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Sommerpause für NSU-Verfahren zu Ende Beweisaufnahme springt hin und her

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Das Verfahren wird nun fortgesetzt.

(Foto: dpa)

Ein bisschen ist die Atmosphäre am ersten Tag im NSU-Prozess nach der Sommerpause wie auf einem Familientreffen, viele bekannte Gesichter, manche mit deutlicher Urlaubsbräune. Das Gericht hört ein bisschen von diesem Fall, ein bisschen von jenem, um der Wahrheit über den NSU näher zu kommen.

Mit der Vernehmung eines BKA-Beamten ist nach fast einem Monat Sommerpause der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München fortgesetzt worden. Außerdem zeigte das Gericht Videoaufnahmen, welche nach Überzeugung der Ermittler die Neonazi-Terroristen kurz vor dem Bombenanschlag in der Kölner Keupstraße zeigten. Auch Bild- und Tonaufnahmen vom Brand in der Frühlingsstraße in Zwickau, wo die Terrorzelle ihr letztes Domizil hatte, wurden in dem OLG-Saal präsentiert.

Das Gericht war wiederholt kritisiert worden, weil es in der Beweisaufnahme zwischen verschiedenen Tatkomplexen hin und her sprang - wofür organisatorische Gründe geltend gemacht wurden. Das setzte sich fort. Immerhin: Die Ladungsliste zeigt, dass das Gericht künftig versucht, zumindest die Mordtaten nacheinander abzuhandeln. Für diesen Freitag sind vier weitere Zeugen zum Mord an Ismail Yasar geladen.

Zunächst berichtete ein BKA-Ermittler von einem Ortstermin mit dem Angeklagten Holger G. in Zwickau (Sachsen). Dorthin hatte G. den drei untergetauchten Neonazis um die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eine Waffe gebracht. Holger G. gilt als wichtiger Zeuge der Anklage, weil er das Trio des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) über längere Zeit kannte und im Ermittlungsverfahren Angaben zur Rolle Zschäpes innerhalb der Gruppe gemacht hatte.

Keine Nachfragen

Im Prozess hat der 39-Jährige bislang aber zu den Tatvorwürfen nur eine vorgefertigte Erklärung verlesen. Sein Verteidiger bekräftigte nochmals, dass G. derzeit keine weiteren Angaben machen wolle. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte vor der Sommerpause angedeutet, dass die bisherige Erklärung aus seiner Sicht nicht zufriedenstellend sei. Das könnte eine Rolle spielen, falls G. auf Anwendung der Kronzeugenregelung hofft.

Dann wurden Videoaufnahmen einer Überwachungskamera des Musiksenders Viva gezeigt. Sie zeigen nach Überzeugung der Ermittler die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt kurz vor dem Bombenanschlag am 9. Juni 2004 in der Kölner Keupstraße. Zu sehen ist, wie einer der Männer - laut Anklage Böhnhardt - zunächst zwei Fahrräder die Straße entlang schiebt, dann wieder ohne die Räder zurückkommt. Es folgt ein weiterer Mann - laut Anklage Mundlos. Er schiebt ein Fahrrad, auf dessen Gepäckträger ein dunkler Hartschalenkoffer montiert ist. Darin befand sich die Nagelbombe, mit der die Terroristen 22 Menschen zum Teil schwer verletzten.

Am Nachmittag wurde eine Zeugin vernommen, die wahrscheinlich Mundlos und Böhnhardt vor dem Mord an Ismail Yasar am 9. Juni 2005 in Nürnberg gesehen hat. Beide hätten schwarze Fahrradkleidung angehabt. Einer habe in Yasars Dönerstand hineingeschaut, der andere habe an der Straße gestanden. "Er schaute bös', hat mich so richtig fixiert", sagte die Zeugin. Sie sei dann weitergefahren. Kurz darauf habe sie Geräusche gehört, so ähnlich wie Schüsse. Sie habe das jedoch nicht sicher zuordnen können und nichts unternommen. Erst als sie am nächsten Tag über den Mord gelesen hatte, sei ihr der Vorfall wieder bewusstgeworden.

Quelle: n-tv.de

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