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Iraker fordern Abzug der Türkei Ankara fliegt Luftangriffe auf Mossul

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Rauchsäulen steigen über Mossul auf.

(Foto: REUTERS)

Um ihren Einfluss zu sichern, stationiert die Türkei bereits 2014 Soldaten im Norden des Irak. Zum Unmut der irakischen Regierung beteiligt sich Ankara jetzt auch an der Offensive auf Mossul - einer Stadt mit besonderer Bedeutung.

Die Türkei beteiligt sich mit Luftschlägen an der Offensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul. Die türkische Luftwaffe unterstütze den Vormarsch im Rahmen der US-geführten Koalition, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in Ankara. "Die, die sagen, die Türkei habe in Mossul nichts verloren, haben ihre Antwort erhalten." Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Teilnahme am Montag bereits angekündigt.

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Vor der türkischen Botschaft in Bagdad fordern Demonstranten den Abzug türkischer Truppen.

(Foto: AP)

Ankara und Bagdad streiten seit längerem über die Präsenz türkischer Soldaten in der Region Baschika nahe Mossul. Die Türkei bildet dort kurdische Peschmerga und sunnitische Milizen aus, die nun auch an der Offensive teilnehmen. Die irakische Regierung fordert dagegen den Abzug der Truppen.

In einer Fernsehansprache warnte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi Anfang Oktober bereits vor einem regionalen Krieg, sollte sich die türkische Führung der Forderung widersetzen. Erdogan antwortete gereizt: "Er beleidigt mich persönlich. Du bist nicht mein Gesprächspartner, du bist nicht auf meinem Niveau."

Die Bedeutung von Mossul

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Mossul hat für Ankara eine besondere Bedeutung. Die Türkei versteht sich als Schutzherr der Sunniten - Mossul ist im mehrheitlich schiitisch geprägten Irak die größte sunnitische Stadt. Zugleich will die türkische Führung auch den wachsenden Einfluss schiitischer Milizen im Irak und damit des Irans in der Region verhindern. Erst kürzlich sagte Erdogan, nach der Vertreibung des IS dürften in Mossul nur sunnitische Araber, Turkmenen und sunnitische Kurden leben.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad führte die türkische Beteiligung an der Offensive auf Mossul zu Protesten. Hunderte Iraker demonstrierten vor der türkischen Botschaft und forderten den Abzug der türkischen Truppen. Die Demonstranten riefen demnach "Verschwindet, Besatzer" und "Türkei raus". Ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften verhinderte, dass weitere Menschen vor die Botschaft zogen.

Gegenangriffe des IS

Unterstützt von sunnitischen Milizen und Peschmerga-Kämpfern versuchen irakische Sicherheitskräfte seit Montag, den Islamischen Staat aus Mossul zu vertreiben. Am zweiten Tag der Offensive konnten die Truppen nach eigenen Angaben mehrere Gegenangriffe des IS abwehren. Ein Militärsprecher erklärte, südlich von Mossul hätten Armee und lokale sunnitische Milizen nahe der Stadt Al-Kajara mindestens drei Vorstöße der Terrormiliz zurückgeschlagen. Mindestens 30 Extremisten seien getötet worden.

Angaben über eigene Opfer machte der Militärsprecher nicht. Das IS-Sprachrohr Amak berichtete im Internet, der IS habe bei den Angriffen mehrere Selbstmordattentäter eingesetzt.

Der Sprecher der US-Streitkräfte, John Dorrian, erklärte auf Twitter, Armee und Peschmerga hätten ihre Ziele bisher im oder vor dem Zeitplan erreicht. Sollte Mossul vom IS befreit werden, wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa

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