Politik

Nach dem "Jahr des Friedens" Afrika steht vor unruhigem 2011

21716391.jpg

Südsudan wird unabhängig.

(Foto: picture alliance / dpa)

2010 hat Afrika Mut gemacht. Die Wirtschaft wächst. Die erste Fußball-WM in Afrika war ein Prestigeerfolg. Im kommenden Jahr stehen konfliktträchtige Wahlen an - und ein neuer Staat könnte die Landkarte des Kontinents bereichern.

Die Liste der Länder in Afrika könnte 2011 um einen neuen Staat erweitert werden. Im Südsudan stimmt die Bevölkerung voraussichtlich am 9. Januar über den Verbleib beim Norden oder einen eigenen unabhängigen Staat ab. Das historische Referendum ist Teil des Friedensabkommens von 2005, das einen der längsten Bürgerkriege Afrikas beendete. Vieles deutet darauf hin, dass die Bevölkerung für die Trennung vom Norden stimmen wird.

In einem Land, das noch immer schwer von den Wunden des Bürgerkriegs gezeichnet ist und dessen genauer Grenzverlauf angesichts der reichen Ölvorkommen in der Grenzregion weiter für Kontroversen zwischen Nord und Süd sorgt, sehen die Menschen dem Votum mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge vor einem neuen Konflikt entgegen.

Konfliktstoff ist auf dem Kontinent 2011 ohnehin reichlich vorhanden. Die Afrikanische Union hatte in diesem Jahr angekündigt, 2010 zum "Jahr des Friedens" zu machen. Tatsächlich hat das ausklingende Jahr Afrika Mut gemacht. Kräftiges Wirtschaftswachstum und die erfolgreiche Austragung der ersten Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent in Südafrika trugen zur Hochstimmung bei. 2011 wird in 17 Staaten Afrikas gewählt oder um einen Wahltermin gerungen. Und vielerorts drohen alte Konflikte neu aufzubrechen.

Explosive Wahlen im Kongo, in Somalia und Nigeria

19483661.jpg

Joseph Kabila will im Kongo wiedergewählt werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im ohnehin konfliktträchtigen Kongo etwa strebt Präsident Joseph Kabila im kommenden Jahr seine Wiederwahl an. Schon in den vergangenen Monaten zeichnete sich ab, dass Repressalien gegen Bürgerrechtler und kritische Medien verschärft werden. Das Mandat der UN-Friedenshüter, die angesichts der Größe des riesigen zentralafrikanischen Landes die Zivilbevölkerung sowieso nur begrenzt schützen können, wurde nicht verlängert.

Im Bürgerkriegsstaat Somalia endet im kommenden Jahr das Mandat der Übergangsregierung. Die neue Verfassung soll ratifiziert, Wahlen sollen vorbereitet werden. Doch angesichts der Verhältnisse in dem Krisenstaat am Horn von Afrika dürfte das eher Wunschdenken sein. Von einer echten Stabilisierung kann keine Rede sein in einem Land, in dem es die Friedenshüter der AU bereits als Erfolg feiern, dass sie nun knapp die Hälfte des Stadtgebiets der Hauptstadt Mogadischu kontrollieren. In großen Teilen des Landes bestimmen die Rebellen der radikalislamischen Al-Schabaab-Miliz den Kurs.

Schatten liegen auch über der Wahl in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Präsident Goodluck Jonathan schlägt bereits vor der Bekanntgabe seiner Kandidatur Widerstand aus dem islamischen Norden entgegen. Es wird wohl zu einer Kampfkandidatur kommen - Nord gegen Süd, Muslime gegen Christen. Diese Mischung könnte angesichts der religiösen Gewalt in der Vergangenheit explosiv sein.

Simbabwe hofft auf Südafrika

19970572.jpg

Klammert in Simbabwe weiter an der Macht: Robert Mugabe.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Simbabwe endet 2011 das Mandat der Regierung der nationalen Einheit. Allerdings gibt es keine Einigkeit über ein geplantes Referendum über eine neue Verfassung, das als Voraussetzung für anschließende Wahlen gilt. Simbabwes Präsident Robert Mugabe, der sich mit fragwürdigen Mitteln seit 1980 an der Macht hält und das einst blühende Land heruntergewirtschaftet hat, klammert sich trotz seines Alters von 86 Jahren weiter an die Macht. Sein Gegenspieler, Premierminister Morgan Tsvangirai, ist zunehmend frustriert. Noch ruhen die Hoffnungen auf Südafrikas Präsident Jacob Zuma, der auch im Auftrag der anderen Nachbarstaaten Simbabwe vermittelt und beruhigt.

Stimmungstest am Kap der guten Hoffnung

In Südafrika selbst stehen im März Kommunalwahlen an. Knapp zwei Jahre nach dem Amtsantritt Zumas steht damit der erste echte Stimmungstest für ihn und seine Regierungspartei ANC bevor. Zahlreiche Proteste und Streiks zeugten 2010 von der Unzufriedenheit vieler Menschen vor allem in den Armenvierteln der Townships. Bei lokalen Nachwahlen erzielten die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) und ihre Chefin Helen Zille Achtungserfolge, die den ANC aufgeschreckt haben. Es wird vielerorts ein erbitterter Wahlkampf erwartet. Unruhige Zeiten drohen auch auf der Tropeninsel Madagaskar, wo nach einem gescheiterten Operetten-Putsch im November vermutlich im März Wahlen anstehen.

Quelle: n-tv.de, Eva Krafczyk und Laszlo Trankovits, dpa