Panorama

Lockdown-Guru feiert Corona-Ende "Wir sollten anfangen, uns zu entspannen"

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Das große Fest von Chiapa de Corzo: In diesem Jahr wird in Mexiko nach einem Jahr Pause wegen der Corona-Pandemie bereits wieder gefeiert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Tomas Pueyo gehört zu den Ersten, die vorm Virus warnen. Sein Aufsatz "Der Hammer und der Tanz" dient vielen Ländern als Kompass im Corona-Management. Nun lässt der Stanford-Absolvent, Datenanalyst und ausgewiesene Corona-Experte erneut mit einem Artikel aufhorchen.

Omikron hat Deutschland fest im Griff und lässt die Infektionszahlen in die Höhe schnellen. Während die Regierung bis Mitte Februar mit Hunderttausenden Neuinfektionen rechnet, sieht Tomas Pueyo den Endspurt im Kampf gegen das Coronavirus gekommen. In seinem jüngsten Aufsatz erwartet der 40-Jährige, dass die Omikron-Welle, die seit Mitte Dezember an Fahrt aufnimmt, bis Mitte Februar überstanden sein könnte - wenn sich die Entwicklung so verhält wie in Südafrika. "Solange also keine neue Variante auftaucht, die dem Immunsystem entkommt und eine höhere Virulenz aufweist, sollten wir anfangen, uns zu entspannen", erklärt er.

Pueyo ist kein Wissenschaftler oder Mediziner, sondern Datenanalyst und arbeitet seit Jahresanfang als Chief Officer of Product der Großhandelsplattform Ankorstore. Mit seiner Analyse "Der Hammer und der Tanz" hat sich der 40-Jährige im Frühjahr 2020 international einen Namen als Pandemie-Experte gemacht. Binnen weniger Wochen lasen 50 Millionen Menschen seinen Aufsatz, der mittlerweile in 37 Sprachen übersetzt wurde. Auch in der Politik und Wissenschaft schlug der Text hohe Wellen. Seine Forderungen und Ideen flossen letztlich in die globale Corona-Strategie ein. Seitdem hat Pueyo immer wieder über die Pandemie gebloggt – immer wieder mit treffsicheren Einschätzungen.

"Zehnmal weniger tödlich als eine normale Grippe"

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Tomas Pueyo sieht aufgrund von Statistiken das Pandemie-Ende gekommen.

(Foto: privat)

In seiner jüngsten Analyse "Coronavirus Game Over" sieht Pueyo nun den letzten Akt im Kampf gegen das Virus bevorstehen: Omikron sei zwar ansteckender als bisherige Virusvarianten, das Risiko mit einer Infektion im Krankenhaus zu landen sei verglichen mit Delta bislang aber nur halb so groß, das Risiko zu sterben sogar um 90 Prozent geringer, schreibt Pueyo unter Verweis auf Studien aus Großbritannien, den USA, Südafrika und Schottland. Gleichzeitig senkten gute Impfstoffe und das Corona-Medikament Paxlovid die Sterblichkeitsrate um 90 Prozent. "Damit ist Covid jetzt mehr als zehnmal weniger tödlich als eine normale Grippe", bilanziert Pueyo, räumt aber in einer Fußnote ein, dass es sich dabei um grobe Schätzungen handle.

Grund zur Entwarnung gebe es aber nicht für alle. Gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitssystem und Ungeimpfte, darunter Kinder, Menschen mit Immunschwäche oder in Entwicklungsländern, könnten die Pandemie nicht so einfach hinter sich lassen. Trotzdem könnte das Ende der Pandemie sogar schon in wenigen Wochen da sein. Entwickle sich Omikron auch in anderen Ländern wie in Südafrika, könnte die aktuelle Welle "bis Mitte-Februar" überstanden sein, erwartet Pueyo. "Aber danach sollten wir uns alle auf das Endspiel vorbereiten."

Nutzen der Corona-Maßnahmen sinkt

Nach dem Ende der Omikron-Welle ist für den 40-Jährigen deshalb die Zeit der Normalisierung gekommen. Denn danach dürften die meisten Menschen eine Form von Immunität haben. Gleichzeitig, wisse man im Hinblick auf Impfstoffe und Medikamente "das Meiste" - und eine neue Virusmutation mit höherer Virulenz gilt als unwahrscheinlich. Für Kontaktbeschränkungen und weitere Maßnahmen heißt das: Während ihr Nutzen abnimmt, nehmen die Kosten zu.

Für die Regierungen sei es an der Zeit, die Corona-Maßnahmen zurückzufahren - auch um das Vertrauen in der Bevölkerung zu stärken. Die Politik sollten deshalb ein Enddatum für alle Corona-Maßnahmen festlegen und Bedingungen formulieren, wann sie wieder gelten. Lockdowns sollten dabei nur in einer sehr ernsten Lage eine Option sein. Auch die Maskenpflicht sollte abgeschafft, während Impfkampagnen und die Test-Strategien vorangetrieben werden. "Vor zwei Jahren war es an der Zeit, mutig zu handeln und den Staat auszuweiten. Jetzt ist es an der Zeit, ihn zu reduzieren", schließt Pueyo.

Auch einige Virologen in Deutschland sehen allmählich das Ende der Pandemie nahen. Christian Drosten kündigte etwa bereits an, man werde den endemischen Zustand bis Ende des Jahres erreicht haben. Klaus Stöhr und Hendrik Streeck erwarten schon eine Entspannung der Lage im Sommer.

Der Artikel erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de

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