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Fliegende Panzer für Afghanistan Bundeswehr schickt "Tiger" los

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Passt gerade so in den Rumpf: Einer der beiden "Tiger" im Inneren der An-124 "Ruslan".

dpa

Mit einem riesigen Antonow-Frachtflugzeug bringt die Bundeswehr Verstärkung nach Afghanistan: Die Truppe vor Ort bekommt Unterstützung durch den "Tiger" - dem neuesten europäischen Kampfhubschrauber. Die Reise ins Kriegsgebiet beginnt in Leipzig.

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Per Hand in Richtung Laderampe: Transportspezialisten schieben einen der beiden "Tiger" zurecht.

(Foto: dpa)

Die Bundeswehr kann in der Endphase ihres Einsatzes in Afghanistan eines ihrer modernsten Waffensysteme unter Gefechtsbedingungen testen. Das deutsche Kontingent in Afghanistan bekommt erstmals eigene Kampfhubschrauber des Typs "Tiger".

Die beiden ersten Maschinen wurden mit einem Tag Verspätung vom Flughafen Leipzig-Halle aus in einer Transportmaschine des Typs Antonow 124 in Richtung Masar-i-Scharif auf den Weg gebracht, wie ein Bundeswehrsprecher bestätigte. Insgesamt ist die Verlegung von vier Kampfhubschraubern vorgesehen. Sie sollen dort ab dem ersten Quartal 2013 zum Einsatz kommen, voraussichtlich ab Februar oder März.

Für einen Direktflug ohne Zwischenhalt wäre die Strecke von Deutschland bis ins Einsatzgebiet in Afghanistan viel zu weit: Mit externen Zusatztanks kann der Hubschrauber zwar insgesamt fast 1,7 Tonnen an Treibstoff aufnehmen. Nach Angaben des Herstellers kann der Tiger damit allerdings nur maximal 1130 Kilometer überwinden. Der künftige Einsatzort liegt knapp 5000 Kilometer entfernt.

EADS
Airbus 88,70

Eine Luftbetankung fällt als Option aus: Zwar besitzt die deutsche Luftwaffe seit 2002 über vier eigene Tankflugzeuge vom Typ Airbus A310 "MRTT". Ein solches Manöver ist beim "Tiger" jedoch technisch nicht vorgesehen - und wäre aufgrund seiner geringen Höchstgeschwindigkeit von maximal 315 km/h auch kaum durchführbar. Die sogenannte Marschgeschwindigkeit liegt bei etwa 230 km/h. Bei einem Überführungsflug aus eigener Kraft wäre die Maschine damit fast 22 Stunden unterwegs.

Bislang sind die deutschen Soldaten in Afghanistan beim Einsatz von Hubschraubern auf die Unterstützung ihrer Verbündeten angewiesen, vor allem auf Kampfhubschrauber der US-Truppen oder die französischen "Tiger", die sich dort bereits seit 2009 im Einsatz befinden.

Die vier deutschen "Tiger"-Hubschrauber sollen künftig direkt unter deutscher Befehlsgewalt zur Verfügung stehen und die Bodentruppen in Afghanistan unterstützen. Sie sind laut Bundeswehr vor allem für Sicherungs- und Aufklärungsaufgaben vorgesehen, aber auch beispielsweise zur Feuerunterstützung und zum Begleitschutz für Transporthubschrauber.

Ein fliegender Panzer

Der "Tiger" zählt zu den modernsten und leistungsstärksten Kampfhubschraubern der Welt. Entwickelt und produziert werden die schwer bewaffneten Panzer-Drehflügler von Eurocopter, der Hubschrauber-Sparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Die beiden Antriebsaggregate kommen vom MTU.

Mit dem "Tiger" bekommt die Bundeswehr einen zweisitzigen Kampfhubschrauber, der in der deutschen Version mit zwei schweren Maschinengewehren ausgestattet werden kann. Im Gegensatz zur französischen Version trägt der deutsche "Tiger" keine schwere Maschinenkanone unter der Nasenspitze. Die Maschinengewehre lassen sich stattdessen bei Bedarf samt Munitionsvorrat an eigenen Gondeln unter die Stummelflügel hängen.

Dort befinden sich die seitlich am Rumpf angebrachten Waffenstationen, mit denen der Hubschrauber je nach Einsatzziel ungelenkte Luft/Boden-Raketen, Lenkflugkörper zur Panzerabwehr oder Luftabwehrraketen vom Typ "Stinger" aufnehmen kann.

Die zweiköpfige Besatzung teilt sich die Aufgaben: Der Pilot sitzt auf dem vorderen Sitz und steuert die Maschine. Leicht erhöht hinter ihm kümmert sich der Bordschütze um die Waffenauswahl, die Zielerfassung und das Abfeuern der Waffen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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