Politik

De Maizière für strengere Prüfungen Axt-Opfer aus künstlichem Koma geholt

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Der Ärztliche Direktor der Würzburger Uniklinik, Georg Ertl, spricht über den Zustand der Anschlagsopfer.

(Foto: dpa)

Zwei Schwerverletzte hinterließ der 17-jährige Angreifer in einer Regionalbahn. Einem davon geht es besser, er liegt nicht mehr im künstlichen Koma, heißt es aus der Klinik. Über die Konsequenzen des Anschlags wird derweil heftig debattiert.

Nach der Axt-Attacke von Würzburg hat sich die Situation von zwei der durch den 17-jährigen Angreifer lebensgefährlich verletzten Menschen stabilisiert. Eines der Opfer konnte in der Universitätsklinik Würzburg aus dem künstlichen Koma geholt werden. Wie der ärztliche Direktor der Universitätsklinik Würzburg, Georg Ertl, sagte, stellte sich bei einem der beiden "eine gewisse Besserung" ein. Er sei aus dem künstlichen Koma geholt werden, es sei "demnächst" auch Kommunikation mit der Familie möglich.

Der andere der beiden müsse wohl noch eine weitere Woche oder zehn Tage im künstlichen Koma bleiben. Es müsse auch im Heilungsverlauf abgewartet werden, wie sehr die beiden der unvermittelte Angriff des Täters seelisch mitgenommen habe. Eine nach dem Angriff in einem Nürnberger Krankenhaus untergebrachte Patientin sollte derweil nach Würzburg verlegt werden, bei der Chinesin sei der Zustand stabil.

Ein aus Afghanistan stammender Flüchtling hatte am Montagabend insgesamt fünf Menschen mit Axt- und Messerhieben verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich. Der Angriff löste eine breite Diskussion über nötige Konsequenzen aus. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte im Bayerischen Fernsehen, dass es bei dem von der Polizei getöteten Angreifer im Asylverfahren keine nähere Informationsgewinnung zu seiner Person gab. Es habe keine Anhörung stattgefunden, auch seien keine Fingerabdrücke genommen worden. Als Konsequenz forderte Herrmann einen rigoroseren Umgang mit Flüchtlingen mit unklarer Identität schon bei ihrer Einreise nach Deutschland.

Minister fordert klare Identitätsfeststellung

Bundesinnenminister Thomas de Maizière forderte im ZDF mit Blick auf im vergangenen Jahr unkontrolliert eingereiste Flüchtlinge, nun im Rahmen des Asylverfahrens eine klare Identitätsfeststellung zu gewährleisten, "auch mit einer Sicherheitsüberprüfung". Dies sei allerdings schwierig, weil für Fingerabdrücke meist keine Vergleichsdateien vorlägen und damit nicht geprüft werden könne, ob jemand in seinem Herkunftsland strafrechtlich in Erscheinung getreten sei.

De Maizière forderte zudem stärkere Kontrollen an den EU-Außengrenzen. Die Staats- und Regierungschefs der EU hätten bereits die Schaffung eines Ein- und Ausreiseregisters beschlossen, an dessen Umsetzung "mit Hochdruck" gearbeitet werde. "Der Weg, den wir in der Flüchtlingspolitik gehen, ist, dass wir die illegale Migration nicht wollen und durch legale Migration ersetzen wollen."

Bundesjustizminister Heiko Maas warnte derweil in der "Bild"-Zeitung vor vorschnellen Urteilen über ein Scheitern der Integrationspolitik. "Es wäre ein großer Fehler, die Integration jetzt vorschnell für komplett gescheitert zu erklären, im Gegenteil, Bildung und Sprache gehören zu den besten Mitteln gegen Radikalisierung." Die große Mehrheit der Terroristen, die Anschläge in Europa verübt haben, seien hier aufgewachsen. "Jetzt alle Flüchtlinge pauschal unter Generalverdacht zu stellen, würde den Integrationsprozess weiter erschweren."

Der Städte- und Gemeindebund forderte aber gegenüber der "Passauer Neuen Presse", mit Blick auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein "Frühwarnsystem" aufzubauen. Nur so könnten Radikalisierungstendenzen früher erkannt werden. "Das System der Jugendhilfe ist dafür nicht geeignet", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Quelle: ntv.de, mli/AFP