Politik

Erträge sinken, Preise steigenBauern schlagen Alarm: Es ist nicht nur das Wetter

18.08.2026, 12:38 Uhr b58b01e6-b3b2-4108-ace9-39b8c6dbd390Von Hubertus Volmer
00:00 / 04:42
16-08-2026-Bad-Woerishofen-im-Unterallgaeu-Landwirtschaftliches-Maisfeld-beschaedigt-durch-das-Juli-Unwetter-mit-Sturm-und-Hagel-zudem-ist-der-Boden-jetzt-extrem-trocken-durch-den-fehlenden-Regen-in-diesem-Sommer-Die-Ernte-wird-spaerlich-ausfallen-im-Herbst
Maisfeld im Unterallgäu. Für viele Felder, vor allem in Süddeutschland, kommt der Regen zu spät. (Foto: picture alliance / M.i.S.)

Viele Betriebe könnten kaum noch die nächste Ernte finanzieren, sagt Bauernpräsident Rukwied und fordert mehr finanzielle Unterstützung für die Landwirte. Die deutschen Bauern hätten nicht nur mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen.

Der Deutsche Bauernverband beklagt sinkende Ernteerträge und fordert sofortige Hilfen für die Landwirte. "Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied bei der Vorstellung der aktuellen Erntebilanz. "Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage, die nächste Ernte zu finanzieren."

Nach Zahlen des Bauernverbands wird die diesjährige Getreideernte mit 41,9 Millionen Tonnen deutlich unter der des Vorjahres liegen - ein Minus von 7 Prozent. Der Rückgang fällt zwar niedriger aus, wenn man ihn mit dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre vergleicht: Über diesen Zeitraum gerechnet wurden jährlich 42,5 Millionen Tonnen geerntet.

Aber Rukwied betonte, wie schlecht die diesjährige Ernte im längeren Vergleich anzusehen ist: "Wir haben seit Jahren rückläufige Erntemengen." 2014 sei die "mengenmäßig beste Weizenernte ever eingefahren" worden, 28 Millionen Tonnen. "Da sind wir weit davon entfernt." In diesem Jahr liegt die Weizenernte bei 20,9 Millionen Tonnen. Weizen ist noch immer die wichtigste Getreidesorte für deutsche Landwirte.

Rukwied sieht drei Gründe für immer geringere Ernten

Der Rückgang hat laut Rukwied vor allem drei Ursachen: "Einmal rückläufige Intensität, was die Düngung anbelangt. Zum Zweiten geringe Bekämpfungsmöglichkeiten, was Schadinsekten und was Pflanzenkrankheiten betrifft. Und zum Dritten ist es natürlich auch eine Auswirkung der Klimaveränderung."

Neben dem sinkenden Ertrag sind für die Landwirte die steigenden Kosten ein Problem - verbunden mit niedrigen Preisen, die sie selbst für ihre Produkte bekommen. Zwar würden die Verbraucherpreise steigen. Aber die von den Bauern erzielten Preise seien "in der Tendenz über fast alle Produktbereiche rückläufig". In den Betrieben komme von den höheren Lebensmittelpreisen nichts an.

Supermärkte bieten Kirschen unter den deutschen Produktionskosten an

Mit Blick auf die Obst- und Gemüseernte beklagte Rukwied eine finanzielle Belastung durch den Mindestlohn, für den es in der Landwirtschaft Ausnahmen geben müsse. So sei die Ernte bei den Süßkirschen gut, aber die Kosten zu hoch. Supermärkte würden türkische Süßkirschen für 3,30 Euro pro Kilo anbieten. "Unsere Produktionskosten gehen Richtung 4 Euro je Kilogramm."

Viele Betriebe seien mittlerweile in einer "Liquiditätskrise". In manchen Betrieben gehe es um die Frage: "Kann ich das nächste Wirtschaftsjahr, kann ich die nächste Ernte vorfinanzieren?" Vor allem in Süddeutschland sehe man zunehmend unbearbeitete Felder. Das liege auch an der dort besonders starken Trockenheit - aber nicht nur. Viele Landwirte würden auch an der Bodenbearbeitung sparen, "weil Diesel nicht mehr wirklich bezahlbar ist".

Nord-Süd-Gefälle bei der Ernte

Wetterbedingt falle die Ernte regional sehr unterschiedlich aus, wobei es ein Nord-Süd-Gefälle gebe. Vor allem im Süden sei es in vielen Regionen nach wie vor viel zu trocken, so Rukwied. Sein eigener Betrieb in der Nähe von Heilbronn habe "seit Mitte Juni keinen nennenswerten Niederschlag mehr erhalten". Es werde Ertragseinbußen geben, "an manchen Standorten bis zu einem Totalausfall".

"Die Politik muss jetzt liefern", so Rukwied, "um die Versorgungssicherheit auf Basis der heimischen Produktion auch zukünftig gewährleisten zu können." Versorgungssicherheit, argumentierte der Bauernpräsident, sei "so wichtig wie Verteidigungsfähigkeit".

Daher sei Unterstützung durch den Bund nötig, "um die Landwirtschaft zukunftsfest zu machen und den Betrieben Perspektiven für das nächste Jahr zu geben". Rukwied forderte ein Sofortprogramm für die Landwirtschaft, das "jetzt" auf den Weg gebracht werden müsse. So solle die Düngemittelhilfe auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden. Wichtig sei dabei, dass das Geld schnell bei den Bauern ankomme. Zudem forderte Rukwied eine Senkung der Dieselsteuer bis mindestens Ende November. Außerdem solle der größte Teil der europäischen Direktzahlungen schon im Oktober ausgezahlt werden statt Ende Dezember.

Quelle: ntv.de

LandwirtschaftGetreideWeizenDeutscher BauernverbandKlimawandel