Politik

Was hat Pentagon zu verbergen? Afghanistan-Kosten ab sofort Geheimsache

RTR4IRXO.jpg

Was hat das Pentagon zu verbergen?

(Foto: REUTERS)

65 Milliarden Dollar haben die USA bisher in den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte investiert. Wie viel es in Zukunft ist, hält das Pentagon ab sofort geheim. Der Generalinspekteur für den Wiederaufbau spricht von einem "beispiellosen Akt".

Die US-Militärhilfen für die afghanischen Streitkräfte sind ab sofort Geheimsache. Der US-Generalinspekteur für den Wiederaufbau Afghanistans, John Sopko, beklagte, dass das Pentagon keine Informationen mehr über die Ausgaben für die Sicherheitskräfte am Hindukusch zur Verfügung stelle. Damit könne nicht mehr öffentlich dargelegt werden, wie das Geld der US-Steuerzahler für den Aufbau von Polizei und Armee in Afghanistan verwendet werde.

Die Zurückhaltung der Informationen sei "beispiellos", heißt es im aktuellen Bericht von Sopkos Büro an den Kongress. Der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, John Campbell, verteidigte dagegen den abrupten Kurswechsel. Die Geheimhaltung sei notwendig im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban. "Wir müssen vorsichtig sein, um zu vermeiden, dass vertrauliche Informationen an diejenigen geraten, die unsere Truppen und die afghanischen Truppen bedrohen", schrieb Campbell in einem Brief an den Generalinspekteur.

Auch Daten zur Korruption ab sofort geheim

Die USA haben bislang insgesamt 65 Milliarden Dollar (57 Milliarden Euro) für den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte ausgegeben. Fortan wird die jährliche Summe unter Verschluss gehalten. Auch Angaben zur Truppenstärke der afghanischen Sicherheitskräfte, zum Erfolg der Korruptionsbekämpfung, zu gelieferten Waffen und sogar zu den Alphabetisierungsbemühungen werden nun als geheim eingestuft.

Im letzten Bericht des Generalinspekteurs vom Oktober wurde die Zahl der afghanischen Soldaten mit 181.000 und die der Polizisten mit 152.000 angegeben. Dies seien je rund 97 Prozent der anvisierten Stärke. Die "New York Times" kritisierte die neue Geheimhaltung beim Militär scharf. Die US-Steuerzahler würden über die Ergebnisse der Milliardeninvestitionen am Hindukusch im Dunkeln gelassen, schrieb die Zeitung in einem Leitartikel.

Zum Jahreswechsel war der Nato-geführte Isaf-Kampfeinsatz in Afghanistan nach 13 Jahren zu Ende gegangen. An der Folgemission "Resolute Support" zur weiteren Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung sind etwa 12.000 Soldaten aus 40 Staaten beteiligt, darunter bis zu 850 Bundeswehrsoldaten. Das größte Kontingent stellen die USA. Für die Sicherheit im Land sind die afghanische Armee und Polizei nun aber selbst verantwortlich.

Quelle: ntv.de, bdk/AFP