Politik
Dienstag, 19. November 2013

Geheimes Treffen in Berlin: "Andenpakt" sorgt sich um die CDU

Über den Inhalt der Gespräche wird spekuliert, doch das leise Treffen des "Andenpaktes" ist für sich schon ein Aufreger. In ihm sitzen ehemalige Größen aus der CDU - viele gelten als Merkelopfer. Offenbar haben sie etwas gegen die Große Koalition ausgeheckt.

Ein dreistündiges geheimes Treffen von CDU-Politikern hat in Berlin Spekulationen ausgelöst. Mitglieder des sogenannten Andenpaktes, darunter auch Ex-Bundespräsident Christian Wulff, saßen laut "Bild"-Zeitung am Sonntagabend zusammen, um über die laufenden Koalitionsverhandlungen ihrer Partei zu sprechen.

Auch Oettinger, Koch und Müller (v.l.) sollen Mitglieder des Andenpakts sein.
Auch Oettinger, Koch und Müller (v.l.) sollen Mitglieder des Andenpakts sein.(Foto: picture alliance / dpa)

Die meisten von ihnen sind aus der aktiven Politik raus und bekleiden stattdessen hohe Posten in Unternehmensvorständen oder bei Stiftungen. Im Andenpakt finden sich auch viele der ehemaligen CDU-Politiker, die als Opfer von Bundeskanzlerin Merkel gelten. Neben Wulff sind das Roland Koch (früher Ministerpräsident in Hessen, heute Vorstand beim Baukonzern Bilfinger), der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz (heute Aufsichtsrat bei der Deutschen Börse) und der ehemalige baden-württembergische Regierungschef Günther Oettinger (heute EU-Energiekommissar). Weitere Teilnehmer waren Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder, Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sowie Peter Müller, früher Ministerpräsident des Saarlandes und heute Richter am Bundesverfassungsgericht.

Auch Koch und Wulff beendeten unter Merkel ihre politische Karriere.
Auch Koch und Wulff beendeten unter Merkel ihre politische Karriere.(Foto: picture-alliance/ dpa)

In dem "Bild"-Bericht wird darüber spekuliert, was genau die ehemals mächtigen Männer der CDU miteinander besprochen haben. Demnach ging es vor allem um die Sorge der allesamt wirtschaftsorientierten Politiker, dass die künftige Große Koalition die Interessen der Wirtschaft nicht genug berücksichtigen wird. Die CDU laufe Gefahr, im Ergebnis der Verhandlungen kaum noch erkennbar zu sein.

Wulff bleibt stumm

Über Wulff heißt es in den Bericht, er habe sich nicht an der Debatte beteiligt. Der seit seiner Kreditaffäre schwer beschädigte ehemalige niedersächsische Ministerpräsident steht seit vergangener Woche vor Gericht und gilt auch knapp zwei Jahre nach seinem Rücktritt als Bundespräsident als politisch schwer angeschlagen.

Der 1979 geschlossene Andenpakt blieb bis 2003 geheim. In ihm schlossen sich damals zwölf Mitglieder der Jungen Union auf einem Nachtflug von Caracas nach Santiago de Chile zusammen und verabredeten, sich künftig gegenseitig zu unterstützen und nicht miteinander um Posten anzutreten. Nach Angaben des "Spiegel", der 2003 erstmals von dem "Männerbund" berichtete, haben Frauen im "Andenpakt" nichts verloren, auch Ostdeutsche sucht man dort vergebens. Die meisten dieser Andenpakt-Mitglieder stiegen später weit in der CDU auf.

Quelle: n-tv.de