Politik

Kandidat mit Kampferfahrung Abdullah will Afghanistan regieren

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Siegessicher: Der afghanische Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah, in Charikar, Hauptstadt der Provinz Parwan.

(Foto: dpa)

Endspurt im Wahlkampf um das Amt des afghanischen Präsidenten. Zum Favoritenkreis gehört der frühere Minister Abdullah Abdullah. Besondere Merkmale: Jede Menge politische Erfahrung und ein unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Die anstehenden Wahl für das Amt des afghanischen Präsidenten hat sich im Dorf von Hadschi Farook vor allem durch eines bemerkbar gemacht: Einen Anstieg der Gewalt. "Die Sicherheitslage hat sich verschlechtert, wir haben jetzt mehr Raubüberfälle und Morde", sagt der 47-jährige Farook. Seit im vergangenen Monat der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl begann, habe sich in seinem Dorf Hophijan Unsicherheit breitgemacht, berichtet der Familienvater.

Farook hat es sich trotz allem nicht nehmen lassen, in die Hauptstadt der Provinz Parwan zu reisen. Hier in Charikar erwarten sie an diesem Tag einen der aussichtsreichsten Kandidaten: Abdullah Abdullah will um Wählerstimmen werben. "Gott weiß, wer diese Wahlen gewinnen wird. Aber ich sehe eine große Unterstützung für Abdullah und hoffe, dass er es machen wird", sagt Farook, der an diesem Tag sein jüngstes Kind, einen sechsjährigen Jungen, mitgebracht hat.

Gewalt begleitet den Wahlkampf

Vorgesehen ist die Wahl um das höchste politische Amt im Land für den 5. April. Doch überschattet wird der Wahlkampf von einer Zunahme der Gewalt. Überraschend ist das nicht, hatten doch die Taliban bereits im Vorfeld angekündigt, die Abstimmung durch Anschläge stören zu wollen.

Dabei zielen sie auch auf das direkte Umfeld der Kandidaten. So verlor Abdullah Abdullah mindestens acht Unterstützer und Helfer durch die Gewalt. Doch er lasse sich dadurch nicht entmutigen, sagt der Kandidat, der bei der Wahl 2009 schon einmal auf den zweiten Platz gekommen war. Amtsinhaber Hamid Karsai verfehlte damals eine absolute Mehrheit. Abdullah kam einer Stichwahl zuvor, indem er sich aus dem Rennen zurückzog. Die Wahl war von Betrug überschattet, der vor allem dem Karsai-Lager angelastet wurde.

Er jedenfalls hoffe, dass die unsichere Lage im Land kein großes Thema werde, sagt Abdullah. Die Leute trotzten der Situation. "Es hat sie jedenfalls nicht davon abgehalten, heute hierher zu kommen", sagt er mit Blick auf die Teilnehmer seiner Kundgebung. "Tausende sind gekommen. Glauben Sie, dass es keine Drohungen gegeben hat?", fragt er rhetorisch.

Um nach Charikar zu kommen, ist Abdullah an diesem Morgen früh aufgebrochen. 150 Kilometer staubige Schnellstraße liegen hinter ihm. In einem aus zwölf Fahrzeugen bestehenden Konvoi ist der Politiker angereist, begleitet von bewaffneten Leibwächtern. Dass die nötig sind, erlebte Abdullah erst wieder im Februar. Damals war er zu einem ähnlichen Termin unterwegs, als Taliban seinen Konvoi angriffen. Ihr eigentliches Ziel hätten die Angreifer verfehlt, berichtet ein Assistent. "Aber ein Polizist wurde verletzt."

Politische Zeitenwende

Die Wahl in zwei Wochen, bei der auch die Räte der 34 Provinzen neu bestimmt werden, ist der erste demokratische Machtwechsel in der afghanischen Geschichte. Der seit 2001 regierende Karsai darf laut Verfassung nicht ein drittes Mal antreten. Mit Abdullah gehen acht weitere Kandidaten ins Rennen um seine Nachfolge. Einer der wichtigsten Gegner Abdullahs ist der frühere Finanzminister Aschraf Ghani. Zum Favoritenkreis zählt auch Ex-Außenminister Salmai Rassul.

Der promovierte Augenarzt Abdullah Abdullah gehörte dem ersten Kabinett Karsais nach dem Ende der Taliban-Herrschaft an. Und wie der bisherige Präsident kann auch er eine Vergangenheit im afghanischen Widerstand vorweisen. Abdullah gehörte zur Nordallianz, die den Vielvölkerstaat 2001 mit Hilfe der US-Truppen von den Taliban befreite. Militärischer Führer der Nordallianz war der 2001 von Al-Kaida ermordete Nationalheld Ahmad Schah Massud, den Abdullah über Jahre beriet.

Nicht wenige Menschen rund um Charikar können sich daher noch an den heutigen Präsidentschaftskandidaten erinnern. Schließlich verlief durch das Gebiet einst eine der Fronten zwischen Taliban und Massud.

Heute kämpft Abdullah mit politischen Mitteln und verspricht den Menschen Wandel, Stabilität und Arbeitsplätze. Seiner eigenen Darstellung nach ist er damit ziemlich erfolgreich. Er ist von seinem Sieg bereits jetzt überzeugt, schließlich unterstütze ihn das ganze Land, behauptet der Politiker. "Der Sieg erwartet uns."

Quelle: ntv.de, Hafiz Ahmadi und Subel Bhandari, dpa