Bei Schutz von OlivenbauernUS-Demokrat im Westjordanland vorübergehend festgenommen

Die Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland nimmt in den vergangenen Monaten deutlich zu. Aktivisten wollen palästinensische Bauern bei der Ernte vor genau dieser Gewalt schützen und werden verhaftet. Auch ein Politiker aus den USA ist darunter.
Israelische Sicherheitskräfte haben im besetzten Westjordanland vorübergehend den US-Kongresskandidaten Brad Lander festgenommen. Der demokratische Politiker wurde nach eigenen Angaben zusammen mit Dutzenden weiteren Aktivisten bei einer Olivenernte nahe Bethlehem festgesetzt - der US-Sender NPR berichtet von etwa 80 amerikanischen und israelischen Rabbinern und Aktivisten. Während Lander nach Polizeiangaben als Kongresskandidat rasch wieder freigelassen worden sei, blieben andere Helfer, darunter mehr als 30 US-Bürger, zunächst in Gewahrsam. Lander selbst gab laut der "New York Times" (NYT) an, etwa drei Stunden festgehalten worden zu sein. Ihm sei von israelischen Beamten ausdrücklich gesagt worden, dass sie ihn freilassen, weil er ein Amtsträger sei.
Der Fall sei die größte Massenverhaftung von Aktivisten im Westjordanland seit mindestens zehn Jahren, sagten zwei mit den Themen vertraute israelische Anwälte NPR. Die Aktivisten begleiteten palästinensische Bauern, um sie vor Übergriffen von israelischen Siedlern zu schützen. Lander teilte ein Bild von sich auf der Plattform X und schrieb "Das Ernten von Oliven ist nach keinem Recht, das ich kenne, ein Verbrechen".
Die israelische Armee erklärte auf X, die Olivenbauern müssten in dem Gebiet vor Beginn der Erntesaison Anträge bei den Behörden einreichen, "um die Sicherheit des Gebiets zu gewährleisten und die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten". Eine solche Koordinierung habe in dem Fall gefehlt. Die Anwesenden seien "aufgrund des Sicherheitsrisikos" festgenommen worden.
In einem weiteren Beitrag sagte Lander: "Diese Inhaftierungen durch die IDF sind ein weiterer Versuch, die Rechte der Palästinenser zu untergraben, ihre Olivenhaine zu ernten, auf ihren Straßen zu reisen und in ihren Häusern zu leben." Die Olivenernte ist für die Palästinenser sowohl kulturell als auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. Doch der Zugang zu ihren Feldern im von israelischen Siedlern besetzten Westjordanland wird für sie zunehmend schwieriger.
Das Westjordanland ist in den vergangenen Jahren Schauplatz zunehmender Gewalt durch israelische Siedler geworden. In der vergangenen Woche griffen Siedler im Westjordanland zudem die US-Journalistin Heidi Levine und eine Gruppe europäischer Diplomaten an. Nun soll Aktivisten zufolge bei einer anderen Olivenernte auch der Mann durch israelische Beamte festgenommen worden sein, der die Attacken auf Levine gefilmt und veröffentlicht hatte.
