus dem Haushalt des Bistums nachgereicht werden", so Wind weiter. Dies ist seinen Angaben zufolge auch beachtet worden.

Die Geldspeicher sind gut gefüllt

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In katholischen Bistümern gibt es verschiedene Haushalte. Neben dem Bistumshaushalt, der sich vor allem aus Kirchensteuern finanziert, gibt es zum Beispiel noch den Haushalt des Bischöflichen Stuhls, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die das Amt und die Verwaltung umfasst. Bistumssprecher Martin Wind: "Alle Kosten, die über der Summe von 2,5 Millionen Euro liegen, werden ausschließlich aus dem Bischöflichen Stuhl entnommen." Der Bischöfliche Stuhl, das Amt des Bischofs mit seiner Verwaltung, trägt nach Angaben des Bistums also die explodierenden Kosten für das Diözesane Zentrum.

Doch woher kommt dieses Vermögen? Das Bistum Limburg existiert seit 1827. Mit Gründung des Bistums wurde der Bischöfliche Stuhl mit einem "Grundstockvermögen" durch den Herzog von Nassau ausgestattet. Seither wird dieses Vermögen verwaltet, angelegt und stetig vermehrt. Bischöfliche Stühle im Allgemeinen erwirtschaften ihr Vermögen aus Verpachtungen von Wiesen und Wäldern, das Vermieten von Immobilien oder durch Erbschaften. Wie viel Vermögen sich in Limburg genau angehäuft hat und wodurch es erwirtschaftet wurde – darüber gibt das Bistum keine Auskünfte. Sicher dürfte sein: Die Geldspeicher sind gut gefüllt.

Sicher ist jedoch auch, dass in Limburg keine Kirchensteuern verbaut wurden. Zumindest nicht mehr als die 2,5 Millionen, die schon unter dem Vorgänger von Tebartz-van Elst beschlossen wurden, dem bescheidenen Bischof Kamphaus. Was in Limburg also verbaut wird, ist nicht das Geld der Allgemeinheit, es ist das Vermögen der Kirche. Es ist interessant, zu beobachten, dass nun nicht nur innerkirchlich, sondern gesamtgesellschaftlich die Empörung über die Vorgänge groß ist. Warum sind plötzlich die Ausgaben der Kirche so interessant, wo doch alle wissen, dass es an Geld hier nicht mangelt?

Tebartz-van Elst, ein lehrreicher Fall

Es geht in der Empörung um die Causa Limburg nur vordergründig um die Verschwendung von Geld. Es geht in Wirklichkeit um etwas anderes: um eine Gesellschaft, die der Kirche ein Signal sendet. Die Welle der Kritik, die über Tebartz-van Elst hereinbricht, ist ein Warnschuss. Und der sagt: Wir schauen auf euch Christen. Wir beobachten euch genau. Und wir bekommen es mit, wenn das, was ihr predigt, und das, was ihr tut, nicht zusammenpasst.

Die katholische Kirche kann gestärkt aus dieser Affäre hervorgehen, der Fall Tebartz-van Elst ein lehrreicher sein. Denn ganz offensichtlich ist der säkularen Gesellschaft die Kirche nicht egal, im Gegenteil. Sie zeigt durch diesen Aufschrei, dass sie nicht akzeptiert, wenn die Kirche nicht dem gerecht wird, was sie predigt.

Christen stehen, das wird in diesen Tagen so deutlich wie selten, unter ständiger Beobachtung. Sie können sich durch ihr Handeln Authentizität und Glaubwürdigkeit verdienen, genannt sei nur die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann und ihr konsequenter Rücktritt. Sie können diese Attribute aber ebenso gut verspielen. Und dazu trägt Limburg bei. Denn es ist offensichtlich, dass ein vielleicht architektonisch wertvolles, aber millionenschweres "Diözesanes Zentrum" nicht zu einer Kirche der Armen passt, die Papst Franziskus predigt. Egal, wo das Geld herkommt.

Quelle: n-tv.de

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