Politik

"Je weiter weg, desto besser" Castoren verlassen La Hague

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In Berlin demonstrierten mehrere Hundert Menschen gegen den Castor-Transport.

(Foto: dapd)

Er rollt bald wieder nach Gorleben, der Castor-Zug. Die ersten fünf Behälter voll mit radioaktivem Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague sind im Verladebahnhof. Greenpeace warnt vor der diesmal "extrem hohen Konzentration der Radioaktivität". Die Gesellschaft für Nuklear-Service sieht dagegen keine Gefährdung - mahnt aber gleichzeitig das Begleitpersonal, Abstand zu den Behältern zu wahren.

Die ersten Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll haben die Wiederaufbereitungsanlage im nordfranzösischen La Hague verlassen. "Sie wurden auf Lastwagen zum Bahnhof von Valognes gebracht", sagte Greenpeace-Sprecherin Adélaide Colin in Paris. Dort sollten die Castorbehälter vom Typ HAW 28 M auf Bahnwaggons verladen werden. "Es waren sehr viele Sicherheitskräfte im Einsatz", fügte Colin hinzu. "Derzeit befinden sich fünf Castor-Behälter auf dem Bahnhof von Valogne", sagte Greenpeace-Atomexperte Yannick Rousselet.

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Sie erinnern an Särge - die Hüllen für den Straßentransport von Castor-Behältern.

(Foto: dapd)

Sechs weitere Behälter würden kommenden Dienstag und Mittwoch auf Speziallastwagen von der Wiederaufbereitungsanlage zu dem etwa 30 Kilometer entfernten Bahnhof gebracht. "Es hat bereits früher Transporte mit ähnlichem Umfang gegeben, aber dieses Mal ist die Konzentration der Radioaktivität extrem hoch", sagte Rousselet. Es bestehe Gefahr für alle, die an den Transporten beteiligt seien, nicht zuletzt für die Sicherheitskräfte, betonte er. Greenpeace begründete dies damit, dass die Brennstäbe besonders lange im Einsatz gewesen seien.

"Keine radiologischen  Auswirkungen"

Dagegen haben nach Angaben des Strahlenschutzexperten der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), Hartmut Schulze, Messungen der Strahlenwerte in La Hague an den Castor-Behältern ergeben, dass alle Grenzwerte eingehalten worden sind. Eine Gesundheitsgefährdung etwa für Polizisten, die den Castor begleiten, sieht die GNS nicht. Die Transporte von hoch radioaktivem Abfall hätten auch bisher keine radiologischen Auswirkungen auf das Personal gehabt, sagte Schulze.

Dennoch sollen die Sicherheitskräfte bestimmte Abstände zu den Behältern einhalten. "Je weiter weg, desto besser", sagte Schulze. Wenn Polizisten näher als fünfeinhalb Meter an die Atommüllbehälter kommen, wird laut GNS die Aufenthaltszeit in diesem Bereich genau gemessen.

Im Atommüll-Zwischenlager Gorleben stehen bereits 91 Behälter mit stark strahlenden Abfällen, 11 weitere kommen jetzt dazu. Die Behälter werden in Dannenberg vom Zug auf Speziallastwagen umgeladen, die noch rund 20 Kilometer bis zum Zwischenlager zurücklegen müssen. In der oberirdischen Lagerhalle kühlen die bis zu 400 Grad Celsius heißen Abfälle bis zu 40 Jahre lang ab.

Die Atommüll-Fahrten ins Zwischenlager sollen bis 2017 abgeschlossen sein. Im kommenden Jahr steht der letzte Transport aus La Hague an. Voraussichtlich von 2014 bis 2017 sollen dann noch vier Transporte aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield folgen.

Atomkraftgegner machen mobil

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Im Zwischenlager Gorleben stehen 91 Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen (hinten) und beschriftete Transporthauben (vorn) in der Transportbehälter-Halle.

(Foto: dpa)

Mehr als 1100 Atomkraftgegner und über 240 Gruppen haben sich bereits einem Internet-Aufruf zum massenhaften Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett entlang der Castor-Route angeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg werde wie angekündigt gegen alle Unterzeichner der Kampagne "Castor schottern" Ermittlungsverfahren einleiten, sagte eine Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Aktion - auch wenn die Unterzeichner sie nicht umsetzen sollten - eine Straftat, auf die bis zu fünf Jahren Haft stehen.

Am vergangenen Wochenende machten Atomkraftgegner in ganz Deutschland gegen den Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben mobil. Am Samstag demonstrierten nach Angaben von Organisatoren etwa 20.000 Menschen an 120 Orten entlang der Castor-Strecken. Für den Transport nach Gorleben rechnet die Deutsche Polizei-Gewerkschaft mit bis zu 50.000 Demonstranten, mindestens 16.500 Polizisten werden im Einsatz sein.

Die Anti-Atomkraft-Bewegung erwartet auch angesichts der geplanten Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke eine große Demonstrantenzahl. In Frankreich wird der Atommüll-Transport in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP