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Von Berlin nach Brüssel? Auch Tusk will von der Leyen an EU-Spitze

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Folgt von der Leyen auf Juncker an der Spitze der EU? Die Deutsche wäre die erste Frau als Kommissionschefin. Das Foto entstand 2015.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie aus dem Nichts steigt Ursula von der Leyen zur Favoritin auf die Nachfolge von EU-Kommissionschef Juncker auf. Ratspräsident Tusk soll die deutsche Verteidigungsministerin offiziell vorschlagen wollen, heißt es aus Verhandlungskreisen.

Im EU-Postenpoker will Ratspräsident Donald Tusk Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin vorschlagen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen. In den Stunden zuvor hatten bereits Gerüchte die Runde gemacht, die CDU-Politikerin könnte Nachfolger von Jean-Claude Juncker werden. So soll sie auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen haben, wie EU-Diplomaten sagten. Die 60-jährige von der Leyen wäre die erste Frau an der Spitze der mächtigen Brüsseler Kommission. Offiziell ist aber noch nichts.

Ein neues mögliches Personaltableau sieht laut einem Diplomaten den amtierenden belgischen Regierungschef Charles Michel von den Liberalen als neuen EU-Ratspräsidenten vor. Er wäre damit Nachfolger Tusks. Der bisherige EU-Vizekommissionspräsident Maros Sefcovic aus der Slowakei ist als Außenbeauftragter im Gespräch. Er steht den Sozialdemokraten nahe. Die spanische Sozialistin Iratxe Garcia Pérez könnte neue Parlamentspräsidentin werden.

Mit der Option einer Frau an der Kommissionsspitze werde in Brüssel versucht, die Blockade beim EU-Gipfel aufzulösen, hieß es. Damit könnte dem Europaparlament laut Diplomaten der Verzicht auf die Forderung schmackhaft gemacht werden, einer der Spitzenkandidaten bei der Europawahl vor fünf Wochen solle neuer Kommissionschef werden.

Weber wäre endgültig raus

Der CSU-Politiker Manfred Weber als Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) wäre damit ebenso aus dem Rennen wie der Sozialdemokrat Frans Timmermans aus den Niederlanden. Ihn hatte Merkel vor dem Gipfel gemeinsam mit Frankreich und Spanien für die Kommissionsspitze ins Gespräch gebracht. Gegen den Plan gibt es aber massiven Widerstand in der EVP und von osteuropäischen Ländern.

Für den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) brachte Macron die französische Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde ins Gespräch, wie EU-Diplomaten weiter sagten. Merkel sei nicht gegen diesen Vorschlag.

Die Kanzlerin und Macron hatten sich vor dem dritten Gipfeltag getroffen, um Optionen zu sondieren. Der für 11.00 Uhr geplante Beginn des Gipfels verzögerte sich wegen der Vorgespräche um mehrere Stunden. Laut einem Ratssprecher sollte er um 15.15 Uhr beginnen, dann wurde er erneut verschoben, diesmal auf unbestimmte Zeit.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/AFP

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