Politik

Tausende Geräte zu viel bestellt Bund verschenkt Beatmungsmaschinen

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Allein beim Hersteller Drägerwerk hat die Bundesregierung mehrere Tausend Apparate bestellt.

(Foto: Drägerwerk/dpa)

Verglichen mit den im Frühjahr kursierenden Horrorszenarien ist Deutschland bislang davongekommen bei der Corona-Pandemie. Von den ursprünglichen Befürchtungen zeugen noch die Bestellungen von Zehntausenden Beatmungsgeräten. Teilweise werden diese nun in Länder verschenkt, in denen sich die Lage wieder zuspitzt.

Im Frühjahr, auf dem Höhepunkt der Corona-Krise, bereiteten vor allem Berichte über einen drohenden Engpass an Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeiten Sorgen. Also versuchte die Bundesregierung, so viele Beatmungsgeräte wie möglich zu beschaffen. Mit mehreren deutschen Medizintechnik-Herstellern schloss sie Verträge über die Lieferung von mehr als 26.000 Geräten ab. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf die Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Christoph Hoffmann berichtet, wurden davon schon 7691 geliefert.

Gebraucht wird allerdings höchstens ein Bruchteil davon. Zum einen liegen die Infektionszahlen in Deutschland weiterhin deutlich unter denen vom Frühjahr. Zum anderem ist der Anteil, derjenigen Covid-19-Erkrankten, die im Krankenhaus beatmet werden müssen, stark gesunken. Laut dem DIVI-Intensivregister, werden aktuell 125 Corona-Patienten in deutschen Krankenhäusern invasiv beatmet. Von mehr als 30.000 zur Verfügung stehenden Intensivbetten, sind derzeit fast 9000 frei.

Die Regierung versucht nun einerseits die Bestellungen von weiteren Beatmungsgeräten wenigstens teilweise zu stornieren. Bei zwei Firmen ist das dem Bericht zufolge gelungen. 2500 Apparate konnten wieder abbestellt werden. Zum anderen werden Geräte an Staaten verschenkt, in denen sie noch dringender gebraucht werden. 197 Apparate wurden an Spanien, Italien und Frankreich gespendet. Eine größere Lieferung soll an die Staaten des westlichen Balkans verschenkt werden.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hoffmann bemängelt die mangelnde Transparenz des gesamten Vorgangs. "Nicht benötigte Beatmungsgeräte müssen für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit bereitgestellt werden, insbesondere weil Brüssel in dem 200 Milliarden schweren Corona-Hilfspaket keine Hilfen zur Bekämpfung der Corona-Krise in den Entwicklungsländern vorsieht", sagte Hoffmann dem "Spiegel".

Quelle: ntv.de, mbo