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"Jetzt ist das Symbol weg" Bin Ladens Tod schwächt Al-Kaida

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Seit 2007 war ein Kopfgeld von bis zu 25 Millionen US-Dollar auf Bin Laden ausgesetzt.

(Foto: dapd)

Auch wenn Al-Kaida-Chef Bin Laden in letzter Zeit nicht mehr der wesentliche Drahtzieher von Terroranschlägen war, ist seine Tötung doch ein herber Schlag für die Terrororganisation. Sicherheitsexperten glauben, dass sein Tod vor allem psychologisch eine wichtige Rolle spielt.

Die Führung der Al-Kaida um Osama bin Laden gilt schon lange nicht mehr als der gefährlichste Kern der radikalen Islamisten. Wie im Jemen haben sich andere Zentren gebildet, die unabhängig planen und Anschläge vorbereiten. Die Tötung des Gründers und langjährigen Anführers der Al-Kaida ist nach Einschätzung der Experten dennoch ein herber Schlag, der bis in die Ausläufer des weit verzweigten Netzes zu spüren sein wird. Und er trifft die selbst ernannten Retter des Islams ausgerechnet in einem Moment, in dem in der arabischen Welt die Demonstranten für mehr Freiheit und Demokratie von Tunesien über Syrien bis nach Bahrain ohnehin ganz andere Prioritäten setzen.

"Bin Laden war schon seit einiger Zeit nicht mehr die Hauptgeschichte, wenn es um die Anführung von Terroranschlägen", sagt Paul Pillar, ein früherer hochrangiger US-Geheimdienstler. "Die meisten Aktionen wurden in der Peripherie und nicht im Zentrum angestoßen." Pillar nennt vor allen anderen den Al-Kaida-Zweig im Jemen, die AQAP, die von den USA inzwischen als gefährlichste Gruppe eingestuft wird. Ihr Anführer Anwar al-Awlaki wendet sich regelmäßig in fehlerfreiem Englisch an Anhänger auf der ganzen Welt. Er soll nicht zuletzt den US-Soldaten angestiftet haben, der im November 2009 bei einem Amoklauf in Fort Hood in Texas 13 Menschen getötet hat.

Auch Fawaz Gerges, Sicherheitsexperte bei der Stiftung RAND, geht davon aus, dass "wir Bin Laden und die Al-Kaida bereits hinter uns gelassen haben". "Das Kommando und die Kontrolle der Al-Kaida sind geschwächt, und ihre wichtigsten Anführer sind entweder festgenommen oder getötet worden", sagt er. Militärisch mache der Tod Bin Ladens daher keinen Unterschied. "Das hat vor allem eine politische und psychologische Bedeutung. Politisch und psychologisch hat er allerdings eine riesige Bedeutung", sagt Gerges.

Wichtiger Sieg für USA

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Bin Laden zeigte sich gerne mit Waffen.

(Foto: dpa)

Das Ende des Al-Kaida-Gründers ist zunächst ein wichtiger Sieg für die USA. So wie die Anschläge am 11. September 2001 ein Wendepunkt für die Präsidentschaft von George W. Bush waren, dürfte die Tötung nun ein Meilenstein für seinen Nachfolger Barack Obama werden. Der Demokrat kann darauf verweisen, dass er nun eines seiner zentralen Versprechen zu Amtsbeginn erfüllt habe, und er dürfte von der patriotischen Stimmung profitieren, die das Ereignis sofort im ganzen Land ausgelöst hat. Normalerweise ist das das Feld der Republikaner, die ihm bei der Wahl im November heftig zugesetzt haben. Schlagartig treten auch die innenpolitische Diskussionen über hohe Benzinpreise und eine schleppende Konjunktur fürs Erste in den Hintergrund.

Politisch und psychologisch wiegt die Tötung aber vor allem für die Gegenseite schwer: Es bräuchte schon ein Wunder, sagt RAND-Experte Gerges, damit sich die Al-Kaida von diesem Schlag wieder erhole. "Bin Laden war das Symbol für die Langlebigkeit der Al-Kaida und ihren entschlossenen Widerstand gegen den Westen", sagt auch Thomas Hegghammer, Militärexperte am Norwegischen Forschungsinstitut für Verteidigung. "Jetzt ist das Symbol weg." Auf lange Sicht werde dies die Fliehkräfte innerhalb der Bewegung verstärken, die sich ständig verändert und neue Köpfe gebiert. Das schwächt bereits seit Jahren Kommando und Kontrolle der Al-Kaida. Bin Laden hinterlässt ein kaum überschaubares Netz aus Anhängern, die sich wohl noch der Idee verpflichtet fühlen, aber ansonsten einer eigenen Agenda folgen.

Quelle: n-tv.de, rts

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