Politik

Russland hörte Telefon ab Boston-Brüder: Mutter sprach vom Dschihad

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Subeidat Zarnajewa, die Mutter der Boston-Brüder: Russland stufte sie als religiöse Extremistin ein.

(Foto: REUTERS)

Russische Behörden hatten Subeidat Zarnajewa, die Mutter der beiden mutmaßlichen Attentäter von Boston, schon länger im Visier. Berichten zufolge hielten sie sie für eine religiöse Extremistin. Nähere Informationen aber gaben sie nicht an die USA weiter. Erst jetzt werden Details bekannt. Ihr Inhalt: der Dschihad.

Die Mutter der mutmaßlichen Attentäter von Boston, Subeidat Zarnajewa, soll im Jahr 2011 in einem Telefongespräch über den Dschihad gesprochen haben. Einem CNN-Bericht zufolge haben die russischen Behörden das Telefon der Frau abgehört und aufgezeichnet, wie sie vage über den "heiligen Krieg" redete. Diese Information sei erst kürzlich an die US-Behörden weitergereicht worden.

Ein US-Behördenvertreter mit Einblick in die Ermittlungen bestätigte den CNN-Bericht. Darüber, mit wem Zarnajewa in dem aufgezeichneten Gespräch gesprochen hatte, machte er keine Angaben.

Extremistische Einstellung übersehen?

Der CNN-Bericht wirft erneut die Frage auf, ob wichtige Hinweise über eine mögliche extremistische Einstellung der mutmaßlichen Boston-Attentäter übersehen wurden. Sowohl der US-Auslandsgeheimdienst CIA als auch die Bundespolizei FBI hatten den älteren der beiden Brüder wegen möglicher Verbindungen zu Terroristen im Visier, nachdem russische Behördenvertreter im Jahr 2011 entsprechende Hinweise gegeben hatten.

Der "Focus" berichtet, die russischen Behörden hätten den USA zwei Mal Hinweise auf eine mögliche Verbindung Tamerlan Zarnajews zur Islamistenszene gegeben. Die US-Behörden hätten aber nicht darauf reagiert.

Kein Anlass für Untersuchungen

Anderen Berichten zufolge sollen die USA von russischer Seite auch Hinweise darauf erhalten haben, dass Subeidat Zarnajewa eine religiöse Extremistin sei und gemeinsam mit ihrem Sohn Tamerlan auf eine Überwachungsliste gesetzt wurde. Nach Angaben des FBI reagierte Russland aber nicht auf die Bitte, weitere Informationen zu übergeben. Daraufhin hätten die US-Ermittler keinen Anlass gesehen, ihre Untersuchung fortzusetzen.

Tamerlan Zarnajew und sein jüngerer Bruder Dschochar werden der  Anschläge auf den Boston Marathon am 15. April beschuldigt, bei  denen drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt wurden. Der  26 Jahre alte Tamerlan Zarnajew wurde bei einer Verfolgungsjagd mit  der Polizei getötet, sein 19-jähriger Bruder später schwer verletzt gefasst.

Quelle: ntv.de, AFP