Politik

Konventioneller Strom rechnet sich nicht mehr 26 Blöcke sollen stillgelegt werden

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Trotz absehbarer Folgen hatte RWE 2012 in Grevenbroich-Neurath zwei neue Kraftwerksblöcke zur Stromerzeugung aus Braunkohle offiziell in Betrieb genommen. Der Bau der Anlagen hat den Konzern 2,7 Milliarden Euro gekostet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Energiebranche will bundesweit Gas- und Kohlekraftwerke schließen, weil sie wegen der Energiewende rote Zahlen schreiben. Fast 7000 Megawatt sind zu Stilllegung angemeldet. Der günstigere Ökostrom drückt die Verkaufspreise sogar ins Minus.

Die Produktion von Ökostrom zwingt die konventionellen Energieerzeuger in die Knie. Insbesondere die klassischen Gaskraftwerke, aber auch ältere Kohlekraftwerke und ölbefeuerte Anlagen können bei den heutigen Börsenpreisen für Strom ihre Vollkosten nicht mehr decken und können damit auch nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Mittlerweile sind 26 Kraftwerksblöcke bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet.

"Es geht um eine Gesamtleistung von 6735 Megawatt", sagte eine Sprecherin der für die Versorgungssicherheit in Deutschland zuständigen Behörde. Stuft die Bundesnetzagentur die Anlagen aber als systemrelevant ein, müssen sie gegen Entschädigungen in Bereitschaft gehalten werden. Die Kosten dafür werden auf die Strompreise der Verbraucher umgelegt.

Allein 1705 Megawatt Leistung seien in Süddeutschland zur Stilllegung angemeldet worden. Hier werden wegen der Abschaltung dreier Atomkraftwerke aber praktisch alle anderen konventionellen Kraftwerke gebraucht. Viele Betreiber klagen über die Konkurrenz durch immer mehr Ökostrom, der die Verkaufspreise stark drücke. Sie fordern von der neuen Bundesregierung ein rasches Gegensteuern.

Die Betreiber haben wiederholt davor gewarnt, das Stromnetz könne infolge einer Stilllegung zusammenbrechen. Doch eine Überprüfung der Bundesnetzagentur hatte ergeben, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gefährdet ist.

Negativpreise in der Spitze

Derzeit gibt es im Stromverkauf sogar paradoxe Situationen: An sonnigen Tagen, wie dem Tag der Einheit, gibt es viel Sonnenstrom am Mittag (20.000 Megawatt) und recht viel Windstrom (rund 11.000 Megawatt). Bei wenig Verbrauch purzelten die Strompreise im kurzfristigen Verkauf an der Börse EPEXSpot. Es kam zu negativen Strompreisen. Zwischen 13 und 15 Uhr mussten 50 Euro je Megawattstunde an Abnehmer des Stroms draufgezahlt werden. Denn zusätzlich produzierten Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke mittags noch mit einer Kapazität von 26.000 Megawatt - gerade Atom- und Kohlekraftwerke sind nicht flexibel genug, um auf die schwankende Ökostromproduktion zu reagieren.

So gibt es an vielen Tagen derzeit sogar zu viel Strom - aber vor allem im Winter sind mehr konventionelle Kraftwerke vonnöten. Das Problem ist ihre übers Jahr gesehen zu geringe Auslastung, weil Ökostrom einen Einspeisevorrang hat.

Jetzt hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen ein Reformpapier vorgelegt, das gerade RWE mit seinen vielen Kohlekraftwerken nicht schmecken dürfte. Das Beratergremium von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) fordert, den Preis für CO2-Verschmutzungsrechte im EU-Emissionshandel deutlich zu erhöhen - das würde Gaskraftwerke wieder rentabler machen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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