Politik

1,3387 Milliarden Menschen gezählt China altert zunehmend

China zählt durch und muss feststellen, dass es immer mehr ältere Menschen im Land gibt. Der Anteil jüngerer Chinesen sinkt und es leben immer weniger Menschen auf dem Land: Bereits jeder zweite Chinese wohnt in einer Stadt. Experten bewerten das als "historischen Schritt".

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Vergreisung: In China nimmt die Zahl älterer Menschen deutlich zu.

(Foto: AP)

Chinas Gesellschaft altert rapide und wächst nicht mehr so schnell wie noch vor zehn Jahren. Das zeigt die neuste Volkszählung im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Demnach sind immer mehr Chinesen älter als 60 Jahre. Die Bevölkerung ist in den vergangenen zehn Jahren jährlich nur noch um 0,57 Prozent auf insgesamt 1,3387 Milliarden gestiegen. Trotzdem will Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao unverändert an der strengen Ein-Kind-Politik festhalten. Ein weiterer Trend im Riesenreich ist zudem, dass es die Chinesen in die großen Städte zieht. Dort lebt bereits jeder Zweite. Die Entwicklungen stellten das Land vor wirtschaftliche und soziale Herausforderungen, sagte der Leiter des nationalen Statistikamts, Ma Jiantang

So macht die Vergreisung der Gesellschaft vielen Sorgen. Wegen der strengen Geburtenkontrolle fiel der Anteil der Chinesen unter 14 Jahren auf 16,6 Prozent - im Jahr 2000 waren es noch etwa 23 Prozent. Ältere Menschen über 60 Jahre machen schon 13,26 Prozent der chinesischen Gesellschaft aus. Wegen der traditionellen Bevorzugung von männlichen Nachkommen sind die Männer mit 51,27 Prozent ungewöhnlich stark vertreten - gegenüber 48,73 Prozent Frauen. In Deutschland ist das Verhältnis umgekehrt.

Hu verteidigt Ein-Kind-Politik

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Eine Ursache der älteren Gesellschaft soll die strenge Ein-Kind-Politik sein.

(Foto: AP)

Da die Überalterung und das Ungleichgewicht der Geschlechter für eine Lockerung der seit den 1980er Jahren geltenden Ein-Kind-Politik sprechen, machte Präsident Hu deutlich, dass die Geburtenkontrolle nicht geändert werde. Hu verwies auf die Reform und Entwicklung der Wirtschaft, die eng mit der Größe der Bevölkerung zusammenhänge. Für die ältere Bevölkerung müssten vielmehr die sozialen Dienste verbessert werden. Nach Angaben von Experten betrifft die Ein-Kind-Politik - wegen vieler Ausnahmen - ohnehin nur noch ein Drittel der Bevölkerung.

Traditionelle Familienstrukturen brechen der statistischen Erhebung  zufolge allerdings zunehmend auf, die nachfolgende Generation kümmert sich  tendenziell weniger um ihre Eltern als früher. Verbunden mit einem  überlasteten Sozial- und Rentensystem steigt in China somit die  Gefahr der Altersarmut.

"Historischer Schritt"

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Noch ein Trend: Jeder zweite Chinese lebt bereits in einer Stadt.

(Foto: AP)

Mit der zunehmenden Verstädterung kommen auf Metropolen wie Peking und Chongqing große Herausforderungen zum Ausbau der Infrastruktur zu. 2010 lebte knapp die Hälfte der chinesischen Bevölkerung in Städten und Ballungsräumen. Zehn Jahre zuvor waren es lediglich 36 Prozent.

"Das wirklich Entscheidende ist, dass China zum ersten Mal den historischen Schritt einer landwirtschaftlich geprägten zu einer urbanen Gesellschaft vollzieht", sagte der Bevölkerungswissenschaftler Wang Feng vom Brookings Institute Tsinghua Center for Public Policy in Peking. Die geringere Geburtenrate führe allerdings auch dazu, dass sich die Zahl der nachkommenden Arbeitskräfte verringere, während die Gesellschaft veraltere. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass die Entwicklung langfristig zu steigenden Löhnen und Preisen führen könnte.

Immer mehr Wanderarbeiter

Für den großen Zensus, der nur alle zehn Jahre stattfindet, waren im November sechs Millionen Volkszähler zehn Tage lang von Tür zu Tür gegangen und hatten 400 Millionen Haushalte besucht.

Mit dem zunehmenden Wohlstand haben allerdings immer mehr Chinesen die Erhebung als Eingriff in den Privatbereich empfunden. Die Volkszähler standen häufig vor verschlossenen Türen. Wegen der Ein-Kind-Politik wollten viele Familien nicht mitgezählt werden, weil sie ihre zusätzlichen Kinder gar nicht oder an anderen Orten angemeldet haben. Auch die mehr als 200 Millionen Wanderarbeiter, die oft am Rande der Gesellschaft leben, hatten wenig Interesse, über ihren Status und ihre Wohnortregistrierung Auskunft zu geben. Trotzdem war bei der Vorlage der Ergebnisse von einem "Erfolg" die Rede.

Die Zahl der Wanderarbeiter steigt offenbar auch. Nach den Ergebnissen der Volkszählung leben 261 Millionen Chinesen seit mehr als sechs Monaten nicht an dem Ort, wo sie sich angemeldet haben. Experten plädieren immer wieder dafür, das strenge Meldesystem zu lockern, um den Wanderarbeitern und ihren Familien auch Zugang zu sozialen Diensten in anderen Städten zu geben.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

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