Politik

Nach dem Vorbild in Tunesien Ägypter will sich verbrennen

Die Proteste in Tunesien werden auch in anderen Ländern der Region verfolgt. In Ägypten und Algerien kommt es zu Selbstverbrennungen, die in Tunesien den Umsturz ausgelöst hatten. In Jordanien und Jemen gehen Tausende auf die Straße. Demonstrationen in weiteren Ländern sollen folgen.

Vor dem Parlament in Kairo hat ein Ägypter versucht, sich selbst zu verbrennen. Er folgte damit offensichtlich dem Vorbild des jungen Tunesiers, der mit seiner Selbstverbrennung im Dezember in seiner Heimat eine Revolution ausgelöst hatte, die zum Sturz des Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali führte. Nach Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen wurde der Mann mit Verbrennungen dritten Grades in ein Krankenhaus gebracht.

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In Jordaniens Hauptstadt Amman protestieren die Menschen gehen die hohen Lebensmittelpreise.

(Foto: dpa)

Zum Motiv des etwa 48 Jahre alten Mannes hieß es, dieser habe mit seiner Aktion gegen die seiner Meinung nach ungerechte Behandlung durch die Behörden protestieren wollen. Er habe zuvor ohne Erfolg versucht, sich gegen die Schließung seines Restaurants zu wehren. Augenzeugen berichteten, der Mann habe sich auf der belebten Straße vor dem Parlament mit Benzin übergossen. Ein Taxifahrer habe eingegriffen und das Feuer, das sich über seinen Körper ausbreitete, gelöscht.

Auch in Algerien fand der junge Tunesier, der von vielen seiner Landsleute jetzt als Märtyrer verehrt wird, bereits mehrere Nachahmer. So starb ein algerischer Arbeitsloser, der sich aus Protest gegen die Behörden selbst in Brand gesetzt hat. Der 37-Jährige sei am Sonntag an den Folgen seiner Verbrennungen gestorben, teilte seine Familie mit. Seit Mittwoch versuchten in Algerien mehrere Menschen, sich selbst zu verbrennen. In allen Fällen konnten Polizisten das Feuer rasch löschen und das Leben der Männer retten.

Proteste in Jordanien und Jemen

Am Wochenende protestierten auch in der jordanischen Hauptstadt Amman Tausende Unzufriedene gegen Inflation und die Wirtschaftspolitik der Regierung und verlangten bessere Lebensbedingungen. Die meisten Demonstranten gehörten zu islamischen Oppositionsparteien wie den Muslimbrüdern und Gewerkschaften. Die Regierungsgegner begrüßten zudem den Regimewechsel in Tunesien. Bereits am Freitag hatten Tausende Jordanier den Rücktritt der Regierung verlangt.

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Bereits am Wochenende hatten in Kairo Menschen ihre Solidarität mit Tunesien bekundet.

(Foto: dpa)

Auch in anderen Ländern der Region stehen Proteste bevor. Im Sudan kündigte die Opposition an, auf die Straße zu gehen, falls die Regierung den Finanzminister nicht absetze und die Kürzungen von Subventionen für bestimmte Güter widerrufe. In Syrien wurden die Subventionen für Öl ausgeweitet.

Experten zufolge könnte der tunesische Volksaufstand für Millionen von Arabern, die seit Jahrzehnten unter ihren korrupten Herrschern leiden, Vorbildcharakter haben. So riefen auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa rund tausend Studenten zum Sturz der Regierung nach dem Vorbild von Tunesien auf. "Freies Tunis, Sanaa grüßt dich tausend Mal", rief die Menge, der sich auch Menschenrechtsaktivisten angeschlossen hatten.

Gaddafi schmerzhaft betrübt

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zeigte Verständnis für die Proteste in Tunesien. Es gehe nicht nur um Probleme wie Arbeitslosigkeit, sondern auch um Defizite bei den Grund- und Freiheitsrechten, sagte Erdogan in Istanbul. Es sei wichtig, dass es keine Entfremdung zwischen den Regierenden und der Bevölkerung gebe. Aufstände wie der in Tunesien breiteten sich "wellenartig" in der Region aus, sagte Erdogan. Die Türkei hoffe, dass die Probleme rasch überwunden werden könnten.

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In Jemens Hauptstadt Sanaa gingen tausend Menschen auf die Straße.

(Foto: REUTERS)

Bisher hatte die Türkei sehr zurückhaltend auf die Lage in Tunesien reagiert und lediglich die Hoffnung auf eine Rückkehr zu Frieden und Stabilität geäußert. Mehr als 300 türkische Staatsbürger waren in den vergangenen Tagen aus Tunesien in die Türkei zurückgebracht worden.

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi kritisierte dagegen die Proteste im Nachbarland. Zu den neuen Machthabern sagte er: "Ich kenne diese neuen Leute nicht, aber wir alle kennen Ben Ali und die Veränderungen, die in Tunesien erzielt wurden. Warum zerstört ihr dies alles?". Er sei "schmerzhaft berührt", von dem, was in Tunesien geschehe, sagt er am Samstagabend im libyschen Fernsehen weiter. "Tunesien hat sich jetzt in ein Land verwandelt, das von Banden regiert wird", kritisierte Gaddafi, der selbst seit 40 Jahren an der Macht ist.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/rts/dpa