Politik

Krawallspiel mit Risiken Athens Halbstarke lassen's gefährlich krachen

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Keine Zusammenarbeit mit der Troika - Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis erteils Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem eine Abfuhr.

(Foto: REUTERS)

Griechenlands neuer Ministerpräsident flirtet mit Putin, sein Finanzminister provoziert seine Geldgeber. Und sein Verteidigungsminister schafft es, die türkische Luftwaffe in Alarmbereitschaft zu versetzen. Das ist ein bisschen dicke für eine Woche.

Die neue Regierung Griechenlands übertrifft alle Befürchtungen. Kaum eine Woche im Amt, ist die Liste der Affronts lang. Der maßlos konfrontative Einstieg der Syriza-Männer und ihres rechtspopulistischen Koalitionspartners Anel in die internationale Politik ist sicherlich Teil einer Strategie. Er zeugt aber auch von einem gehörigen Maß an Unreife.

Den Anfang machte der neue Regierungschef Alexis Tsipras am Dienstag. Die EU veröffentlichte eine Erklärung, in der sie den Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Mariupol verurteilte und schärfere Sanktionen gegen Russland zur Debatte stellte. Tsipras distanzierte sich von der Erklärung, warf Brüssel vor, übergangen worden zu sein, und verübte damit einen Anschlag auf die Einigkeit der EU im Auftritt gegen Russland.

Es folgte der neue Finanzminister Yanis Varoufakis. Der traf sich am Freitag erstmals mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in Athen. Dort kündigte er kurzerhand die Zusammenarbeit mit der Geldgeber-Troika auf. Unsere Regierung werde mit der EU zusammenarbeiten, sagte er, "aber mit der Troika, die ein Programm umsetzen will, das wir als antieuropäisch betrachten, die auch das europäische Parlament für nicht demokratisch legitimiert hält, wollen wir nicht zusammenarbeiten". Dann setzte Varoufakis sein wohl süffisantestes Lächeln auf und wartete auf die Reaktion des Eurogruppen-Chefs. Dijsselbloem verschlug es die Sprache.

Auch außerhalb Athens gibt es große Egos

Den vorläufigen Höhepunkt stellt Panos Kammenos Hubschrauber-Abstecher über das Mittelmeer dar. Der neue Verteidigungsminister überflog dabei die unbewohnte Imia-Insel und warf Kränze ab. Wohlwissend, dass es seit Jahrzehnten einen heftigen Streit zwischen Griechenland und der Türkei über die Insel gibt. Ein Streit, der 1996 beinahe in einen Krieg mündete. Türkische Kampfjets stiegen auf. Und als wäre das nicht dramatisch genug, ließ auch Athen eine Staffel abheben. Geht's noch?

Natürlich gibt es nachvollziehbare Gründe für den konfrontativen Kurs der neuen Regierung. Vor allem Syriza hat im Wahlkampf viel versprochen und voll auf die Wut der Griechen gegen die Euro-Rettungspolitik gesetzt. Würden Tsipras und seine Leute sich jetzt allzu diplomatisch geben - es käme einem Bruch ihres Wahlversprechens gleich. Vermutlich denken Tsipras und Co. sich auch: Wenn wir jetzt richtig hoch pokern und ordentlich Schrecken verbreiten, muss am Ende mehr für uns rausspringen. Das mag im Grunde stimmen. Aber wer sich in seiner ersten Amtswoche derart viel leistet, droht zu überziehen.

Zumindest dieser Tage grenzt es an Naivität zu glauben, als Ministerpräsident eines bankrotten Staates, den Rest Europas wirklich erpressen zu können. Es zeigt sich ja jetzt schon, dass der Krawallkurs für ein derart abhängiges Land wie Griechenland nicht durchzuhalten ist. Als es nach der umstrittenen Erklärung zu Mariupol Ende der Woche darum ging, tatsächlich verschärfte Sanktionen gegen Russland zu verhängen, kuschte Athen und trug die Entscheidung mit.

Tsipras, Varoufakis und Kammenos können sich ihr halbstarkes Gebaren nicht allzu lange leisten. Denn auch in den Hauptstädten anderer Euroländer gibt es gewaltige Egos. Wenn sie weiter poltern, wird es irgendwann sehr schwer, überhaupt wieder ernsthaft ins Gespräch zu kommen.

Quelle: n-tv.de

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